Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 891† St. Martini 1640

Beschreibung

Epitaph des Superintendenten Balthasar Walther. Das hölzerne Epitaph hing im Chor. Im oberen Teil ein Bildnis des Verstorbenen, darüber ein Wappen, im unteren Teil die Inschrift.1)

Inschrift nach der Sammlung Sack.

  1. Gualtherius Sol aedis erat nunc umbra remansit Jenaque cum Gotha Brunopolisque gemunt Balthasar Gualtherus Allendorffensis Thuringus natus A(nno) C(hristi) MDLXXXVI . d(ie) I Maii fuit Prof(essor) P(ublicus) Jenae A(nnis) XI . Superintend(ens) Gothanus XV . Brunopol(is) annos IV. denatus A(nno) C(hristi) MDCXL . d(ie) XV . Novembr(is)

Übersetzung:

Walther war die Sonne der Kirche, nun ist Schatten geblieben, und Jena, Gotha und Braunschweig klagen. Der Thüringer Balthasar Walther aus Allendorf, geboren im Jahr Christi 1586 am Tag des 1. Mai, war 11 Jahre lang öffentlicher Professor in Jena, 15 Jahre Superintendent in Gotha und 4 Jahre in Braunschweig. Er starb im Jahr Christi 1640 am Tag des 15. November.

Versmaß: Ein elegisches Distichon.

Kommentar

Balthasar Walther stammte aus Allendorf in Thüringen, wo sein Vater Johannes Walther als Pastor tätig war. Nach dem Besuch der Schule an verschiedenen Orten begann er im August 1606 ein Studium an der Universität Jena, wo er noch im selben Jahr den Magistertitel erwarb. Im folgenden Jahr wechselte er an die Universität Gießen, ging aber 1608 wieder nach Jena zurück. Hier wurde er im Jahr 1610 zum Professor der griechischen Sprache ernannt, 1612 wurde ihm die Professur der hebräischen Sprache übertragen.2) Im Juni 1613 heiratete Balthasar Walther die aus Friedrichsroda stammende Barbara Hoffmann. Im Jahr 1615 amtierte er als Dekan der philosophischen Fakultät. Seit 1621 bekleidete Walther das Amt des Superintendenten des Kreises Gotha. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau im Jahr 1628 heiratete er im darauffolgenden Jahr Elisabeth Purgold, die Tochter eines Gothaer Ratsherrn. Im Jahr 1636 übernahm Balthasar Walther das Amt des Superintendenten der Stadt Braunschweig, das er bis zu seinem Tod ausübte. Während einer Predigt im Herbst 1640 erlitt er einen Schlaganfall und verstarb kurz darauf.3)

Zu Balthasar Walther vgl. a. die erhaltene Messingtafel von seiner Grabplatte Nr. 892.

Anmerkungen

  1. Angaben nach der Sammlung Sack, Nr. 138, Bd. 1, Teil 1 (o. P.), u. Bd. 3, p. 66.
  2. Die Angaben folgen der Leichenpredigt, Roth, Auswertungen, Nr. 4198. In die Matrikel Jena wurde Balthasar Walther bereits 1602 eingetragen (Bd. 1, S. 351), im Jahr 1615 ist er dort als Prorektor verzeichnet (Bd. 1, S. XLVI).
  3. Die biographischen Angaben nach der Leichenpredigt, Roth, Auswertungen, Nr. 4198.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 138, Bd. 1, Teil 1 (o. P.); Bd. 3, p. 66.
  2. Rehtmeyer, Kirchen-Historie, Teil 4, S. 539.
  3. Schmidt, Martinskirche, S. 86f.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 891† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0089109.