Inschriftenkatalog: Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 493† St. Andreas 1561

Beschreibung

Epitaph des Bernt von Broitzem. Das hölzerne Epitaph war an der Südwand zwischen zwei Türen angebracht.1) Seit dem Jahr 1897 hing es an der Sakristeiwand.2) Über den Verbleib nach 1945 ist nichts bekannt. Das Epitaph bestand aus einem Gemälde, das die Geburt Christi zeigte, darunter in der Mitte zwei Vollwappen, links davon der Verstorbene mit sechs Söhnen, rechts die Ehefrau mit fünf Töchtern. Unterhalb der Darstellungen in zwei gerahmten Feldern die gemalten Inschriften A und B.

Inschriften nach Photographie.

Schriftart(en): Kapitalis (A), Fraktur (B).

  1. A

    HIC SVA BERNHARDVS BROITZEMVS CONSVL IN VRNA / FRIGIDA POST SVMMVM CONDIDIT OSSA DIEM / QVI DVM PRAECONIS DEPENDET AB ORE DOCE(N)TIS / IN TEMPLO HOC SVBITO FVNERE RAPTVS OBIT / MENS RECTA SVPEROS ADIIT SED TECTAa) SEPVLCHRO / IN SPE SANCTORVM MEMBRA SOLVTAb) CVBANT

  2. B

    Anno 1561 den Sondach na Martini was de 16 . / maentes dach November den vormiddach twi/schen Negen vnde teinen so der Erbar Borgeme/ster Berent von Breitzem in dusser kercken in / Got entslapen vnde alhier begraffen des sele / Got wolle gnedich sein Amen

Übersetzung:

Hier in dem Grab hat der Bürgermeister Bernt von Broitzem seine erstarrten Gebeine nach seinem letzten Tag niedergelegt, der, während er an den Lippen des lehrenden Predigers hing, in dieser Kirche durch einen plötzlichen Tod dahingerafft starb. Der Geist hat sich geradewegs den Himmlischen genähert, aber durch dieses Grab bedeckt ruhen die gelösten Gebeine in der Hoffnung auf die Heiligen. (A)

Versmaß: Elegische Distichen (A).

Wappen:
Broitzem3)Vechelde4)

Kommentar

Bernt von Broitzem (vgl. a. dessen Grabplatte Nr. 494) war der Sohn des Tile von Broitzem und der Adelheid Glümer.5) Im Sommersemester 1523 immatrikulierte er sich zusammen mit seinem Bruder Bodo an der Universität Leipzig, am 11. Mai 1529 an der Universität Wittenberg.6) In den Jahren 1552 bis 1559 übte er das Amt des Bürgermeisters der Neustadt aus.7) Verheiratet war Bernt von Broitzem mit Elisabeth von Vechelde, die im Jahr 1583 starb.8) Bernt von Broitzem verstarb den Inschriften A und B zufolge während eines Gottesdienstes in der Andreaskirche.

Textkritischer Apparat

  1. TECTA] So nach Photographie, IN HOC Sammlung Sack.
  2. SOLVTA] So nach der Photographie, SOLVM Sammlung Sack.

Anmerkungen

  1. Sammlung Sack, Nr. 128, p. 156.
  2. Vgl. die Abb. bei Jünke, Zerstörte Kunst, S. 36 u. 56. Beschreibung nach der Photographie NLD Hannover, o. Nr.
  3. Wappen Broitzem (Lilienstabkreuz). Vgl. Reidemeister, Genealogien, Tafel S. 16/17. Bei Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 4, irrtümlich: vier kreuzförmig gestellte auswärts gekehrte Lilien.
  4. Wappen Vechelde (Schrägbalken mit drei Rosen belegt). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 10 u. Tafel 8.
  5. Vgl. Reidemeister, Genealogien, S. 34f.
  6. Matrikel Leipzig, Bd. 1, S. 587; Matrikel Wittenberg, Bd. 1, S. 135.
  7. Vgl. Spieß, Ratsherren, S. 86.
  8. Reidemeister, Genealogien, S. 35.

Nachweise

  1. Photographie: NLD Hannover (o. Nr.).
  2. Sammlung Sack, Nr. 128, p. 15 u. p. 156 (Zeichnung).
  3. Abb.: Jünke, Zerstörte Kunst, S. 56.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 493† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di056g009k0049303.