Inschriftenkatalog: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 78: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt (2009)

Nr. 25 Baden-Baden-Lichtental, Kloster Lichtenthal, Fürstenkapelle 1348

Beschreibung

Wandgrabmal für Markgraf Rudolf IV. von Baden. Über der zugehörigen Grabplatte an der nördlichen Innenwand des Chorpolygons in einer Nische.1 Sandstein. Das längs zur Wand aufgestellte Tischgrabmal ist von einem krabbenbesetzten und von je zwei Fialen flankierten Eselsrückenbogen überfangen. Die obere Platte ruht vorn auf drei Pfeilern, die jeweils einen Wappenschild tragen. Auf der Oberseite das fast vollplastisch ausgearbeitete Relief des Verstorbenen im Kettenpanzer und Waffenrock. Die Figur hält das blanke Schwert in der Rechten und hat die Linke auf den Wappenschild gelegt. Das Haupt ist durch eine Hirnhaube geschützt. Zu Füßen ein schreitender Löwe. Als architektonische Rahmung ein Baldachin, der oben ebenfalls mit einem krabbenbesetzten Eselsrückenbogen abschließt. Die Kreuzblume wird von zwei reliefierten Wappenschilden flankiert. Den seitlichen Rahmen bilden zwei mehrfach abgestufte Fialen. Auf dem leicht abgeschrägten Plattenrand ist der zur Hälfte umlaufende Sterbevermerk eingemeißelt, der offenbar um 1829/32 geringfügig ergänzt wurde.2 Die im Boden liegende Grabplatte ist bis auf die vertikal am oberen linken Rand nachträglich angebrachte Zahl No. VIII. unbeschriftet.3 Im Feld zwei reliefierte Vollwappen übereinander. Die Fläche ringsum zu unbestimmter Zeit geglättet. Die Rückwand über dem Tischgrabmal wurde im Zuge der Renovierung der Fürstenkapelle um 1829/32 neu gestaltet.4 In der kleineren zentralen Wandnische die spätmittelalterliche Skulptur des sel. Bernhard von Baden.5 Links und rechts davon zwei Gedenktafeln für die beiden Ehefrauen des Verstorbenen mit den entsprechenden Allianzwappen und Inschriften.6 Damals wurden auch die Kreuzblumen und Fialen der Grabnische ersetzt.7 Das Tischgrabmal ist stellenweise geringfügig beschädigt.

Maße: H. 100, L. 297, B. 110,8 Bu. 7,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

Heidelberger Akademie der Wissenschaften; Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal, Baden-Baden [1/2]

  1. + ANNO · D(OMI)NI / M° · CCC° · XLVIII° · VII°a) · K(A)L(ENDAS)b) · IVNII · O(BIIT) · ILLVSTRIS · D(OMI)N(V)S · RVODOLF(VS)c) · MARCHI/O · DE · BADEN

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1348 starb am 7. Tag vor den Kalenden des Juni der durchlauchte Herr Rudolf Markgraf von Baden.

Datum: 26. Mai 1348.

Wappen:
Baden, Oettingen;9
Baden;10
dreimal Baden;11
Baden, Oettingen.12

Kommentar

Die Buchstaben, Kürzungszeichen und Zierformen entsprechen im Wesentlichen denen auf dem Grabdenkmal für den nur zwei Jahre früher verstorbenen Konrad von Fürstenberg.13 Allerdings sind die charakteristischen Zierlinien hier bisweilen weniger stark umgebogen; sie enden in diesen Fällen stumpf. Ein weiterer Unterschied betrifft das A, das hier zusätzlich in einer anderen pseudounzialen Gestaltungsvariante erscheint: Dabei setzt der geschwungene linke Schaft unterhalb des Deckbalkens am rechten Schaft an. Das unziale M wurde nur in seiner beiderseits geschlossenen Form wiedergegeben. Als Worttrenner dienen kleine Kreise auf halber Zeilenhöhe. Es ist anzunehmen, daß beide Grabmäler in derselben Straßburger Werkstatt angefertigt wurden.14

Rudolf IV. war der Sohn Markgraf Hermanns VII. von Baden und Agnes’ von Truhendingen.15 Bevor er sich mit seinem Bruder, Friedrich II. von Baden, in den markgräflichen Besitz teilte und die Stadt Pforzheim als Residenz übernahm, hatte er die niederen Weihen erhalten und war in das Speyerer Domkapitel eingetreten. Seine erste Ehe mit Liutgard von Bolanden ist erstmals für den 28. Februar 1318 belegt. Am 18. Februar 1326 war er bereits mit Maria von Oettingen verheiratet, die nach seinem Tod in das Kloster Lichtenthal eintrat und ihm das Grabmal gestiftet haben soll.16 Das im Nekrolog überlieferte Sterbedatum (VII. Kal. Julii = 25. Juni) weicht von der Inschrift nur in der Monatsangabe ab.17 Vermutlich liegt deshalb ein Fehler des Steinmetzen vor, der statt IVLII versehentlich IVNII meißelte.

