Inschriftenkatalog: Aachen (Stadt)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 32: Stadt Aachen (1993)

Nr. 70† St. Adalbert 1560/1564

Beschreibung

Doppelepitaph des Peter Amya und seiner Frau Maria von dem Brandt. Die Kupfertafel soll sich über einer Statue des hl. Sebastian beim Glockenturm „in medio templi“ befunden haben.1)

Text nach einer Abschrift aus dem Jahre 1701 (Wien, Reichshofrat, Acta justicialia Lit. A dec. Nr. 5).2)

  1. A

    Anno domini MDLXIIII ahm XIIII tag octobrisa) ist in Gott seehligb) endtschlaffenc) der ehrbared) und wohlgeachte Petere) Amya der alte seines alters im LXXXVIIIf). Der gewesseng) ist ein sohn Lenhardts Amya, welcher Lenhardt neben seinem vatter Johan Amya im Jahr MCCCCLXV ein anheber des kupffer schlägerh) ambachti) gewessenk) ist in der Pletzmullen hoffl) in diesserm) stattn) Aacheno). Der Herr wolle ihmenp) eine fröhlicheq) aufferstehungr) verleihen.

  2. B

    A(nn)o MDLX am X tag [........] ist in Gott seehlig endtschlaffen die ehrbahre und tugendsahme Maria von dem Brandt dess ehrbahren Peteren Amya seehliger gewessene haussfrauw. Derer seelen der Herr gnädig sein wolle. Amen.

  3. C

    Iob ahm XIIII. Capitel: Der Mensch vom Weibe gebohren lebet kurtze Zeit und ist voll unruhe, gehet auff wie eine Blume; und fället ab gleichs) wie ein Schatten, undt bleibet nicht.3)

Kommentar

Die Familie Amya war 1465 aus Frankreich, wahrscheinlich aus Amiens, nach Aachen gekommen und zählte zu den bedeutendsten Kupfermeisterfamilien der Stadt.4) Johann Amya hatte bei seiner Übersiedlung nach Aachen von der Stadt die Pletschmühle in der Adalbertstraße erhalten. Der in der Grabschrift erwähnte Leonhardt (d. J.) war sein dritter Sohn, der 1516 und 1517 von der Kupferschlägerzunft in den Kleinen Rat entsandt wurde. Peter Amya wurde 1480 in Aachen geboren. Er übernahm nicht nur die Pletschmühle, sondern wurde 1532 auch mit der Mühle in der Veelsgasse belehnt. Aus seiner Ehe mit Maria von dem Brandt gingen fünf Kinder hervor, unter ihnen die mit dem Bürgermeister Johann Ruland5) verheiratete Katharina.

Das deutschsprachige Bibelzitat nach der Lutherübersetzung gibt einen Hinweis darauf, daß die Verstorbenen der protestantischen Konfession zugeneigt haben, zumal die Aachener Kupfermeister in ihrer Mehrheit protestantisch waren.6) Allerdings gab es noch keine protestantische Kirche in Aachen, und 1560 war sogar die Abhaltung protestantischer Gottesdienste in der Stadt untersagt worden.7) Darin mag der Grund dafür zu suchen sein, daß das Epitaph in einer katholischen Kirche aufgehängt wurde.

Textkritischer Apparat

  1. 23 Tag October Boeckeler.
  2. seliglich Boeckeler.
  3. entschlaffen Boeckeler.
  4. ehrbar Boeckeler.
  5. Petter Boeckeler.
  6. 87 Jar Boeckeler.
  7. gewesen Boeckeler.
  8. Kupferschlegers Boeckeler.
  9. Ambrechts Boeckeler.
  10. gewesen Boeckeler.
  11. Pletschmühlen Hof. Boeckeler.
  12. dieser Boeckeler.
  13. Stadt Boeckeler.
  14. Aichen Boeckeler.
  15. Ihm Boeckeler.
  16. fröliche Boeckeler.
  17. Auferstehung Boeckeler.
  18. Nur an dieser Stelle weicht der Text vom genauen Wortlaut der Lutherübersetzung ab, die ‚fleucht' statt ‚gleich' hat (WA 1, S. 411). Die Abweichung geht wahrscheinlich auf einen Lesefehler in der Abschrift zurück.

Anmerkungen

  1. Quadflieg, Grabinschriften, S. 98f.
  2. Ed. Quadflieg, a. a. O.
  3. Iob 14,1–2.
  4. Vgl. zum folgenden Macco, Wappen I, S. 8f.
  5. Vgl. dessen vermutliche Grabplatte Nr. 78.
  6. Vgl. die Einleitung S. XVIIf.
  7. Asten, Religiöse Spaltung, S. 83.

Nachweise

  1. Quadflieg, Grabinschriften, S. 98f.
  2. Boeckeler, Beiträge, S. 18 u. Anm. 2.

Zitierhinweis:
DI 32, Stadt Aachen, Nr. 70† (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di032d002k0007007.