Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 786(†) St. Petri 1624

Beschreibung

Brüstungstafeln der 1888 entfernten hölzernen Priechen des Schülerchores. Ein Teil der Brüstungstafeln wurde 1937 zusammen mit anderen in der Kirche vorhandenen Tafeln an der neu errichteten Orgelempore angebracht. Im Oktober 1944 wurden sie teilweise durch Brand zerstört, nur die Kartusche mit der Inschrift D blieb erhalten und wurde zum Zeitpunkt der Bearbeitung im ev.-luth. Stadtkirchenbauamt verwahrt. Der Verbleib der anderen Tafeln, die nicht wiederverwendet wurden, ist nicht geklärt. Im ursprünglichen Zustand an der einen Prieche in drei Feldern unter einem Rundbogen in der Mitte eine Christusfigur als Pantokrator, links und rechts je ein Engel mit einem Wappenschild, im linken Schild ein Wappen, im rechten Initialen (A) und eine Hausmarke (H35). Unterhalb der Bogennischen von links nach rechts die Inschriften B–D. An der zweiten Prieche wiederholten sich die beiden Engelsfiguren mit Wappenschilden identischen Inhalts, im rechten Schild auch hier Initialen (E), darunter die Inschriften F und G.1) Im Jahr 1937 wurden die Tafeln mit den von Engeln gehaltenen Wappenschilden mit der Hausmarke links und rechts außen an der Orgelempore eingebaut. Die damals noch vorhandene Figur des Pantokrators wurde für die neue Orgelempore nicht wiederverwendet.2)

Inschriften A, C, E und G nach Photographien, B und F nach der Sammlung Sack.

Maße: Kartusche (D): H.: 15 cm; B.: 61 cm; Bu.: 4,3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A†

    H H

  2. B†

    C(AMERARIVS) HENRICVS HARTWICH PROVIS(OR) / PROPRIIS SVMTIBVS EXTRVXIT

  3. C†

    1 · 6 · 24 · 12 · IVLY

  4. D

    QVAE EST DIES · HENRICI · 3)

  5. E†

    H H

  6. F†

    AEDIFICATVS · EST · CHORVS

  7. G†

    IN · DEI · GLORIAM

Übersetzung:

Der Kämmerer Heinrich Hartwich, Provisor, hat (dies) auf eigene Kosten errichtet am 12. Juli 1624, welcher der Tag des Heinrich ist. (B–D)

Der Chor wurde errichtet zur Ehre Gottes. (F, G)

Wappen:
Hartwich4)

Kommentar

Zu Heinrich Hartwich vgl. sein Epitaph und die Kanzel in St. Petri (Nr. 798 u. 799).

Anmerkungen

  1. Beschreibung nach der Sammlung Sack, Nr. 141, p. 124.
  2. Vgl. Jünke, Zerstörte Kunst, S. 264 u. S. 270–272.
  3. Die Angabe der Inschrift stimmt nicht mit dem allgemeinen Gebrauch überein. Als Todestag Henrici imperatoris wird zumeist der 13. Juli angesehen, seltener auch der 14. oder 18. Vgl. Grotefend, Taschenbuch, S. 64.
  4. Wappen Hartwich (Hirschgeweih). Nach der Zeichnung in der Sammlung Sack, Nr. 141, p. 124. Vgl. Meier/Kämpe, Heraldische Untersuchungen 1903, S. 5.

Nachweise

  1. Photographien: NLD Hannover, BS 20402 u. 42853.
  2. Sammlung Sack, Nr. 141, p. 7 u. p. 124 (Zeichnung).
  3. Steinmann, Petrikirche, Nr. 168 (B–G).
  4. Abb.: Meier, Kunsthandwerk, Abb. 91 (G). Jünke, Zerstörte Kunst,S. 270–272.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 786(†) (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0078607.