Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 667 St. Ulrici-Brüdern 1597, 1608–1610

Beschreibung

Gemälde in den Rückwänden des Chorgestühls. Dem zu Beginn des 15. Jahrhunderts entstandenen Chorgestühl wurden in den Rückwänden 46 im Jahr 1597 angefertigte Gemälde eingebaut, die in die holzgeschnitzten Nischen hinter jedem Sitz eingepaßt wurden. Dargestellt sind in den ursprünglich 46, seit der Renovierung der Kirche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur noch 42 von Schleierbrettern umgebenen Feldern Persönlichkeiten der Kirchengeschichte. In jedem Feld befindet sich eine ganzfigurige Darstellung, die den Betreffenden in einer Nische stehend zeigt. Unterhalb der Figuren auf einer gemalten Tafel der Name des Stifters des Gemäldes. Diese Stifternamen wurden in den Jahren 1608 bis 1610 nachträglich angebracht.1) Im holzgeschnitzten Dreipaß darüber jeweils gemalt ein Engels- oder Maskenkopf und eine gemalte Tafel mit der Namensbeischrift des im Bild Dargestellten. In späterer Zeit wurden offenbar einzelne Gemälde vertauscht, so daß die Beischriften anderen dargestellten Personen zugeordnet wurden. Die Inschriften A–U befinden sich im Gestühl auf der Südseite des Chores; die Wiedergabe erfolgt von links nach rechts. Die ebenfalls von links nach rechts wiedergegebenen Inschriften Z–TT befinden sich im Chorgestühl der Nordseite. Die Tafeln mit den Inschriften V–Y, die sich über den Sitzen auf der linken und rechten Seite vor dem Lettner befanden, sind verloren. Eine vom heutigen Zustand teilweise abweichende Zuordnung von Beischriften und Dargestellten, die Diskrepanzen zwischen Kleidung oder Attributen und dem Stand und der Lebenszeit des in der Beischrift Genannten zur Folge hatte, ist für das 18. Jahrhundert in der Sammlung Sack dokumentiert.2) Sie läßt darauf schließen, daß einzelne Bretter schon vor dieser Zeit vertauscht wurden. Offenbar wurden diese Vertauschungen – zumindest soweit sie ersichtlich waren – später wieder rückgängig gemacht, so daß Attribut und Kleidung heute mit den Beischriften übereinstimmen.

Inschriften ergänzt nach der Sammlung Sack.

Maße: H.: 187 cm; B.: 70 cm (jedes Feld); Bu.: 2,5–2,7 cm (Namensbeischriften), 3 cm (Stifternamen).

Schriftart(en): Kapitalis mit Versalien.

Sabine Wehking [1/2]

  1. A

    IGNATIVS . // B(VRGERMEISTER) HENNI / FISKER

  2. B

    POLYCARPVS // B(VRGERMEISTER) IASPER / HACKE

  3. C

    IVSTINVS . // B(VRGERMEISTER) IVRGEN / WICHMAN .

  4. D

    IRENEVS . // CVRDT / BERENS

  5. E

    CLEMENS . // IACOB / RADEMIN

  6. F

    ORIGENES . // HANS / ALEFELT . 3)

  7. G

    TERTVLLIANVS // IVRGEN / NIEMAN

  8. H

    LAVRENTIVS . // BARTIAT / KRIGER a)

  9. I

    CYPRIANVS . // IHERONYMVS . / REMMERS .

  10. J

    LACTANTIVS // VOLENTIN / LÖER .

  11. K

    EVSEBIVS . // ICENTE / SCHMED . b)

  12. L

    ATHANASIVS // IONAS / KRVSEN

  13. M

    GREGORI(VS) NYSSE(N)VS // HANS / RESEN .

  14. N

    HILARIVS . // HANS / WILCKENS

  15. O

    BASILIVS . // IOHANNIS / MOLLER

  16. P

    GREGORI(VS) NAZIANZEN(VS) // HINRICH / OLERICHS .

  17. Q

    AMBROSIVS // CASTEN / FRAES .

  18. R

    EPIPHANIVS // CAREL / FRIEN .

  19. S

    HIERONYMUS // IVRGEN / LAFFERS

  20. T

    THEOPHILACTVS // PETER / MEIER c)

  21. U

    CHRYSOSTOMVS // DIRICH / HORST d)

  22. V†

    CYRILLVS // CASTEN / ODING e)

  23. W†

    THEODORETVS // HANS / WIDE

  24. X†

    LEO // CVRD / REYSMEIER f)

  25. Y†

    FVLGENTIVS // AREND / WALSEN

  26. Z

    AVGVSTINVS //[PHILIP / SCHAPER] g)

  27. AA

    GELASIVS . // CASPERh) / MOER

  28. BB

    VIGILIVS // BESTIAN / IESER i)

