Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 1115 St. Ägidien 1664

Beschreibung

Doppelgrabplatte des Valentin Rademacher und der Elisabeth Korver. Sandstein. Die teilweise stark abgetretene Grabplatte ist heute außen an der Ägidienkirche im Vorhof zum Landesmuseum aufgestellt. Oben verläuft zeilenweise über die linke Hälfte des Steins die Inschrift A, über die rechte Hälfte die Inschrift B. Darunter in der Mitte die Inschrift C sowie zwei in Medaillons gesetzte Vollwappen. Unterhalb der Wappen links die Inschrift D, rechts die Inschrift E. Die Buchstaben der Inschriften sind eingehauen.

Ergänzung der Inschriften nach der Zeichnung in der Sammlung Sack.

Maße: H.: 219 cm; B.: 167 cm; Bu.: 3,5–4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Versalien.

Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    ANNO 1663 DEN 9 SEPTEMBR(IS) IST DER / EHRWÜRDIGER UND WOLGELAHRTER / HERR VALENTINUS RADE[MA]CH[ER] P[REDI]/GER BEY DIESER KIRCHE UND RE(VERENDI) [MI]/NISTERY ALHIE SUBSENIOR IN GOTT / SANFT UND SEL[IG] ENTSCHLAFFEN / SE[INE]S ALT[ER]S 82 IAHR / SEINES PREDIGAMPTS / 46 IAH[R]

  2. B

    ANNO 1664 DEN 10 JULY IST / [DIE E]H[R] UND TUGENTSAM[E / F]RAW [ELISA]BETH KO[RVER]S / HE[RRN VALENTIN]I RADEM[ACHER]S / S(ELIGEN) EH[ELICHE] HAUSFRA[W IN / GOTT SANFT UND] S[EL]IG [ENT/SCHLAFF]EN I[M] 80 [IAHR IHRES] / ALT[ERS]

  3. C

    ERW[A]RTEN ALHIE BEIDE AUS [IHREM GRABE] / EINE FRÖLICHE AUFERS[TEHUNG] / ZUM [EWIGEN LEBEN]a)

  4. D

    1 . IOHAN 2 . / MEINE KINDLEIN , SOLCHES SCHRIE/BE ICH EUCH , AUF DAS IHR NICHT / SUNDIGET . UND OB IEMAND SUN/DIGET . SO HABEN WIR EINEN [FUR]/SPRECHER BEY DEM VATER IESUM / C[HR]IST , DER GERECHT IST , UND DER/SE[L]BIGE IST DIE VERSÜHNUNG / FÜR UNSERE SÜNDE , NICHT ALLEIN / [A]BER FUR DIE UNSERE SONDERN / [AUCH FÜR DIE DER] GANZEN WELT 1)

  5. E

    PS . 90 . / UNS[ER] LEBEN WAEHRET SIE/BZIG I[A]HR , WENS HOCH KOMPT / SO SINDS ACHTZIG IAHR . WENS KÖSTLICH GEWESEN / IST SO IST MUHE UND ARB[EIT] / GEWESEN DEN ES FE[HRE]T / SCHNELL DAHIN ALS [FLÖGEN] / W[IR] DAVON . 2)

Wappen:
Rademacher3)Korver4)

Kommentar

Der aus Braunschweig stammende Valentin Rademacher war der Sohn des Tile Rademacher und der Ilsa Möller. Nach einem Besuch der Martinischule und der Schule in Göttingen immatrikulierte er sich im Jahr 1601 an der Universität Jena und wechselte noch im selben Jahr an die Universität Wittenberg,5) wo er sechs Jahre studierte. Im Jahr 1606 wurde er auf die Stelle des Rektors der Ägidienschule nach Braunschweig berufen. Zwei Jahr später heiratete er Elisabeth Korver, die Tochter des Bürgermeisters Franz Korver. Im Jahr 1609 erhielt er das Amt eines Pastors an St. Ägidien, das er bis 1653 ausübte; dann gab er das Amt wegen schwerer Krankheit auf.6)

Textkritischer Apparat

  1. So nach der Sammlung Sack, vermutlich war EWIGEN zu EW. gekürzt, da nicht genug Platz für sechs Buchstaben vorhanden ist.

Anmerkungen

  1. 1. Jh. 2,1f.
  2. Ps. 90,10.
  3. Wappen Rademacher (Rad, darunter zwei Sterne).
  4. Wappen Korver (oben Ziborium, Kelch und Henkelgefäß, der untere Teil des Wappeninhalts nicht zu identifizieren).
  5. Matrikel Jena, Bd. 1, S. 247. Matrikel Wittenberg, Bd. 2, S. 482.
  6. Die biographischen Angaben nach der Leichenpredigt, Roth, Auswertungen, Nr. 710.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 127, Teil 1, p. 43 u. p. 141 (Zeichnung).

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 1115 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0111509.