Inschriftenkatalog: Aachen (Stadt)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 32: Stadt Aachen (1993)

Nr. 72 Jakobstr. 35 (Haus Heusch) 1568

Beschreibung

Fragment einer Grabplatte, 1942 auf dem Trümmergrundstück Jakobstr. 33 gefunden. Sie stammt nach einer Angabe in der Slg. Spaen aus der Kirche St. Paul, aus der zu Beginn des 19. Jh. zahlreiche Grabplatten entfernt wurden.1) Das Fragment diente dann in Zweitverwendung als Seitenwange eines Kellerzugangs und ist heute in die Gartenmauer des Hauses Jakobstr. 35 eingefügt. Blaustein. Die Platte ist 32 cm unterhalb des oberen Randes von links oben nach rechts unten schräg abgeschnitten. In die Schmalseite der Schräge sind zwei (heute nicht mehr sichtbare) Türangeln eingelassen. In den erhaltenen oberen Ecken jeweils ein Wappen in einem eingetieften Rundmedaillon. In der Mitte ein vertiefter, von einem Rechteck durchzogener Vierpaß, darin Reste des Vollwappens des Verstorbenen erkennbar. Rechts oberhalb davon die Jahreszahl. Über dem Wappenfeld ein vertieft gearbeitetes, halbkreisförmiges Feld mit Muschelornament. Text als Umschrift zwischen Linien. Bittspruch am Ende der Inschrift zwischen der oberen Schriftzeile und dem Muschelornament. Vierkantpunkte als Worttrenner.

Maße: H. 110, B. 80,5, Bu. 5,4 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/1]

  1. Alhiea) / ligt · begraben · der · Edlerb) · und · Eren[........../........../.]ch · bid · god · vor · die · seele / 1568

Wappen:
Wylre, von der Hallen

Kommentar

Aufgrund des Todesjahres und des Wappens Wylre auf der rechten Seite darf man annehmen, daß es sich um die Grabplatte des Simon von Wylre handelt, der am 26. Mai 1568 verstorben ist. Er war ein Sohn des Schöffen Wilhelm von Wylre und der Eva Holtzappel und ist selbst seit 1533 als Schöffe belegt.2) Das linke Wappen ist das der Familie von der Hallen, aus der vermutlich Simons Großmutter mütterlicherseits stammte.3) Eine Handschrift der Slg. Spaen überliefert die Grabplatte mit den Wappen in gleicher Anordnung sowie dem Wappen Holtzappel und einem nicht zugeordneten Wappen (Wappenbild Löwe) rechts bzw. links unten. Dazu vermerkt die Handschrift: „Der Edeler Erentfester Joncker Simon von Wilre Scheffen der Stadt Aecken starb 1568“.4)

Vom ersten Buchstaben des Anfangswortes der letzten Zeile, einem Majuskelbuchstaben, ist eine leicht geschwungene rechte Haste zu erkennen. Königs hat ihn als I gelesen und die Zeile zu Ich bid god vor die seele ergänzt. Diese Lesung weicht aber durch die Formulierung in der ersten Person anstelle einer Bitte um ein Gebet vom üblichen Formular der Grabinschriften ab. Der erkennbare Teil des Anfangsbuchstabens stimmt in seiner Form genau mit dem erhaltenen Majuskel-A überein. Das Wort wäre dann als Ach und vielleicht als Ende der Angabe scheffen der stadt Ach o. ä. zu lesen.

Textkritischer Apparat

  1. Alhir Königs.
  2. Edeler Königs.

Anmerkungen

  1. Königs, a. a. O., S. 401f.
  2. Von Coels, Schöffen, S. 262.
  3. Macco, Wappen I, S. 167; Königs, a. a. O., S. 401.
  4. Zit. nach Königs, a. a. O., S. 402.

Nachweise

  1. Königs, Grabplatten, S. 400 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 32, Stadt Aachen, Nr. 72 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di032d002k0007201.