Inschriftenkatalog: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 78: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt (2009)

Nr. 372 Baden-Baden, altkath. Pfarrkirche St. Maria u. Vierzehn Nothelfer (ehem. Spitalkirche) 1580

Beschreibung

Grabplatte für Anna von Botzheim, geb. Hose. Im Jahre 1801 von Franz Josef Herr zwischen den Grabplatten für Agathe von Ramstein und Sebastian von Botzheim bezeugt.1 Im Zuge der 1865 erfolgten Innenrenovierung der Kirche im westlichen Langhausjoch als viertes Grabmal von Osten aufrecht an die Südwand gestellt.2 Nach der 1963 vorgenommenen Kürzung des Kirchenschiffes in das östliche Langhausjoch versetzt.3 Hier seither das fünfte Grabmal von Osten an der Südwand. Rötlicher Sandstein. Die Platte ist horizontal in zwei unterschiedlich große Zonen unterteilt. Die oberen zwei Drittel füllt der zeilenweise eingemeißelte Widmungs- bzw. Stiftungsvermerk, umrahmt von einer dünnen Ritzlinie. Im unteren Abschnitt ein querrechteckiges, stark eingetieftes Feld mit zwei reliefierten Eheallianzwappen unter gemeinsamem Helm. In den vier Ecken, von denen die oberen zwei abgeschrägt sind, je eine Blattvolute. Das Grabmal ist an den Rändern leicht bestoßen und vor allem in der unteren Hälfte stark abgetreten.

Maße: H. 206, B. 102, Bu. 3,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Frakturversalien und einzelnen Zahlzeichen in Kapitalis.

Heidelberger Akademie der Wissenschaften [1/1]

  1. Frawen(n) Anna Boczheÿmin vom alten / geschlecht der Hosen weÿlandt. des Vhest(en) / Wilhelm Boczheÿms welcher Annoa) / M. D. XXIX vor Jhr mit Todt abgang / LII Jar ein witwe Zwelffer Kinder4) / Mutter aller frawen Zier die vff den / XXXI Octoberis A(nno)b) M D. LXXX / seeligclich im Herrn enntschlaffen Jhre / hinderlassene trawrige Suhne vnd Enckel / ausz Kindlicher eher vnnd schuldiger trew / habens Jḥṛẹṛ ḷịẹḅẹn Mutter vnnd Ahn/frawen Z[. . . . . . . .]eligerc) gedechtnus verord/net vnnd Ṣ[. . . . . . . . . .] Sie lebe in C̣ḥ[ri]ṣ[t]o / Lebet inn das Zwe[y] vnd achzigst Jhar

Wappen:
Botzheim, Hose.5

Kommentar

Die sorgfältig und einheitlich geschlagenen Gemeinen zeigen fast durchgängig noch die typischen Brechungen der Gotischen Minuskel. Eine Ausnahme bildet dabei das vollkommen ausgerundete d in der Hosen, dessen Schaft schräggestellt ist. Der gelegentlich leicht gekrümmte Bogen des h ist unter die Grundlinie gezogen. Neben dem Bogen-r kommt selten auch das Schaft-r vor, dessen oberes Schaftende überwiegend nicht nach links umgebrochen, sondern lediglich rechtsschräg geschnitten ist. Die linken Schrägschäfte von v bzw. w sind teilweise geschwungen und in den Oberlängenbereich hinein verlängert. Abgesehen von M und D sind sämtliche römischen Zahlzeichen in Kapitalis ausgeführt.

Anna war die Tochter des markgräflich badischen Rates Hans genannt von der Hoß.6 Ihre unbekannte Mutter stammte aus dem Geschlecht von Bacharach. Im Jahre 1515 wurde Anna Hose die Frau Wilhelms von Botzheim, der zunächst auf Ullenburg (Stadt Oberkirch, Ortenaukreis), später im Schloß Achern (Ortenaukreis) ansässig war.7 Nach dessen Tod im inschriftlich bezeichneten Jahr kaufte die Witwe 1545 ein Gut in Neuweier.

Textkritischer Apparat

  1. Das A in der Grundform des Minuskelbuchstaben; der separat geschlagene obere Bogen weit nach links und danach in einem Abschwung zur Grundlinie geführt.
  2. Kürzungszeichen nicht erkennbar.
  3. Ergänze vermutlich zu: Z[v christs]eliger o. ä.

Anmerkungen

  1. Vgl. GLA Karlsruhe Hfk-Hs nr. 509, Herr (wie unten). Siehe dazu nrr. 194, 295.
  2. Vgl. Kdm. Baden-Baden 216, 219 nr. 22; zu den Renovierungsmaßnahmen von 1865 s. a. RP Karlsruhe (Denkmalpflege) I/281, Spitalkirche, passim.
  3. Vgl. Stadtkreis Baden-Baden 139.
  4. Zu den fünf namentlich bekannten Kindern vgl. Oberbad. Geschlechterbuch, Bd. 1, 148.
  5. Helmzier: Botzheim; hier linksgewendet. Das heraldisch rechte Wappenbild fast gänzlich abgetreten.
  6. Vgl. wie auch zu den folgenden Angaben Oberbad. Geschlechterbuch, Bd. 2, 138.
  7. Zu weiteren Angehörigen des Geschlechts von Botzheim vgl. wie Anm. 4 und nrr. 295, 362.

Nachweise

  1. BLB Karlsruhe K 218, Herr, Materialien 423 (erw.).
  2. GLA Karlsruhe Hfk-Hs nr. 509, Herr, Merkwürdigkeiten, fol. 53r (erw.).
  3. Kdm. Baden-Baden 219 nr. 22.

Zitierhinweis:
DI 78, Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt, Nr. 372 (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di078h017k0037203.