Textkritischer Apparat

  1. M° · CCC° · XLVIII° · VII°] Die Ablativendungen auf dem die Inschrift oben begleitenden Stab.
  2. Als Kürzungszeichen ein waagerechter Balken, der den Schaft des L im oberen Drittel durchschneidet.
  3. Das erste O klein über das V auf den oberen Stab gesetzt. Der us-Bogen weit nach oben geführt. Rechts unter den Mittelbalken des F klein die Zählung VI. nachträglich hinzugesetzt.

Anmerkungen

  1. Als Bestattungsort ist im Nekrolog „ante altare maius in Cappella” angegeben, vgl. GLA Karlsruhe 64/47, Nekrolog Lichtenthal III, fol. 12v, abgedr. in Necrologium 168.
  2. Vgl. Anm. c.
  3. Zu F. J. Herrs Numerierung der Lichtenthaler Grabmäler 1803/04 vgl. GLA Karlsruhe 47/37, Herr, Beschreibung Lichtenthal 5.
  4. Vgl. zur Umgestaltung der Fürstenkapelle Stober, Baugeschichte 108–114; dies., Denkmalpflege 116–128; Krimm, Fürstenkapelle 147–158; Herr, Kloster Lichtenthal, passim.
  5. Um 1490 datiert, vgl. dazu Kdm. Baden-Baden 464 nr. 10, 465 (Abb. 368); Krimm, Markgrafen 82 (Abb. 10). Auf dem quaderförmigen Podest mit abgefasten Kanten die um 1829/32 eingemeißelte Inschrift: ORA / PRO FAMILIA / PATRIA / ET NOBIS, vgl. Krimm, Fürstenkapelle 154.
  6. Auf der linken Tafel zwei Allianzwappenschilde (Baden/Oettingen), verbunden durch eine Rosenkranzkette mit Kreuzanhänger. Darunter die Inschrift: + ANNO . D(OMINI) MCCCLXIX / X. IVNII . O(BIIT) MARIA . DE / OETTINGEN . MARCH(IONIS) / RVDOLFI . IV. VIDVA / HVIVS . MONASTERII . / MONIALIS. Auf der rechten Tafel wiederum zwei Allianzwappenschilde (Baden/Reinsberg?); darunter die Inschrift: + LVITGARD . NATA . DE / REINSBERC . VIDVA . DE / LOEWENSTEIN . MARCH(IONIS) / RVDOLFI . IV. DE . BADEN / PRIMA . CONIVX . / MCCCXXIII. Siehe hierzu Herr, Kloster Lichtenthal 50. Die Abstammung Liutgards von Bolanden hier falsch angegeben, vgl. Schwennicke, Europ. Stammtafeln NF, Bd. 1.2, Taf. 266.
  7. Ausgeführt durch die Steinmetzfirma Johannes Belzer, Weisenbach, für ca. 85 fl., vgl. Franz Josef Herr, Verzeichniß der Kosten (…), Beylage 3b (Rechnung über einige neue Monumente und Reparation in der Fürstlichen Begräbniskapelle vom 15.9.1832), in: GLA Karlsruhe 60/2068, Herstellung u. Ausstattung, o. S.
  8. Die Maßangaben beziehen sich lediglich auf das Tischgrabmal.
  9. Auf der Platte des Tischgrabmals beiderseits der Kreuzblume. Die Skizze in BLB Karlsruhe K 526, Fehnle, Serenissimorum (…) progenitores, fol. 35r zeigt statt des Wolkenfehs Eisenhutfeh.
  10. Schild an der Hüfte der Figur.
  11. An den drei Pfeilern des Grabmals.
  12. Auf der Grabplatte im Boden.
  13. Vgl. nr. 24.
  14. Vgl. zur Lokalisierung der Werkstatt bzw. zur Herkunft des unbekannten Steinmetzen Einl. Kap. 5.1, LXXVII; s. a. die äußerst ähnlichen Schrift- und Zierformen innerhalb des inschriftlichen Sterbevermerks für den zweiten Sohn Erwins von Steinbach namens Johannes in Clauss, Münster (1905) 24 nr. 21 (Abb.). Stilistisch nah verwandt sind auch die Inschriften nrr. 12, 18, 23, 29.
  15. Vgl. wie auch zu den folgenden Angaben Schwennicke, Europ. Stammtafeln NF, Bd. 1.2, Taf. 266. Zur Biographie Markgraf Rudolfs IV. von Baden vgl. Schwarzmaier, Baden (2005) 95; Schwarzmaier, Baden 185f.; Sütterlin, Geschichte 256f.; Merkel, Studien 73–85; ADB, Bd. 29, 524; Weech, Badische Geschichte 31–33; Preuschen, Badische Geschichte 500f.; Sachs, Einleitung, T. 2, 126–138; Schoepflinus, Historia, tom. 2, 43–47.
  16. Vgl. Herr, Kloster Lichtenthal 49.
  17. Vgl. GLA Karlsruhe 64/47, Nekrolog Lichtenthal III, fol. 12v; Necrologium 168. Siehe dasselbe Datum in RMB, Bd. 1, nr. 1046; GLA Karlsruhe 64/19, Nekrolog Lichtenthal I, fol. 112v, abgedr. in Chronik v. Lichtenthal 193; Schoepflinus, Historia, tom. 2, 47; Weech, Badische Geschichte 32. Sachs (wie unten) gibt indessen als Todestag den 24. Mai an.

