Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 801 St. Ulrici-Brüdern 1626

Beschreibung

Epitaph des Friedrich von Bortfeld und der Maria von Steinberg. Holz, farbig gefaßt, Ölgemälde. Das Epitaph hängt heute an der Südwand in der Kirche. Im Mittelteil vor einem Ölgemälde, das den Hintergrund der Kreuzigungsszene bildet, ein plastisches Kruzifix, daran der Titulus (A). Vor der Kreuzigungsszene knien auf dem vorspringenden Gesims acht vollplastische Figuren, links der Verstorbene mit drei Söhnen, rechts seine Ehefrau mit drei Töchtern, in der Mitte zwischen den Figuren Helm und Handschuh. In dem die Kreuzigungsszene abschließenden Rundbogen waren ursprünglich acht Vollwappen angeordnet, heute sind hier nur noch fünf Wappen angebracht. Links und rechts in den Zwickeln über der Kreuzigungsszene je eine Engelsfigur, seitlich auf Sockeln stehend die Figuren der Iustitia und der Fortitudo. Vor dem Gesims über dem Mittelteil zehn Vollwappen, ursprünglich waren hier zwölf angebracht. Weitere zwölf Vollwappen befinden sich vor dem Gesims unterhalb des Mittelteils, an dem früher lediglich zehn Wappen befestigt waren. Die hier wiedergegebene heutige Anordnung der Wappen an dem Epitaph läßt sich nicht mit der in der Sammlung Sack festgehaltenen Abfolge der Wappen in Einklang bringen.1) Die Identifizierung wird auch dadurch erschwert, daß die aus dem 19. Jahrhundert stammende Farbfassung nicht unbedingt der originalen Fassung entspricht. In der Zone oberhalb des Mittelteils ein Relief der Auferstehung, das seitlich von Pfeilern mit Karyatiden und von Ornamentwerk eingefaßt wird. Als Bekrönung eine auf einem Sockel stehende Figur der Caritas, links davon auf dem Gesims die Figur der Fides, rechts Spes. Den unteren Abschluß des Epitaphs bildet eine von Ornamentwerk umgebene Kartusche mit einer gemalten Inschrift in goldenen Buchstaben auf graublauem Untergrund (B).

Maße: Bu.: ca. 4 cm (A), ca. 1,5–3 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis (A), Fraktur (B).

Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    · I(ESUS) N(AZARENUS) R(EX) I(UDAEORUM) · 2)

  2. B

    Anno 1626 Den 4 . Januarij Ist der Weiland / Woledler Gestreng , Vester und mannhaffter Friderich / von Bordueld Werners [see]hlig Sohn Zu Gott Seh=/lich Von dieser Stadt gescheden . Deren Sehle / Gott gnedig seij . / Anno 1621 den 19 August Jst / die auch Weiland woledle und Viel/ehren Tugendreiche Fraw Maria gebo/rne von Steinberg . Des Woledlen gestreng(en) / vnd Vesten Friderich von Borduelds / Eliche Hausfraw , zu Gott selichlig / Von dieser welt abgescheden / Derer Sehle Gott gnedig sei . / Amen .

Wappen obere Reihe:
Stutterheim3)Horne4)Mahrenholtz5)Rauschenplatt6)?7)
Bodenhausen8)Zersen9)?10)Stael11)Veltheim12)

Kommentar

 
Wappen im Bogen:
?13)?14)?15)?16)Rehbock17)

   
Wappen untere Reihe:
Alten18) Mandelsloh?19)Alvensleben20)Saldern21)Knehem?22)
Münchhausen23)Saldern24)Hauß25)?26)Hanstein27)
Rauschenplatt6)Steinberg28)

Friedrich von Bortfeld, der Sohn des Werner von Bortfeld und der Gertrud von Alten, war königlich dänischer Rittmeister und Erbherr auf Soderhofen, Ölper und Engerode.29)

