Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 562 Städtisches Museum 1578

Beschreibung

Messingtafeln vom Epitaph des Bürgermeisters Johann Doring.1) Die drei gestochenen Messingplatten waren in einen Holzrahmen montiert. Sie stammen aus St. Martini; das Epitaph war aber bereits Ende des 19. Jahrhunderts aus der Kirche entfernt.2) Der hölzerne Rahmen fehlt heute. Die größte der drei Platten zeigt ein Brustbild des Verstorbenen, der einen Mantel mit breitem Pelzkragen trägt. In der Hand hält er ein eingerolltes Blatt. Über der linken Schulter im Hintergrund ein Kruzifix, daran der Titulus A. Am unteren Rand der Platte Rollwerk, darin Initialen (B). Die zweite Platte trägt zwischen seitlichem Ranken- und Rollwerkornament die Inschrift C. Auf der dritten, als Kartusche angebrachten, unten im Bogen abgeschlossenen Tafel die Inschrift D, darunter ein gravierter Engelskopf. Die nicht erhaltene Inschrift E befand sich unten am Epitaph. Die I der Inschriften C und D sind mit i-Punkten versehen, die als V geschriebenen u durch kleine Striche gekennzeichnet.

Inschrift E nach der Sammlung Sack.

Maße: Porträttafel: H.: 38,2 cm; B.: 27,8 cm; Bu.: 0,2 cm (A), 0,4 cm (B). Querrechteckige Tafel: H.: 8,5 cm; B.: 25 cm; Bu.: 0,9 cm (C). Kartusche: H.: 8,7 cm; B.: 18,5 cm; Bu.: 0,9 cm (D).

Schriftart(en): Kapitalis (A–D).

Sabine Wehking [1/1]

  1. A

    I(ESVS) N(AZARENVS) R(EX) I(VDAEORVM) 3)

  2. B

    F K

  3. C

    D(OMINO) IOHANNI DORINGO VIRO AMPLISS(IMO) PRVDENTISSIMOQ(VE) . / SYNCERAE PIETATIS CVLTORI AC PROMOTORI . / GENERE AC ERVDITIONE PRAESTANTISS(IMO)a) CO(N)S(VLI) OPTIME MERITO . /CONRADVS ET IOHANNES FILII PARENTI VENERANDO . / GRATAE AC SANCTAE MEMORIAE ERGO POSVERVNT .

  4. D

    MORITVR ANNO CHRISTI M Db) LXXIIX / DIE VIII MARTII : CVM VIXISSET ANNOS LXI / MENSES XI DIES II : VICTVRVS APVD / DEVM IN OMNEM AETERNITATEM :

  5. E†

    Hans Wilken me fecit

Übersetzung:

Dem Herrn Johann Doring, einem sehr bedeutenden und sehr klugen Mann, einem Verehrer und Förderer der reinen Frömmigkeit, dem durch seine Herkunft und Bildung herausragenden hochverdienten Bürgermeister, dem verehrungswürdigen Vater haben die Söhne Konrad und Johann des dankbaren und heiligen Andenkens wegen (dieses Denkmal) gesetzt. (C)

Er starb im Jahr Christi 1578 am 8. März, als er 61 Jahre, 11 Monate und 2 Tage gelebt hatte, der bei Gott in alle Ewigkeit leben wird. (D)

Hans Wilken machte mich. (E)

Kommentar

Die sehr sorgfältig ausgeführte Kapitalis der Inschriften C und D weist betonte Linksschrägen- und Bogenverstärkungen auf, die Binnenflächen der Buchstabenbestandteile sind jeweils schraffiert.

Bei den Initialen der Inschrift B handelt es sich um eine Künstlersignatur; sie lassen sich jedoch nicht auflösen. Inwieweit sie sich mit der nur kopial überlieferten Künstlerinschrift E in Einklang bringen lassen, ist nicht endgültig zu klären. Da es sich bei Hans Wilken um einen Bronzegießer handelte (vgl. Nr. 733), ist davon auszugehen, daß er die drei Tafeln goß. Vermutlich stammen von F. K. die Gravuren der Platten.4)

Johann Doring immatrikulierte sich 1534 an der Universität Erfurt.5) Verheiratet war er mit Emerentia Elers.6) Das Ehepaar bewohnte das 1546 errichtete Haus Eiermarkt 6 (vgl. A1 1546). In den Jahren 1542 bis 1571 gehörte Johann Doring dem Rat der Altstadt an. 1553 bis 1559 amtierte er als Küchenkämmerer, 1562 als Kleiner Bürgermeister und 1563 bis 1571 als Großer Bürgermeister. Im Jahr 1574 schied er wegen Krankheit aus dem Rat aus.7)

Sein Sohn Konrad Doring studierte an der Universität Rostock8) und gehörte von 1578 bis 1613 dem Rat der Altstadt an. Von 1590 bis 1593 amtierte er als Küchenkämmerer – in dieser Funktion ist er in einer Bauinschrift am Gymnasium Martino-Katharineum (Nr. 648) erwähnt –, 1596 bis 1598 als Kleiner Bürgermeister und 1601 bis 1613 mit Unterbrechungen aufgrund innenpolitischer

Unruhen als Großer Bürgermeister. Er starb am 30. August 1625.9) Sein Bruder Johann, der mit Lucia Pawel verheiratet war, ist als Besitzer verschiedener Häuser in der Stadt Braunschweig nachweisbar; er starb im Jahr 1616.10)

Textkritischer Apparat

  1. Der Kürzungspunkt in Form einer Blüte.
  2. Neulateinische Zahlzeichen.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. 11/1/191 (B 13).
  2. Vgl. Schmidt, Martinskirche, S. 72.
  3. Io. 19,19.
  4. Vgl. a. Heusinger, Platten, S. 232.
  5. Matrikel Erfurt, Bd. 1, S. 342a, Z. 17.
  6. Reidemeister, Genealogien, S. 50.
  7. Spieß, Ratsherren, S. 99.
  8. Matrikel Rostock, Bd. 1, S. 165b, Z. 28.
  9. Spieß, Ratsherren, S. 98.
  10. Vgl. Reidemeister, Genealogien, S. 50.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 138, Bd. 1, Teil 1 (o. P., C, D) u. Teil 2 (o. P., Zeichnung, C–E); Bd. 3, p. 35 (C, D).
  2. Schmidt, Martinskirche, S. 72.
  3. Abb.: Kat. Brunswiek, S. 253, Abb. 25.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 562 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0056209.