Nachweise

  1. BLB Karlsruhe K 526, Fehnle, Serenissimorum (…) progenitores, fol. 35r.
  2. BLB Karlsruhe D 162, Fehnle, Austriacorum (…) familia, fol. 278r.
  3. GLA Karlsruhe 65/10, Fehnle, Serenissimorum (…) progenitores, fol. 125r.
  4. Schoepflinus, Historia, tom. 2, 47 (erw.).
  5. Sachs, Einleitung, T. 2, 135.
  6. KA Lichtenthal o. Sig., Glyckher, Chronik 93.
  7. GLA Karlsruhe 47/37, Herr, Beschreibung Lichtenthal 27 nr. VIII, Anlage M (Abb.).
  8. GLA Karlsruhe G Lichtenthal nr. 2, Grundriß Fürstenkapelle Bu. L–P, abgedr. in Kdm. Baden-Baden 515 (Abb. 421).
  9. GLA Karlsruhe Hfk-Hs nr. 510, Herr, Begräbnisse Lichtenthal, fol. 15r.
  10. Herr, Kloster Lichtenthal 49.
  11. Guise, Kloster Lichtenthal, o. S. (Taf. 14f.).
  12. Bildertafeln, Taf. II/IIIc (beschrieben von August von Bayer, in: Schriften des Badischen Alterthums-Vereins 1 (1845) 426f.).
  13. Urkundenarchiv Lichtenthal (1857) 227 Anm. 2.
  14. Gutgesell, Kloster Lichtenthal 72.
  15. Bauer, Frauenkloster Lichtenthal 316.
  16. RP Karlsruhe (Denkmalpflege), Photoarchiv, Neg.-nrr. 0458, 0523, 00182, 4683/13.
  17. RMB, Bd. 1, nr. 1046 (unvollst.).
  18. Stoesser, Grabstätten 60.
  19. Deodata, Frauenkloster Lichtental 206.
  20. Kdm. Baden-Baden 508 nr. 2, 513 (Abb. 419), 514 (Abb. 420).
  21. Wolters/Baur, Zisterzienserinnen-Abtei Lichtenthal 12 (erw.).
  22. KA Lichtenthal o. Sig., Bauer, Inventar, Bd. 3: Fürstenkapelle 71–81 (Abb.).
  23. Schwarzmaier u. a., Geschichte 77 (Abb.).
  24. Zorn, Kloster Lichtenthal 14 (Abb.).
  25. 750 Jahre Lichtenthal 29 (erw.).
  26. Cistercienserinnen-Abtei Lichtenthal 15 (erw.).

Zitierhinweis:
DI 78, Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt, Nr. 25 (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di078h017k0002509.