Anmerkungen

  1. Sammlung Sack, Nr. 133, Teil 1, p. 208/209 sowie o. P. (hinterer Teil der Akte). Danach handelte es sich bei den Wappen der väterlichen Linie um: Bortfeld, Alten, Alten, Holle, Hoym oder Dannenberg (zwei Balken), Rauschenplatt, Mahrenholtz, ? (zwei gekreuzte Hörner), Fulbach oder Zyli (zwei abgewendete Halbmonde), Mandelsloh, Saldern, Münchhausen, Busche, Mahrenholtz, Alvensleben, Bülow; bei den Wappen der mütterlichen Linie um: Steinberg, Wrisberg, Asseburg, Rehbock, Hanstein, Zersen, Westphal, Nette, Veltheim, Böckel, Stockheim, Hanen oder Bibow, Bodenhausen, Rauschenplatt, Papenheim, Steinberg. Einige dieser von Beck getroffenen Zuweisungen sind am heutigen Befund als fehlerhaft zu erweisen. Heute fehlen lediglich drei Wappenschilde, der Inhalt eines weiteren ist so verdeckt, daß er nicht zu identifizieren ist. Bei diesen vier Wappen müßte es sich um die der Familien Bortfeld, Alten, Holle und Steinberg handeln, soweit sie in der Sammlung Sack zutreffend benannt sind. Vor 1945 fehlte nur einer der 32 Wappenschilde. Dies läßt die Abbildung bei Meier (Kunsthandwerk, Abb. 88) erkennen, die leider keine Identifizierung der Wappeninhalte erlaubt.
  2. Io. 19,19.
  3. Wappen Stutterheim (zwei abgewendete Halbmonde). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 10 u. Tafel 8.
  4. Wappen Horne (zwei gekreuzte Jagdhörner, Mundstücke unten). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 73f.; Bd. 2, Tafel 177.
  5. Wappen Mahrenholtz (Rose vor geteiltem Schild). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 12 u. Tafel 13.
  6. Wappen Rauschenplatt (drei in ein Dreieck gestellte Äste mit daraus nach außen hervorwachsenden Kleeblättern). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 8 u. Tafel 6.
  7. Wappen ? (zwei Balken).
  8. Wappen Bodenhausen (drei Mondsicheln 2:1). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 4 u. Tafel 3.
  9. Wappen Zersen (Kesselhaken). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 134; Bd. 2, Tafel 344.
  10. Wappen ? (Zinnenbalken mit Zinnen nach unten über Balken).
  11. Wappen Stael (acht Kugeln am Rand entlang liegend). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 16 u. Tafel 18.
  12. Wappen Veltheim (drei Querbalken). Vgl. ebd., Bd. 2, Abt. 2, S. 10 u. Tafel 9; dort: breiter Balken mit zwei Querfäden belegt.
  13. Wappen heute durch den Kopf der davorstehenden Figur so verdeckt, daß der Inhalt nicht zu identifizieren ist.
  14. Wappen ? (Haken).
  15. Wappen ? (Vogel).
  16. Wappen ? (laufender Hund mit Halsband).
  17. Wappen Rehbock (Rehbock). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 103; Bd. 2, Tafel 253.
  18. Wappen Alten (schräge Reihe von sieben anstoßenden Rauten). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 3 u. Tafel 1.
  19. Wappen Mandelsloh? (hier: Jagdhorn am Band, eigentlich umwundenes Jagdhorn). Vgl. ebd., Bd. 3, Abt. 2, S. 253 u. Tafel 303.
  20. Wappen Alvensleben (zwei Balken, der obere mit zwei, der untere mit einer Rose belegt). Vgl. ebd., Bd. 3, Abt. 7, S. 1 u. Tafel 1.
  21. Wappen Saldern (Rose). Vgl. ebd., Bd. 6, Abt. 11, S. 50 u. Tafel 29. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das Wappen Saldern durch eine neue Farbfassung verfälscht worden, durch die die Rose eine senkrechte Teilung erhielt (vgl. Anm. 24).
  22. Wappen Knehem? (mehrfach gespalten, einmal quergeteilt, abwechselnd gegengestreift). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 32; Bd. 2, Tafel 81.
  23. Wappen Münchhausen (Mönch). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2,1, S. 274 u. Tafel 325.
  24. Wappen Saldern (Rose). Vgl. ebd., Bd. 6, Abt. 11, S. 50 u. Tafel 29. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das Wappen Saldern durch eine neue Farbfassung verfälscht worden, durch die die Rose eine waagerechte Teilung erhielt (vgl. Anm. 21).
  25. Wappen Hauß (ausgerissener gestümmelter Baumstamm). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 66; Bd. 2, Tafel 160.
  26. Wappen ? (geteilt, oben schreitender Hahn).
  27. Wappen Hanstein (drei Mondsicheln 2:1). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 8 u. Tafel 9.
  28. Wappen Steinberg (steigender Steinbock). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 121; Bd. 2, Tafel 305.
  29. Sammlung Sack, Nr. 133, Teil 1, p. 7. Dort weitere Angaben zur Familiengeschichte.

Nachweise

  1. Photographie: NLD Hannover, BS 18559.
  2. Sammlung Sack, Nr. 133, Teil 1, p. 6 u. 209.
  3. Abb.: Meier, Kunsthandwerk, Tafel 88.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 801 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0080107.