Inschriftenkatalog: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 78: Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt (2009)

Nr. 21† Baden-Baden-Lichtental, Kloster Lichtenthal, Klosterkirche 1343

Beschreibung

Grabplatte für Gräfin Agnes von Tübingen-Asperg. Ehemals im Chor hinter dem nördlichen Seitenaltar des hl. Bernhard im Boden.1 Hier nahe der Nordwand zwischen den Grabplatten für Gräfin Adelheid von Eberstein und einen Unbekannten, halb verdeckt unter dem Tischgrabmal für die Klosterstifterin Irmengard von Baden.2 Letztmalig 1942 bezeugt.3 Vermutlich während der Erneuerung des Fußbodens im Zuge der 1965 einsetzenden Kirchenrenovierung überdeckt oder entfernt.4 Unverzierte hochrechteckige Platte, die sich nach unten konisch verjüngte.5 Auf dem Rand zwischen zwei Rahmenritzlinien der umlaufend eingemeißelte Sterbevermerk. Im Binnenfeld die auf dem Kopf stehende arabische Zahl 9. nach Franz Josef Herrs Numerierungssystem.6

Inschrift nach RP Karlsruhe (Denkmalpflege), Photoarchiv; Ergänzungen nach Kdm. Baden-Baden.

Maße: H. 220, B. 81, Bu. ca. 8 cm.7

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

LDA Karlsruhe [1/1]

  1. + ANNO · D(OMI)NIa) / · M ·b) CCC · XL · III · O(BIIT) · AGNETISc) COME/TISSAd) · DEe) / · ASẒẸBERGf) · IN · DIE · O(MN)Ị(V)Ṃ · S(AN)C(T)ỌRVM ·

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1343 verstarb am Tag Allerheiligen Agnes Gräfin von Asperg.

Datum: 1. November 1343.

Kommentar

Die Buchstaben sind mit kräftigen, zum Teil spitz ausgezogenen Bogenschwellungen und deutlichen Sporen versehen. Das ansatzweise pseudounzial wiedergegebene A hat einen rechtsschrägen oder gebrochenen Mittelbalken. An unzialen bzw. runden Formen erscheinen das geschlossene E, das beiderseits offene M, das N und das T. Als Worttrenner dienen kleine Kreise auf halber Zeilenhöhe.

Nach dem derzeitigen Forschungsstand läßt sich die Verstorbene, deren inschriftliches Todesdatum durch einen Eintrag im Lichtenthaler Nekrolog bestätigt wird, nur mit einer der beiden gleichnamigen Töchter des Grafen Ulrich I. von Tübingen-Asperg identifizieren.8 Die ältere von ihnen war mit Graf Konrad III. von Vaihingen verheiratet, wird allerdings bereits am 18. Dezember 1298 letztmalig erwähnt.9 Da jedoch für Konrad, der erst 1317/19(?) starb,10 keine zweite Ehe überliefert ist, könnte sie durchaus noch längere Zeit gelebt haben. Die jüngere Agnes scheidet indessen mit einiger Wahrscheinlichkeit aus, obwohl sie noch für den 5. Mai 1320 urkundlich belegt ist.11 Sie war Leutold von Kuenring, Oberstschenken in Österreich, zur Frau gegeben worden und dürfte deshalb kaum in Lichtenthal bestattet worden sein.12

Textkritischer Apparat

  1. Bis auf den ersten Buchstaben auf dem Photo verdeckt; ergänzt nach Kdm.
  2. · M ·] Auf Photo verdeckt; ergänzt nach Kdm.
  3. So statt AGNES bzw. AGNETA.
  4. Die ersten drei Buchstaben auf dem Photo verdeckt; ergänzt nach Kdm.
  5. · DE] Auf dem Photo nicht erkennbar; ergänzt nach Kdm.
  6. Auf dem Photo nicht eindeutig zu erkennen. Lies möglicherweise auch ASHEBERG.

