Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

A3, Nr. 39A St. Katharinen 1. H. 14. Jh., 1668

Beschreibung

Kelch. Silber, vergoldet. Ältere Abbildungen des Kelches zeigen, dass der runde Fuß früher auf einer Zarge mit durchbrochenem Vierpassornament stand, die heute fehlt.1) Auf dem Fuß fünf Medaillons mit Reliefdarstellungen darin: Geburt; Verkündigung, der Engel mit einem Schriftband, darin eingraviert die Inschrift A; Auferstehung; Kreuzigung; Geißelung. Die eigenartige Abfolge der Szenen lässt darauf schließen, dass die separat eingesetzten Medailloninhalte irgendwann einmal umgesetzt und in der zeitlichen Folge durcheinandergebracht worden sind. In den Zwickeln zwischen den Medaillons und am Fußhals plastisches Blattornament vor aufgerautem Hintergrund. Ober- und unterhalb des Nodus kurze mit vierblättrigen Blüten verzierte Schaftstücke. Der abgeflachte Nodus ist oben und unten mit aufgelegten Weinreben verziert, in der Mitte trägt er acht rautenförmige Rotuli, darin umgeben von rotem, blauem und grünem Email die vier Evangelistensymbole sowie das Agnus Dei, ein Pelikan, ein Phönix und ein Löwe. Die trichterförmige Kuppa ist schlicht. Unter dem Fuß des Kelches eine eingravierte Renovierungsinschrift aus dem Jahr 1668 (B) sowie zwei weitere Renovierungsvermerke aus jüngerer Zeit.2) Auf die Renovierung von 1668 bezieht sich auch die Marke mit den Initialen (C) des Goldschmieds, die sich zusammen mit dem Braunschweiger Beschauzeichen auf der Kuppa findet. Vermutlich wurden bei der Renovierung des Jahres 1668 nicht nur die Kuppa und die beiden Schaftstücke erneuert, sondern auch der Fuß. Das Blattwerk des Fußes unterscheidet sich deutlich von dem des Nodus und der aufgeraute Hintergrund sowie die ungewöhnliche Unterteilung des Fußhalses durch glatte Stege in fünf Felder könnten auf eine Entstehung dieses Kelchteils im 17. Jahrhundert hinweisen. Dabei hätte man dann die Reliefs des alten Kelchfußes bewahrt und in falscher Reihenfolge in die Medailloneinfassungen eingesetzt.

Maße: H.: 22,7 cm; Dm.: 15,3 cm (Fuß), 15,9 cm (Kuppa); Bu.: 0,1 cm (A), 0,3 cm (B, C).

Schriftart(en): Gotische Majuskel (A), Kapitalis (B, C).

Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    AVE MARIA3)

  2. B

    RENOVATVM / 1668

  3. C

    PM

Übersetzung:

Gegrüßet seist du, Maria. (A)

Kommentar

Die Initialen PM stehen für den Braunschweiger Goldschmied Peter Martens, der von 1667/68 bis 1682 in dieser Tätigkeit nachzuweisen ist. Für St. Katharinen überarbeitete er im Jahr 1668 mindestens noch einen weiteren Kelch.4)

Anmerkungen

  1. Vgl. Spies, Goldschmiede, Bd. 2, S. 22, Abb. 59.
  2. . 1691 . /. A(nn)o 1712 .
  3. Liturgischer Text nach Lc. 1,28.
  4. Spies, Goldschmiede, Bd. 3, S. 120f., Nr. 496 . Vgl. a. Nr. 26A u. Nr. 136.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 136, Teil 1, p. 164 (B).

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, A3, Nr. 39A (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009a30039A0.