Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 780 Ziegenmarkt 7 1623

Beschreibung

Hausinschriften.1) Gebäudekomplex aus mehreren Fachwerkhäusern. Auf der Traufenseite zur Jakobstraße hin auf dem Schwellbalken des vorgekragten zweiten Obergeschosses zwischen farbig gefaßten Ornamenten die Inschrift A in vergoldeten erhabenen Buchstaben. Dahinter beginnt auf dem Balken eine weitere, in zwei Zeilen ausgeführte Inschrift (B), von der jedoch nur die jeweils ersten anderthalb Buchstaben erhalten sind, da der Balken abgeschnitten ist.

Maße: Bu.: ca. 4 cm (A, Minuskeln), ca. 12 cm (A, Majuskeln), ca. 6 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis und Minuskeln.

Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    Da PaCeM IehoVa VrbI BrVnsVIgae ANNO DOMINI · M · DC · XXIII ·

  2. B

    IB / AWa)

Übersetzung:

Gott, gib der Stadt Braunschweig Frieden. (A)

Kommentar

Das Chronogramm ergibt die Jahreszahl 1623. Die Bitte um Frieden für die Stadt Braunschweig bezog sich wahrscheinlich auf die Bedrohungen durch den Dreißigjährigen Krieg. Der Bauherr dürfte der Sekretär Johann Bese gewesen sein, der in den Jahren 1608 bis 1631 im Besitz des Hauses war.2) Auch die Gestaltung der Inschrift als eine in ein lateinisches Chronogramm gekleidete Fürbitte deutet auf einen gehobenen Bildungsstand des Erbauers. Der aus Magdeburg stammende Johann Bese immatrikulierte sich im April 1586 an der Universität Wittenberg.3) Später stand er als Sekretär in den Jahren 1598 bis 1626 in Diensten der Stadt Braunschweig und erhielt dafür eine jährliche Besoldung von zunächst 20 Mark, später 35 Mark.4) Verheiratet war Johann Bese mit Anna Werneke.5) Er wurde am 12. Juli 1626 an St. Martini begraben.6)

Textkritischer Apparat

  1. Der jeweils zweite Buchstabe ist nur teilweise erhalten, von dem zweiten Buchstaben der ersten Zeile ist eine gerade Haste zu erkennen, von dem zweiten Buchstaben der zweiten Zeile noch eine linksschräge Haste. Geht man davon aus, daß es sich bei den Erbauern um Johann Bese und Anna Werneke handelte (vgl. Kommentar), so könnten hier lediglich die Initialen der Erbauer, IB und AW, gestanden haben, möglich wäre aber auch, daß die Nachnamen ausgeführt waren.

Anmerkungen

  1. Nro. 288.
  2. Meier, Häuserbuch, Bd. 1, p. 85. Vgl. a. Anm. a.
  3. Matrikel Wittenberg, Bd. 2, S. 335a.
  4. Sta Braunschweig, B II 1, Nr. 129–149, jeweils unter der Rubrik ‘Schreiberlohn’ verzeichnet.
  5. Sta Braunschweig, Kirchenbücher St. Martini, E 153, Teil 2 (Trauungen, Beerdigungen), p. 391. Nach dem Tod des Johann Bese heiratete Anna Werneke im Jahr 1631 Heinrich Woltorp.
  6. Sta Braunschweig, Kirchenbücher St. Martini, E 152, Teil 2 (Beerdigungen), p. 402.

Nachweise

  1. Hausinschriften.
  2. Steinacker, Häuserkatalog.
  3. Meier/Steinacker, Kunstdenkmäler, S. 92.
  4. Fricke, Haussprüche, S. 47.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 780 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0078009.