Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 1030† Dom St. Blasii 1654

Beschreibung

Grabplatte des Bernhard Schrader. Der hochrechteckige Stein lag im nördlichen Seitenschiff. Auf den Rahmenleisten lief die Inschrift A um, im Innenfeld oben zwei Medaillons mit Wappen darin, darunter die zeilenweise verlaufende Inschrift B.1)

Inschriften nach der Zeichnung in der Sammlung Sack.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    ANNO DOMINI 1654 14 MARTII / PIE OBIIT REVERENDUS CLARISSIMUS ET CONSULTISSIMUS VIR BERN-/HARDUS SCHRADER I(URIS) V(TRIUSQUE) D(OCTOR) SANCTI CYRI-/ACI DECANUS ANNO AETATIS 74 CUIUS ANIMA SIT IN BENEDICTIONE AETERNA

  2. B

    PSALM 90 V . 10 / DIES ANNORUM NOSTRO-/RUM SEPTUAGINTA AUT AD / SUMMUM OCTOGINTA ANNI / E QUIBUS QUOD OPTIMUM / EST LABOR ET DOLOR TRAN-/SITUS ENIM CELER EST ET / AVOLAMUS 2)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1654 am 14. März starb fromm der ehrwürdige, hochberühmte und sehr kundige Mann Bernhard Schrader, Doktor beider Rechte, Dekan von St. Cyriaci im 74. Jahr seines Alters. Seine Seele sei ewig gesegnet. (A)

Die Frist unserer Jahre dauert 70 Jahre oder, wenn es hoch kommt, 80 Jahre, die, wenn es sehr gut war, Mühe und Schmerz waren, denn der Übergang ist schnell und wir fliegen davon. (B)

Wappen:
Schrader3)Schaden4)

Kommentar

Bernhard Schrader war der Sohn des Osnabrücker Rates, Gelehrten und Inschriftensammlers Laurentius Schrader und der Christina Hermeling5) und ein Bruder der Margaretha Schrader (vgl. Nr. 1005). Nach dem Schulbesuch in Osnabrück und Braunschweig studierte Bernhard Schrader an den Universitäten Marburg, Helmstedt, Köln und Heidelberg.6) Im Jahr 1612 erwarb er an der Universität Heidelberg den Titel eines Doktors beider Rechte. Im Dienst des Königs Christian von Dänemark leitete er das Direktorium der Dompropstei Halberstadt. Dort heiratete er im Jahr 1613 Elisabeth Schaden, die Tochter des bischöflichen Sekretärs Arnold Schaden (vgl. Nr. 958). Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen als einziger Sohn nur Heinrich Schrader (vgl. Nr. 1162) seinen Vater überlebte. Im Jahr 1625 zog Bernhard Schrader nach Braunschweig, wo er als Jurist tätig war.7) In den Jahren 1642 bis 1653 bekleidete er hier das Amt des Dekans von St. Cyriaci.8)

Anmerkungen

  1. Beschreibung nach der Zeichnung in der Sammlung Sack, Nr. 129, Teil 1 (o. P.).
  2. Nach Ps. 89,10 der Vulgata, die Zählung in der Inschrift folgt der Lutherbibel.
  3. Wappen Schrader (drei Glocken 2:1). Wappenbeschreibungen nach der Zeichnung in der Sammlung Sack, Nr. 129, Teil 1 (o. P.).
  4. Wappen Schaden (geteilt, oben Adlerkopf, unten drei Schnecken balkenweise).
  5. Vgl. deren Epitaph und Grabplatte in der Marienkirche in Osnabrück, DI 26, Nr. 200 u. 201.
  6. Matrikel Marburg, Bd. 1, S. 148 (1602). Matrikel Helmstedt, Bd. 1, S. 297, Nr. 10 (1606). Matrikel Heidelberg, Bd. 2, S. 259, Nr. 37 (1612). In der Kölner Matrikel ist Schrader nicht verzeichnet, die Angabe folgt der Leichenpredigt, Roth, Auswertungen, Nr. 704.
  7. Die biographischen Angaben nach der Leichenpredigt, ebd. Das in der Leichenpredigt angegebene Geburtsdatum, der 16. Mai 1581, läßt sich nicht mit der Altersangabe in der Inschrift A vereinbaren.
  8. Döll, Kollegiatstifte, S. 194.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 129, Teil 1 (o. P., Zeichnung).

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 1030† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0103007.