Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 640 Kohlmarkt 1 um 1590, 1604, 1637

Beschreibung

Hausinschriften.1) Das Haus trägt den Namen ‘Zur Goldenen Rose’. Die dem Fachwerkhaus um 1590 zum Kohlmarkt hin vorgeblendete dreigeschossige Steinfassade mit von Voluten begleitetem Treppengiebel ist erhalten. Die Inschrift A verläuft über drei Friese im Giebel, denen außen jeweils Obelisken aufgesetzt sind. Auf der Giebelspitze steht eine vergoldete Statue. Die Inschrift B befand sich über der Tür eines Seitengebäudes. Die Inschrift C links und rechts eines Allianzwappens in der Fassade über dem Rundbogenportal.

Inschrift B nach der Sammlung Sack.

Maße: Bu.: ca. 20 cm (A), 6 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis.

Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    ZV DIESEM HAVS HERR IESV CHRIST : / DEIN SEGEN GIB ZV ALLER FRIST LAS ALLES DAREIN GEDEIEN WOL SO IST ES / DEINER GNADEN VOL WAS DV SEGNEST DAS BLEIBT BESTEHEN OHN DEINE HVLF MVS ALS VORGEHEN

  2. B†

    16 GW AD 04

  3. C

    C D /16 37 / M S .

Wappen:
Dohausen2)Scharff3)

Kommentar

Der Name des Gebäudes, der 1520 erstmalig erwähnt wird, geht möglicherweise auf Jakob Rosen zurück, der 1457 im Besitz des Hauses war.4) Die Initialen der Inschrift B lassen sich nicht auflösen. Die Initialen der Inschrift C stehen für Nikolaus (= Claus) Dohausen und seine zweite Ehefrau Margarethe Scharff, die seit dem Jahr 1600 im Besitz des Hauses waren.5) Die Inschrift aus dem Jahr 1637 ließ vermutlich der Sohn des Ehepaars, der spätere Ratsherr und Bürgermeister Franz Dohausen, anbringen, da seine Mutter bereits 1609 verstorben und sein Vater in dritter Ehe mit Margarethe Buch verheiratet war, von der er allerdings im Jahr 1637 geschieden wurde.6) Nikolaus Dohausen war Fernhändler und führte im Jahr 1614 als Bürgerhauptmann die Opposition gegen den Rat an. Dohausen gehörte damit zu den treibenden Käften, die an der völligen Umstrukturierung des Rates und der Reduzierung der Ratsmitglieder von 103 auf nur noch 55 in der Wahlperiode 1615/16 beteiligt waren.7) Er starb im Juli 1640. Zu Nikolaus Dohausen und seinen drei Ehefrauen vgl. a. Nr. 726, 814, 860.

Anmerkungen

  1. Nro. 190.
  2. Wappen Dohausen (Haus, links und rechts davon ein Stern). Vgl. Meier/Kämpe, Heraldische Untersuchungen 1914, S. 122.
  3. Wappen Scharff (gespalten, rechts Hausmarke H21, links steigender Löwe in einem Medaillon). Vgl. ebd.
  4. Meier, Bürgerhäuser, S. 28. Zu den Besitzern vgl. a. Carl Wilhelm Sack, Die goldene Rose zu Braunschweig. In: Braunschweigisches Magazin 1867, S. 419–425, 427–433, 435–440, 443–447.
  5. Vgl. Meier/Kämpe, Heraldische Untersuchungen 1914, S. 122. Nach Sack (wie Anm. 4), S. 427, ist Nikolaus Dohausen erst seit 1607 als Besitzer des Hauses nachzuweisen.
  6. Angaben nach der Personenkartei Mack. Vgl. a. Sack (wie Anm. 4), S. 437ff., der ausführlich die familiären Probleme des Nikolaus Dohausen schildert.
  7. Vgl. Spieß, Ratsherren, S. 42–44. Ob es sich bei Dohausen tatsächlich um ein „übel beleumdetes Subjekt, bei dem man vergeblich nach erfreulichen Zügen sucht“ gehandelt hat, wie Spieß (Geschichte, S. 167) konstatiert, muß dahingestellt bleiben.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 95, p. 370 (A, B).
  2. Carl Wilhelm Sack, Die goldene Rose zu Braunschweig. In: Braunschweigisches Magazin 1867, S. 419–425, 427–433, 435–440, 443–447, hier S. 419 (A), S. 427 (C), S. 428 (B).
  3. Bürgerhäuser (A, B).
  4. Hausinschriften (A).
  5. Steinacker, Häuserkatalog.
  6. Fricke, Haussprüche, S. 47 (A).
  7. Kat. Brunswiek,S. 389 (Abb. A).

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 640 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0064005.