Inschriftenkatalog: Aachen (Dom)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 31: Aachen Dom (1992)

Nr. 132 Dom, Nikolauskapelle 1635/1653

Die unterstrichenen Ausdrücke CANONICVS, ARCHIPRESBYTER und CANTOR in Inschrift A sind überhöht dargestellt. Es handelt sich nicht um Ligaturen.

Beschreibung

Doppelepitaph der Kanoniker Goswin und Albert Franz Schrick. Heller und dunkler Marmor. Ein leicht geschwungener, langgestreckter Marmorblock mit den Inschriften (A) und (B) wird von ionischen Säulen flankiert, auf die jeweils zwei Wappenschilde mit den Allianzwappen der Ahnen aufgesetzt sind. Wappenbeischriften an der Schildunterseite. Geschweifter seitlicher Abschluß mit jeweils einem geflügelten Engelskopf in der Mitte. Unter dem Block eine Kartusche mit Chronogramm (C), darunter ein Totenschädel. Unterhalb des oberen Gesimses drei Engelsköpfe, der mittlere geflügelt. Als Aufsatz ein barock geschwungener, von einem Kruzifix überhöhter Aufbau mit Vollwappen der Familie Schrick. Links daneben der kniende Johannes in Gebetshaltung, rechts die Standfigur der zum Kreuz aufblickenden Maria Magdalena. Die Buchstaben sind eingehauen und hell ausgemalt. In (A) einige Anfangsbuchstaben und die unterstrichenen Wörter überhöht. (B) nachgetragen in kleineren Buchstaben und eng beieinander stehenden Zeilen, sehr gleichmäßig ausgeführt.

Maße: H. 345, B. 172, Bu. 2,0/3,5 (A), 2,0 (B), 2,0/3,0 (C), 1,2/1,5 cm (D-E).

Schriftart(en): Kapitalis.

AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/1]

  1. A

    D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) / B(EATAE) M(ARIAE) S(ANCTAE) V(IRGINI) /GOSWINO SCHRICK ALBERTI CO(N)S(CABINI) / P(IAE) M(EMORIAE) F(ILIO) REGALIS HVIVS ECCLESIAE CANONICO / ARCHIPRESBYTERO CANTORI S(ANCTAE) THEOL(OGIAE) L(ICENCIATO) AN(N)O CH(RIST)I / M. D. C. XXXIIIII. X. KAL(ENDAS) QVINCTILIS DEFVNCTO / F(RATRES) GERMANI SVAE ERGA IPSVM GRATAE. M(ONVMENTVM)a) P(OSVERVNT)b) / OBIIT SACRIS OMNIBVS RELIGIOSE MVNITVS / VIXIT ANNOS LXVII. CANONICVS XLVII. / ARCHIPRESBYTER XXXIIII. CANTOR XIIII. / CANONICVS. / IN CHORO ASSIDVVS IN CAPITVLO PRVDENS DOMI / STVDIOSVS CREDEBAT ENIM CANONICI STATVM / SI LVBENS CHORO ET LECTIONE NON OCCVPARETVR. PERICVLOSV(M) / ARCHIPRESBYTER. / IN SYNODALI IVDICIO EX NORMA CON(CILII) TRIDENT(INI) / ET VSV PRIVILEGIORVM AEQVITATIS OBSERVANS / CANTOR. / DECOREM DOMVS DEI DIVINORVMQVE OFFICIORVM / ORDINEM ADMODVM DILEXIT. / AMICE [.....]c) ANIMA EIVS DEVM DIVOSQVE / PRECARE AD CHRONOGRAPHICVM ADVERTEd) ETe) VALE /gosVInVs sChrICk b(eate) MarIae VIrgInIs / aqVIsgranI CanonICVs arChIpresbyter / Cantor.

  2. B

    A(NN)O · MDCLIII. XIV. AVGVSTI CVM ASCENDENTE VIRGINE / MIGRAVIT PIE EX HOC SOECVLO R(EVERENDVS) D(OMINVS) ALBERTVS / FRANCISCVS SCHRICK B(EATAE) M(ARIAE) VIRGINIS CANONICVS / NEPOS EX FRATRE · REQVIESCAT IN PACE.

