Inschriftenkatalog: Aachen (Dom)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 31: Aachen Dom (1992)

Nr. 131 Dom, Ungarische Kapelle 1629

Beschreibung

Tafel mit Dankinschrift für die spanische Infantin Isabella Clara Eugenia. Holztafel in barocker Rahmung, von Säulen flankiert. Darüber ein segmentbogenförmiger, gesprengter Giebel. Schrift in Goldbuchstaben aufgemalt.

Maße: H. 57, B. 45,5, Bu. 1–3,2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/1]

  1. SERENISSIMAE ET POTENTISSIMAE / ISABELLAE CLARAE EVGENIAE / HISPANIARVM INFANTI ARCHIDVCI AVSTRIAE, / DVCI BVRGVNDIAE BELGII PRINCIPIa) / CVM PIOb) DEVOTIONIS AFFECTV, ERGA REGALEM HANC BASILICAM / EIDEMQ(VE) INCLVSAS S(ACRO)S(ANCTAS) RELIQVIAS MOTA VARIA ILLI, ET PRETIOSISSIMA / DONARIA REGALI MVNIFICENTIA OBTVLISSET / MIRACVLOSAE VIRGINIS STATVAE DEOQ(VE) INFANTVLO / BINAS CORONAS AVREAS, VESTESQ(VE) MVLTO ARGENTO INTERTEXTAS / ET QVAM PLVRIMIS LVCIDISSIMIS PRETIOSISSIMISQVE / GEMMIS, ET VNIONIBVS ILLVSTRES DEDICASSET / BINAS AVGVSTIORES ARAS / ANTIPENDIISc), CORTINIS, PERISTROMATIBVS, PVLVINARIBVS / MAPPIS FIMBRIISQVE ARTIFICIOSIS EXORNASSET / SACRARVM VESTIVM NVMERVM / CASVLA, DALMATICIS, / PLVVIALIBVS, PVLPITI TEGVMENTO, VELIS, / BVRSIS, ALBIS, CORPORALIBVS, PVRIFICATORIIS (ET)d) MANVTERGIIS ADAVXISSET / SACROSANCTAS MAIORES RELIQVIAS / NOVIS ET MVLTO AVRO, VNIONIBVSQ(VE) ELABORATIS INVOLVCRIS / LIBERALITER, ET MAGNIFICENTISSIMEe) COHONESTASSET. / REVERENDI ET NOBILES, DECANVS ET / CAPITVLV(M), AETERNVM GRATI, AD PERPETVA(M) / MEMORIAM P(ONI) C(VRAVERVNT) / ANNO CHRISTI 1629

Übersetzung:

Der durchlauchtigsten und mächtigsten Isabella Clara Eugenia, Infantin von Spanien, Erzherzogin von Österreich, Herzogin von Burgund, Fürstin von Belgien, weil sie, durch tiefe Frömmigkeit gegenüber dieser königlichen Kirche und den in ihr verwahrten heiligen Reliquien bewegt, dieser verschiedene und höchst kostbare Weihegeschenke in königlicher Freigebigkeit dargeboten hat, dem Standbild der wunderbaren Jungfrau und dem göttlichen Knaben zwei goldene Kronen und mit viel Silber durchwirkte, mit leuchtenden und sehr kostbaren Gemmen und Perlen geschmückte Kleider widmete, die beiden ehrwürdigsten Altäre mit Antependien, Vorhängen, Decken, Pulvinarien, Tüchern und kunstvollen Besätzen ausgeschmückt hat, die Zahl heiliger Gewänder um eine Kasel, Dalmatiken, Pluvialen, eine Pultdecke, Tücher, Beutel, Alben, Corporalia, Kelchtüchlein und Handtücher vermehrt hat und die geheiligten großen Reliquien durch neue und mit viel Gold und Perlen verarbeitete Decken großzügig und äußerst freigebig ehrte, haben die ehrenwürdigen und edlen Dekan und Kapitel [diese Tafel] als auf ewig Dankbare zum fortwährenden Gedenken errichten lassen.

Kommentar

Zeilenlänge und Buchstabenhöhe schwanken stark, wodurch eine optische Strukturierung des Textes erreicht wird. Die kürzeren Zeilen sind durch größere Buchstaben hervorgehoben und von verschiedenartigen Ornamenten eingerahmt. Größenmäßig besonders betont werden Anfang und Ende, also die Nennung der Stifterin und der Danksagenden. Die sehr gleichmäßige Schrift verzichtet weitgehend auf Kürzungen. A und E werden regelmäßig ligiert, doppeltes I als Y geschrieben. Isabella Clara Eugenia, Tochter Philipps II., erhielt 1598 anläßlich ihrer Heirat mit Erzherzog Albrecht von Österreich die Herrschaft über die spanischen Niederlande und die Freigrafschaft Burgund, die sie nach ihrer Verwitwung 1621 bis zu ihrem Tode 1633 allein als Statthalterin regierte. Noppius berichtet von einem Besuch der Infantin in Aachen im Jahre 1627, der den Anstoß für die umfangreiche Stiftung gegeben haben dürfte.1) Die Aufzählung der Inschrift deckt sich weitgehend mit den diesbezüglichen Notizen des Hofkaplans der Statthalterin, Philippe Chiflet.2)

Textkritischer Apparat

  1. etc. add. KDM, Faymonville, Minkenberg.
  2. PRO KDM, Faymonville, Minkenberg.
  3. ANTEPENDIIS KDM, Faymonville, Minkenberg.
  4. Tachygraphisch.
  5. MVNIFICENTISSIME KDM, Faymonville, Minkenberg.

Anmerkungen

  1. Noppius, S. 41.
  2. Ed. J. L. A. Brouwers, Zur Stiftung der Isabella Clara Eugenia an die Kirche Unserer Lieben Frau zu Aachen, Celica Iherusalem, S. 277–280 (279f.), nach Besançon, Bibl. Mun., Ms. Chiflet 97, f. 230r.

Nachweise

  1. KDM 10, 1, S. 154.
  2. Faymonville, Dom, S. 280.
  3. G. Minkenberg, Zu den Stiftungen der Isabella Clara Eugenia für die Münsterkirche zu Aachen, Aachen 1987, S. 5f.

Zitierhinweis:
DI 31, Aachen Dom, Nr. 131 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di031d001k0013100.