Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 596† Kohlmarkt 2 1584

Beschreibung

Hausinschriften an dem ‘Zum goldenen Stern’ genannten Haus.1) Das dreigeschossige, zum Kohlmarkt hin giebelständige Haus mit massivem Untergeschoß, zwei Fachwerkgeschossen und einem dreigeschossigen Giebel wurde im Jahr 1894 abgebrochen. Die Inschrift A befand sich auf der rechten Seite der Schwellbalken der Obergeschosse zum Kohlmarkt hin; die Inschrift B auf den Schwellbalken zum Hutfiltern hin. In der steinernen Toreinfasssung in den Zwickeln über dem Bogen zwei Wappenschilde. Die Wetterfahne des Hauses trug die Initiale des Bauherrn (C). Die Inschrift D befand sich auf dem Schwellbalken eines Hintergebäudes; die Inschrift E auf einem Stein an der Hofseite. Die vor dem Abbruch des Hauses am Giebel befindliche Jahreszahl 1584, die einen Stern umgab, stammte aus jüngerer Zeit, ersetzte aber möglicherweise ein älteres Baudatum unter der Schieferverkleidung.

Inschriften A und B nach der Sammlung Sack, C nach Steinacker, D und E nach der Inschriftenkartei Mack.

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    DEVS · REFVGIVM // ET · FIDVCIA · MEA

  2. B

    LVDIT · IN · HVMANIS · DIVINA · POTENTIA ·// REBVS · ET · CERTAM · PRAESENS · VIX · HABET · HORA · FIDEM ··2)

  3. C

    L

  4. D

    SIMON LVDDEKE

  5. E

    SIMON LVDDEKE

Übersetzung:

Gott ist meine Zuflucht und meine Zuversicht. (A) Die göttliche Macht treibt Scherz in den menschlichen Belangen, und auf die gegenwärtige Stunde ist kaum sicherer Verlaß. (B)

Versmaß: Elegisches Distichon (B).

Wappen:
Lüddecke3)Tegetmeier4)

Kommentar

Das Gebäude auf dem Grundstück Kohlmarkt 2 hatte seit dem 14. Jahrhundert den Namen ‘Zum goldenen Stern’. Im Jahr 1584 erfolgte ein grundlegender Neubau des Hauses.5) Bauherr war der inschriftlich genannte Simon Lüddecke, der das Grundstück 1583 erworben hatte. Simon Lüddecke war in den Jahren 1580 bis 1602 Ratsherr der Altstadt, in den Jahren 1580 bis 1598 Gerichtsherr und 1599 Stuhlkämmerer. Während der Brabandtschen Revolution wurde er im Jahr 1602 zum Bürgermeister gewählt. Im Jahr 1604 wurde er als einer der Anführer des Brabandtschen Aufstands gefangengenommen; er starb 1607 in Gefangenschaft.6) Seine Ehefrau war die Tochter Hans Tegetmeiers d. Ä.7)

Anmerkungen

  1. Nro. 191.
  2. Ovid, Epistulae ex Ponto, IV, 3. Brief, Z. 49f.
  3. Wappen Lüddecke (steigender Löwe). Wappenbeschreibungen nach den Zeichnungen in der Sammlung Sack, Nr. 90, Teil 2, p. 3. Vgl. Meier/Kämpe, Heraldische Untersuchungen 1903, S. 25.
  4. Wappen Tegetmeier (dreizackige Forke). Vgl. ebd.
  5. Fricke, Bürgerhaus, S. 159. Vgl. a. Carl Wilhelm Sack, Der goldene Stern zu Braunschweig. In: Braunschweigisches Magazin 1868, S. 223–229, 231–236, 239–245.
  6. Spieß, Ratsherren, S. 161. Vgl. a. Sack (wie Anm. 5), S. 239. Nach Sack starb Simon Lüddecke im Gefängnis, ohne daß ihm die Kommunion erteilt worden wäre, und wurde auf dem Brüdernkirchhof unehrenhaft bestattet. Vgl. dazu a. Sta Braunschweig, H VIII A, Nr. 3453.
  7. Meier/Kämpe, Heraldische Untersuchungen 1903, S. 25.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 90, Teil 2, p. 3 (A, B).
  2. Carl Wilhelm Sack, Der goldene Stern zu Braunschweig. In: Braunschweigisches Magazin 1868, S. 223–229, 231–236, 239–245, hier S. 228 (A, B).
  3. Steinacker, Häuserkatalog (A–C).

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 596† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0059606.