  3. C

    profesto · s(ancti) · paVLInI festo b(eati) / aLoySIIf), tertIa poMerIDIana / pIe PraeparatVs eXpIraVIt

Übersetzung:

Dem überaus guten und großen Gott. Der seligen Maria, der heiligen Jungfrau. Dem Goswin Schrick, Sohn des Mitschöffen Albert frommen Angedenkens, Kanoniker dieser königlichen Kirche, Archipresbyter, Kantor, Lizenziat der heiligen Theologie, der im Jahre Christi 1635 am 10. Tag vor den Kalenden des Juli verstorben ist, haben seine ihm dankbaren leiblichen Geschwister dieses Denkmal errichtet. Er starb mit allen Mysterien fromm versehen. Er lebte 67 Jahre, 47 als Kanoniker, 34 als Archipresbyter, 14 als Kantor. Als Kanoniker war er im Chor beständig zugegen, im Kapitel umsichtig, zu Hause dem Studium ergeben: Er glaubte nämlich, daß der Stand des Kanonikers gefährlich sei, wenn er sich nicht bereitwillig von Chor(dienst) und Lektüre in Anspruch nehmen ließe.

Als Archipresbyter war er im Sendgericht jemand, der gemäß der Norm des Tridentinischen Konzils und des Gebrauchs der Privilegien die Gerechtigkeit hochachtete.

Als Kantor liebte er den Schmuck des Gotteshauses und besonders die Ordnung der Offizien.

Freund, bete zu Gott und den Heiligen für seine Seele, wende dich dem Niedergeschriebenen (?) zu und lebe wohl! Goswin Schrick, Kanoniker, Archipresbyter, Kantor der seligen Jungfrau Maria zu Aachen.

Im Jahre 1653, am 14. August, zugleich mit der gen Himmel auffahrenden Jungfrau verließ fromm diese Welt der hochwürdige Herr Albert Franz Schrick, Kanoniker der seligen Jungfrau Maria, Neffe von des Bruders Seite. Er ruhe in Frieden.

Am Tag vor dem Fest des Hl. Paulinus, am Fest des seligen Aloysius, in der dritten Nachmittagsstunde verschied er fromm vorbereitet.

Datum: 21. Juni 16352)

Wappen:
Schrick
SCHRICK · VND / BIRCKENHOLT
NICKELL / VND ZEVELL
PAEL · VND / RICHTERICH
HARPERSCH UND / STEINHAUSEN1)

Kommentar

Die Verstorbenen entstammen der Aachener Schöffenfamilie Schrick. Goswin Schrick, Sohn des Schöffen Albert Schrick, war das zweite von zehn Kindern. Er studierte an den Universitäten Köln und Trier sowie am Collegium Germanicum Hungaricum in Rom.3) 1589 wurde er als Kanoniker am Marienstift zugelassen und bekleidete dort verschiedene kleinere Ämter, bevor er 1620 das Kantorenamt antrat. Zudem war er Mitglied der Sakramentsbruderschaft und der Sternzunft.4) Albert Franz Schrick wurde 1646 für seinen unmündigen Neffen mit der Kirbachsmühle5) und 1650 für das Marienstift mit einem Weiher belehnt.6)

Textkritischer Apparat

  1. M.M.
  2. P.P.
  3. [...] PRO KDM, Faymonville.
  4. ADVERTET KDM, Faymonville.
  5. om. KDM, Faymonville.
  6. y aus i korrigiert.

Anmerkungen

  1. Beischrift erneuert.
  2. Die Angabe der Heiligentage ergibt den 21. Juni als Todestag, während die Datumsangabe in der Inschrift (A) sich auf den 22. Juni bezieht. Die Abweichung erklärt sich möglicherweise aus einer falschen Kalendenzählung. Das Epitaph widerlegt die Angabe des 12. Juni als Todestag bei Offergeld.
  3. Offergeld, S. 774f.
  4. Ebd., S. 773f.
  5. von Coels, Bäche und Mühlen, S. 16.
  6. Die Lehnsregister der Propsteilichen Mannkammer des Aachener Marienstifts 1394–1794, bearb. v. L. von Coels v. d. Brügghen (Publ. der Ges. für Rhein. Geschichtskunde 52), Bonn 1952, S. 641.

Nachweise

  1. KDM 10, 1, S. 155.
  2. Faymonville, Dom, S. 327 u. Fig. 152.

Zitierhinweis:
DI 31, Aachen Dom, Nr. 132 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di031d001k0013207.