Inschriftenkatalog: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 78: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt (2009)

Nr. 121† Baden-Baden-Lichtental, Kloster Lichtenthal, Klosterkirche 1493?

Beschreibung

Grabplatte für Dorothea Kechler von Schwandorf (?). Ehemals im ersten Joch westlich des Chorschlusses, etwa 3 m vor dem nördlichen Nebenaltar des hl. Bernhard nahe der Chorachse im Boden.1 Im Zuge der Fußbodenerneuerung von 1893 überdeckt oder abgegangen.2 Im Binnenfeld der Platte unter einem krabbenbesetzten und von einer Kreuzblume bekrönten Eselsrückenbogen das ganzfigurige Abbild der Verstorbenen im Ordenshabit.3 Zwischen ihren vor der Brust im Betgestus zusammengelegten Händen ein Rosenkranz. In den beiden Bogenzwickeln zwei zueinandergekehrte Wappenschilde. Den Plattenrand umliefen Grabbezeugung und Fürbitte, die 1804 des Gestühls wegen nur teilweise erkennbar waren.4

Inschrift nach GLA Karlsruhe 47/37, Herr.

  1. Anno . Domini . M . CCCC . X . [– – –]a) hic sepulta . cujus [– – –]b) requiescat in Pace : [– – –]c)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 14(…) hier begraben, deren (Seele) in Frieden ruhen möge (…).

Wappen:
Kechler von Schwandorf (?)5, unbekannt6.

Kommentar

Bei der Verstorbenen könnte es sich um Dorothea Kechler von Schwandorf handeln. Dafür spricht die überlieferte Blasonierung des heraldisch rechten Wappenschildes.5 In einer Urkunde vom 10. August 1481 bestätigte Äbtissin Margareta von Baden den Brüdern Wilhelm, Jakob und Hans Kechler von Schwandorf, daß das Kloster Lichtenthal auf alle Ansprüche verzichtet, die etwa im Namen der Klosterfrau Dorothea Kechler, die deren Schwester war, gestellt werden könnten.7 Offenbar war der Konvent in den Genuß einer größeren Zuwendung aus dem Vermögen von Dorotheas Familie gelangt, und ihren Geschwistern lag daran, weitere Forderungen von Seiten der Abtei auszuschließen. Diese Hypothese böte überdies eine Erklärung für die ehrenvolle Bestattung der Nonne im Chor. Ihr Tod wird im Lichtenthaler Nekrolog für den 15. November 1493 verzeichnet, womit sich die inschriftliche Überlieferung gut vereinbaren läßt.8 Allerdings war Dorothea nach den bisherigen genealogischen Untersuchungen die Tochter von Benz Kechler und Margarete von Bühl.9 Da für keine der bekannten Adelsfamilien von Bühl eine Schildfigur nachweisbar ist, die mit der Blasonierung des mütterlichen Wappens („3 Fruchthalme“) auch nur annähernd vereinbar wäre,10 bleibt die Identität der Verstorbenen letztlich doch ungewiß.

Textkritischer Apparat

  1. Die Lücke im Ms. durch vier waagerechte Striche auf der Grundlinie gekennzeichnet. Ergänze vermutlich zu M . CCCC . X . [CIII . – – –], vgl. Kommentar.
  2. Die Lücke im Ms. durch einen waagerechten Strich auf der Grundlinie gekennzeichnet. Ergänze vermutlich nach dem üblichen Formular der Fürbitte [anima].
  3. Die Lücke im Ms. durch einen waagerechten Strich auf der Grundlinie gekennzeichnet. Ergänze vermutlich [Amen].

Anmerkungen

  1. Vgl. GLA Karlsruhe G Lichtenthal 1, Grundriß Klosterkirche nr. 18, abgedr. in Kdm. Baden-Baden 510 (Abb. 416); zur Jocheinteilung des Chores vgl. ebd. 420 (Abb. 322).
  2. Vgl. Kdm. Baden-Baden 520. Zu den Renovierungsmaßnahmen um 1893 vgl. Stober, Denkmalpflege 141–143; Stober, Baugeschichte 114f.
  3. Vgl. GLA Karlsruhe G Lichtenthal 1, Grundriß Klosterkirche nr. 18, abgedr. in Kdm. Baden-Baden 510 (Abb. 416).
  4. Vgl. GLA Karlsruhe 47/37, Herr (wie unten).
  5. Erschlossen aus der Blasonierung in GLA Karlsruhe 47/37, Herr (wie unten): „(…) 2 Wappenschilde noch sichtbar, in dem einen ist ein gekrümmter Fisch (…).“ Die Angabe „ein gekrönter Fisch“ in Bauer (wie unten) wohl irrtümlich nach dieser Überlieferung. In GLA Karlsruhe G Lichtenthal 1, Grundriß Klosterkirche, nr. 18, abgedr. in Kdm. Baden-Baden 510 (Abb. 416), sind indessen zwei Fische abgebildet.
  6. Überlieferte Blasonierung in GLA Karlsruhe 47/37, Herr (wie unten): „(…) in dem andern [Wappenschild], so viel ich noch unterscheiden konnte, 3 Fruchthalme.“
  7. Vgl. Archiv der Freiherren Kechler von Schwandorf, Schloß Unterschwandorf, bearb. v. Dagmar Kraus u. Heike Talkenberger (Inventare der nichtstaatlichen Archive in Baden-Württemberg 22), Stuttgart 1996, 49 U 51.
  8. Vgl. GLA Karlsruhe 64/47, Nekrolog Lichtenthal III, fol. 21v. Herr überliefert hingegen aus ungenannter Quelle 1488 als Todesjahr, vgl. KA Lichtenthal Fach 22/1, Herr, Verzeichniß 46.
  9. Vgl. Otto Bickel, Die Freiherren Kechler von Schwandorf, in: Kraichgau 11 (1989) 144–161, hier 146f.
  10. Vgl. Oberbad. Geschlechterbuch, Bd. 1, 177f.; Alberti, Wappenbuch 96.

Nachweise

  1. GLA Karlsruhe 47/37, Herr, Beschreibung Lichtenthal 19 nr. 18.
  2. GLA Karlsruhe Hfk-Hs nr. 510, Herr, Begräbnisse Lichtenthal, fol. 10r nr. 18.
  3. GLA Karlsruhe N Mone 109, Mone, Aufzeichnungen Oosthal, fol. 202v.
  4. Gutgesell, Kloster Lichtenthal 33.
  5. Bauer, Frauenkloster Lichtenthal 276.
  6. Deodata, Frauenkloster Lichtental 173.
  7. Kdm. Baden-Baden 520 nr. 18.

Zitierhinweis:
DI 78, Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt, Nr. 121† (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di078h017k0012106.