Anmerkungen

  1. Vgl. GLA Karlsruhe G Lichtenthal nr. 1, Grundriß Klosterkirche nr. 9 (wie unten).
  2. Vgl. nrr. 23, 35; s. a. Kdm. Baden-Baden 506 (Abb. 412). Zu der unbekannten Grabplatte vgl. ebd. 502 nr. 8.
  3. Vgl. Kdm. Baden-Baden 502 nr. 9.
  4. Vgl. zur Fußbodenerneuerung Stober, Baugeschichte 117; Stober, Denkmalpflege 150.
  5. Beschreibung nach RP Karlsruhe (Denkmalpflege), Photoarchiv, Neg.-nr. 0519, abgedr. in Kdm. Baden-Baden 506 (Abb. 412).
  6. Zu F. J. Herrs Numerierung der Lichtenthaler Grabmäler 1803/04 vgl. GLA Karlsruhe 47/37, Herr, Beschreibung Lichtenthal 5.
  7. Größenangaben nach Kdm. Baden-Baden 502 nr. 9; die Buchstabengröße anhand Photo errechnet.
  8. Vgl. Europ. Stammtafeln NF, Bd. 12, Taf. 48. Zum Todesdatum vgl. GLA Karlsruhe 64/47, Nekrolog Lichtenthal III, fol. 21r. Zur Genealogie und Geschichte der Grafen von Asperg-Tübingen allg. vgl. Irmgard Knoll, Die Grafen von Asperg – ein Zweig der Pfalzgrafen von Tübingen: Studien zu Genealogie, Besitz und Herrschaft sowie zur Vorgeschichte der Grafschaft Asperg/Glemsgau, Magisterarbeit am Historischen Seminar der Universität Stuttgart, 1989 (nicht einsehbar); Die Pfalzgrafen von Tübingen. Städtepolitik, Pfalzgrafenamt, Adelsherrschaft im Breisgau, hg. v. Hansmartin Decker-Hauff, Sigmaringen 1981, passim; Ludwig Schmid, Geschichte der Pfalzgrafen von Tübingen nach meist ungedruckten Quellen, nebst Urkundenbuch. Ein Beitrag zur schwäbischen und deutschen Geschichte, Tübingen 1853, hier bes. 218.
  9. Vgl. Europ. Stammtafeln NF, Bd. 12, Taf. 48. Zu Konrad III. von Vaihingen vgl. Gerhard Fritz, Die Grafen von Vaihingen, in: Nachrichten aus 7000 Jahren, hg. v. Lothar Behr u. a. (Schriftenreihe der Stadt Vaihingen an der Enz 9), Vaihingen a. d. Enz 1995, 23–96, hier 60–68.
  10. Vgl. Fritz (wie Anm. 9) 68.
  11. Vgl. Europ. Stammtafeln NF, Bd. 12, Taf. 48.
  12. Vgl. ebd. Zur Geschichte und Genealogie der Kuenringer allg. vgl. Die Kuenringer. Das Werden des Landes Niederösterreich, Stift Zwettl 16. Mai – 26. Oktober 1981 [Ausstellungskatalog], hg. v. Amt d. Niederösterreichischen Landesregierung, Abt. III/2 – Kulturabteilung, Wien 1981.

Nachweise

  1. GLA Karlsruhe 47/37, Herr, Beschreibung Lichtenthal 16 nr. 9.
  2. GLA Karlsruhe Hfk-Hs nr. 510, Herr, Begräbnisse Lichtenthal, fol. 8v nr. 9.
  3. GLA Karlsruhe G Lichtenthal nr. 1, Grundriß Klosterkirche nr. 9, abgedr. in Kdm. Baden-Baden 510 (Abb. 416).
  4. GLA Karlsruhe N Mone 109, Mone, Aufzeichnungen Oosthal, fol. 199v.
  5. Gutgesell, Kloster Lichtenthal 29.
  6. Bauer, Frauenkloster Lichtenthal 273.
  7. RP Karlsruhe (Denkmalpflege), Photoarchiv, Neg.-nrr. 0517–0519, 1245.
  8. Deodata, Frauenkloster Lichtental 169.
  9. Kdm. Baden-Baden 502 nr. 9, 506 (Abb. 412).

Zitierhinweis:
DI 78, Stadt Baden-Baden und Landkreis Rastatt, Nr. 21† (Ilas Bartusch), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di078h017k0002101.