Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 814† St. Ulrici-Brüdern 1628

Beschreibung

Gemälde in epitaphartiger Umrahmung. Es hing im Chor der Kirche. Im Mittelteil befand sich ein Gemälde, das Christus als Gärtner mit Maria Magdalena zeigte. Auf dem Fries über dem Gemälde die fünfzeilige Inschrift A. Darüber in einem giebelförmigen Aufsatz die Inschrift B. Unterhalb des Mittelteils auf einer querrechteckigen Tafel in der Mitte eine Darstellung der Auferstehung Christi, links und rechts davon je ein Wappenschild. Unter dem linken Wappenschild die Inschrift C, unter dem rechten Wappenschild die Inschrift D.1)

Inschriften nach der Zeichnung in der Sammlung Sack.

  1. A

    Dialogismus Christi et Mariae Magd(alenae) / Quid ploras Mulier quia non mea gaudia novi / Desine Salvator sum tuus atq(ue) Deus / Ec quid adhuc ploras quia te mea gaudia novi / Notus et sanctus me lacrimare facis 2)

  2. B

    Anno 1628 / Nicolaus Dohausen / pictam hanc tabulam templo huic donavit

  3. C

    Claus Dohausen

  4. D

    Margaretha Scharves

Übersetzung:

Dialog Christi und der Maria Magdalena: Was weinst du, Weib? Weil ich nicht gewußt habe, wo meine Freude ist. Hör auf, ich bin dein Heiland und Gott. Aber warum weinst du denn noch immer? Weil ich dich, meine Freude, erkannt habe. Du, der du (mir) bekannt und heilig bist, bringst mich zum Weinen. (A)

Im Jahr 1628 hat Nikolaus Dohausen diese gemalte Tafel dieser Kirche geschenkt. (B)

Versmaß: Elegische Distichen (A).

Wappen:
Dohausen3)Scharff4)

Kommentar

Zu Nikolaus Dohausen vgl. a. Nr. 640, 726 u. 860. Daß das Gemälde nicht nur die Form, sondern möglicherweise auch die Funktion eines Epitaphs hatte, könnte man aus dem Umstand erschließen, daß es sich bei dem daran angebrachten Wappen der Ehefrau um das der 1609 verstorbenen Margaretha Scharff handelte. Zum Zeitpunkt der Entstehung des Gemäldes war Nikolaus Dohausen in dritter Ehe mit Margarethe Buch verheiratet, lebte aber aufgrund nicht beizulegender Differenzen bereits seit längerer Zeit von dieser getrennt.5) Daher findet sich das Wappen der dritten Ehefrau möglicherweise nicht auf dem Gemälde. Allerdings ist deren Wappen auf dem 1636 entstandenen Epitaph des Nikolaus Dohausen angebracht (Nr. 860), obwohl die Ehe ein Jahr später geschieden wurde (vgl. dazu Nr. 640).

Anmerkungen

  1. Beschreibung nach der Zeichnung in der Sammlung Sack, Nr. 133, Teil 1, p. 237.
  2. Vgl. Io. 20,13.
  3. Wappen Dohausen (Haus, links und rechts davon ein Stern). Wappenbeschreibungen nach der Zeichnung in der Sammlung Sack, Nr. 133, Teil 1, p. 237. Vgl. Meier/Kämpe, Heraldische Untersuchungen 1914, S. 122.
  4. Wappen Scharff (geteilt, rechts eine Hausmarke H33, links ein steigender Löwe in einem Medaillon). Die in der Sammlung Sack gezeichnete Hausmarke ist nicht identisch mit der Marke im Wappen Scharff am Haus Kohlmarkt 1 (vgl. Nr. 640, H21). Ob dies auf ein Versehen Becks bei der Zeichnung der Marke zurückgeht, oder ob es sich wirklich um zwei verschiedene Marken handelte, läßt sich nicht entscheiden.
  5. STA Wolfenbüttel, 37 Alt 1795–1797. Die Akten dokumentieren den sich über die Zeit von 1613 bis 1619 erstreckenden Streit zwischen den beiden Eheleuten.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 133, Teil 1, p. 24f. u. p. 237 (Zeichnung).

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 814† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0081408.