  29. CC

    DAMASCENVS // MARTEN / HAVERLANT

  30. DD

    GREGORI(VS) MAGNVS // DANIEL / FRIEDACH

  31. EE

    ANSHELMVS // ZACHARIAS / RAHNER j)

  32. FF

    BERNHARDVS // HEINRICH / KRAMER

  33. GG

    BONAVENTVRA // HANS / OELRICHS

  34. HH

    HVGO // CHRISTOFFEL / [OLERICH]S

  35. II

    GER[SON] // IOST / KVKER k)

  36. JJ

    BEDA // [HANS / NIEMEIER]

  37. KK

    IOHANNES HVSS // [DANIEL / VOLCKMER]

  38. LL

    HYERONIMVS . PRAGE(NSIS) // PETER / K[ALL]Y

  39. MM

    LVTHERVS // HANS / BVNTEN

  40. NN

    PHILIPPVS // HARMEN / BROVCKMAN

  41. OO

    POMERANVS // HEINRICH / WILCKENS

  42. PP

    MORLINVS // CORNELIVS / SCHMALIAN

  43. QQ

    CHEMNICIVS // THILE / ARENS

  44. RR

    HVNNIVS // ZACHARIAS / SCHMALIAN

  45. SS

    POLYCARPVS // GERWIN / SCHMALIAN .

  46. TT

    MYLIVS // HANS / SCHMALIAN 4)

Kommentar

Die Gemälde fertigte der niederländische Maler Reinhard Roggen im Jahr 1597 an. Die Stifternamen wurden in den Jahren 1608 bis 1610 von Braunschweiger Malern ausgeführt. Auf weitere Ausführungen zur Entstehung und zum Bildprogramm der Gemälde kann hier verzichtet werden, weil Mack diese bereits ausführlich behandelt hat.5) Viele der hier genannten Braunschweiger Bürger finden sich auch in den Inschriften der Priechengemälde der Brüdernkirche (Nr. 663).

Textkritischer Apparat

  1. BARTIAT KRIGER] BARTELT KRIGH Sammlung Sack. Vermutlich durch Restaurierung verfälscht.
  2. ICENTE SCHMED] IOCHIM SCHMEDT Sammlung Sack. Vermutlich durch Restaurierung verfälscht.
  3. Nach der Sammlung Sack folgte im 18. Jahrhundert nach diesem Feld das Feld mit der Darstellung des Augustinus und der Inschrift Z. Die Darstellungen an der Südseite beschlossen Chrysostomus und Cyrillus. Mit Theodoretus setzten sich die Darstellungen auf der Nordseite fort.
  4. Nach der Sammlung Sack gehörte im 18. Jahrhundert zu der Beischrift des Chrysostomos das Bild mit dem Stifternamen CASTEN ODING, vgl. Inschrift V.
  5. Nach der Sammlung Sack gehörte zu der Beischrift des Cyrillus früher das Bild mit dem Stifternamen DIRICH HORST, vgl. Inschrift U.
  6. Nach der Sammlung Sack gehörte im 18. Jahrhundert zu der Beischrift des Leo das Bild mit dem Stifternamen BESTIAN IESER, das heute der Beischrift des Vigilius zugeordnet ist, vgl. Inschrift BB.
  7. Die Darstellung ist so zerstört, daß nur noch Reste von AVGVSTINVS lesbar sind.
  8. CASPER] JASPER Sammlung Sack. Vermutlich falsch restauriert.
  9. Nach der Sammlung Sack gehörte im 18. Jahrhundert zu der Beischrift des Vigilius das Bild mit dem Stifternamen IOST KVKER, das hier der Beischrift des Gerson zugeordnet ist, vgl. Inschrift II.
  10. RAHNER] KRAMER Sammlung Sack. Vermutlich falsch restauriert.
  11. Nach der Sammlung Sack gehörte im 18. Jahrhundert zu der Beischrift des Gerson das Bild mit dem heute verlorenen Stifternamen HANS NIEMEIER, das hier der Beischrift des Beda zugeordnet ist, vgl. Inschrift JJ.

Anmerkungen

  1. Zur Entstehung vgl. Mack, Bildzyklen, S. 15ff., hier S. 27.
  2. Sammlung Sack, Nr. 133, Teil 1, p. 128f. u. 166f.
  3. Zu Hans Alfeld vgl. Nr. 723.
  4. Es läßt sich nicht entscheiden, ob es sich um den Bürgermeister Hans Schmalian (vgl. Nr. 877) handelte, der 1658 verstarb, oder um den Hans Schmalian, der 1659 starb (vgl. Nr. 1083).
  5. Vgl. Mack, Bildzyklen, S. 14–28. Zu den Stifternamen vgl. Mack, Bürgergeschlechter, passim.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 133, Teil 1, p. 128f. u. 166f.
  2. Sack, Barfüßer, S. 411.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 667 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0066705.