Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 1023†? St. Ägidien 1653

Beschreibung

Grabplatte des Friedrich Franz von Uslar. Der Stein, der im Mittelschiff der Kirche lag, ist als Bestand des Landesmuseums verzeichnet,1) war zum Zeitpunkt der Bearbeitung jedoch nicht auffindbar. Die Inschrift A verlief auf der Rahmenleiste um den Stein und setzte sich oben im Innenfeld fort. Darunter im Innenfeld die Inschrift B. In der Mitte des Steins ein Vollwappen, unten die Inschrift C.2)

Inschriften nach der Sammlung Sack.3)

  1. A

    JOB . XIX . ICH WEISS [ – – – / – – – / – – – / – – – ] GOTT SEHEN / DENSELBEN [ – – – / – – – / – – – ] FREMDER 4)

  2. B

    PS . XXXI . V . IN DEINE HÄNDE [ – – – / – – – / – – – ] GETREUER GOTT 5)

  3. C

    DER WOLEDEL GESTRENG . UND / VESTE H(ERR) FRIEDERICH FRANZ VON / USLER FURSTL(ICH) AUCH GRÄFL(ICH) OSTFRIES(ISCHER) / GEWESENER RAAT UND DROST / IST GEBOHREN DEN XI MART(II) A(NN)O / M . D . XCI . DEN X . FEBR(UARII) NACH MITDER/NACHT ZWISCHEN II . UND III . UHR / SEHLICH IN GOTT ENTSCHLAFFEN / UND DEN VII . MART(II) A(NN)O MDCLIII . / ALHIER BEGRABEN SEINES AL/TERS 61 . JAHR 10 . MONATH 1 . WOCHE 3 . TAGE

Wappen:
Deichs6)

Kommentar

Friedrich Franz von Uslar studierte seit 1607 an der Universität Erfurt und ging danach 1611 für drei Jahre nach Helmstedt.7) 1619 wurde er als braunschweigischer Hofrat bestallt, trat 1624 in die Dienste des Herzogs Friedrich von Holstein und fungierte danach als Hofmeister der Grafen von Ostfriesland, mit denen er durch die Niederlande, England und Frankreich reiste. Im Jahr 1626 wurde er Drost des Amtes Greetsiel, kehrte aber von dort nach Braunschweig zurück und war in Legationen an das Schwedische Heer tätig. Verheiratet war er seit 1634 mit Gertraut Adelheid von Campen, einer Enkelin des Mindener Bürgermeisters Thomas von Campen8). Mit ihr hatte er sechs Kinder, von denen drei im Kindesalter starben (vgl. Nr. 861, 886, 957).9)

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. VM 5616.
  2. Beschreibung nach der Zeichnung in der Sammlung Sack, Nr. 127, p. 144.
  3. Die Wiedergabe folgt der Version in der Sammlung Sack, ebd.
  4. Hi. 19,25–27. In der Sammlung Sack, ebd., nur auszugsweise überliefert. Sinngemäß ist nach der Lutherübersetzung zu ergänzen zu: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde aufwecken. Und werde danach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen. Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder.
  5. Ps. 31,6. In der Sammlung Sack, ebd., nur auszugsweise überliefert. Sinngemäß zu ergänzen zu: In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.
  6. Wappen Deichs (geteilt, oben aus der Teilungslinie wachsender Löwe, unten zwei Wellenbalken). Nach der Zeichnung in der Sammlung Sack, Nr. 127, p. 145. Es handelt sich hierbei offenbar um das Wappen der Mutter des Verstorbenen (vgl. die Grabdenkmäler Nr. 861, 886, 957). Möglicherweise befand sich an anderer Stelle auf der Grabplatte auch das Wappen Uslar.
  7. Angaben nach der Sammlung Sack, Nr. 127, p. 26. In die Matrikel der Universität Helmstedt wurde Friedrich Franz von Uslar bereits im Jahr 1604 eingetragen, sein Studium dort nahm er aber erst später auf. Matrikel Helmstedt, Bd. 1, S. 177, Nr. 226. Matrikel Erfurt, Bd. 2, S. 504.
  8. Vgl. DI 46 (Stadt Minden), Nr. 115.
  9. Biographische Angaben nach der Sammlung Sack, Nr. 127, p. 26.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 127, p. 25 (C) u. p. 144.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 1023†? (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0102304.