Inschriftenkatalog: Aachen (Dom)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 31: Aachen Dom (1992)

Nr. 115 Dom, Nikolauskapelle 1593/1612

Beschreibung

Doppelepitaph des Johann und Jakob Brecht an der Südwand der Kapelle. Marmor und Alabaster. Das Epitaph wird von zwei Putten bekrönt, die ein Rundmedaillon mit dem Wappen Brecht zwischen sich halten. Die obere Hälfte wird durch ein Hochrelief der Auferstehung in Anspruch genommen, vor dem ausgestreckt der Hl. Maternus liegt. Außen neben den das Relief einrahmenden Säulen stehen Putten auf umgedrehte Fackeln als Symbol des Todes gestützt. In der unteren Hälfte eine Schrifttafel mit Inschrift (A) in schwarzem Marmor, die letzten beiden Zeilen als Chronostichon. Links und rechts davon Ahnenwappen mit Beischriften. Unter der Schrifttafel ein Totenschädel, daneben zwei Wappen. Den unteren Abschluß bildet eine Kartusche mit einem ovalen, vorgewölbten Marmorschild, in den das Chronostichon (B) eingraviert ist.

Maße: H. ca. 400, B. 150, Bu. 2,5/6,0 (A), 2,0/5,0 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/2]

  1. A

    D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) /ASPICE QVI TRA(N)SIS; HVIVS CUSTODIA TU(M)BAE:EGREGII CINERES CLAVDIT ET OSSA VIRI ·ILLE A PRAECLARIS NATALIBVS, EST IOANNES:NOBILIS, AD MVLTOS BRECHT VENERA(N)D(VS) AVOS ·HVIVS CANONICVS CANTOR IVBILARIVS AEDIS:OMNES EXTINCTVM, QVEM DOLVERE BONIfataLIS ter qVInta DIes et bIna no VeMbrIsannIs seX nat Vs sept V agInta fVit

  2. B

    D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO)IaCob breCht patr Vo qVInta hIC LVX MartIa sIstItVIXIt CanonICVs spIrItVs astra petIt

Übersetzung:

Dem besten, höchsten Gott. Schaue her, der du vorübergehst: Das Behältnis dieses Grabes verschließt die sterblichen Überreste und Gebeine eines vortrefflichen Mannes. Jener ist der sehr verehrungswürdige Johannes Brecht von sehr hoher Geburt und seit vielen Generationen adelig, Jubilarkanoniker und Kantor dieser Kirche.

Ihn haben als Verstorbenen alle Guten betrauert. Sein Schicksalstag war der 17. November, sein Alter 76 Jahre.

Dem besten, höchsten Gott. Der 5. März hat Jakob Brecht hier seinem Onkel beigesellt. Er lebte als Kanoniker, sein Geist strebt zu den Sternen.

Versmaß: Elegische Distichen.

Datum: 17. November 1593
5. März 1612

Wappen:
BRECHT HVNENBERCH
WYFFLIET VDEN
MOMFORT SCHERPENSTEYN
AMERONGEN DVSSEN

Kommentar

Die Familie gehörte dem niederen Adel an.1) Johannes Brecht, 1538 als Student der Universität Löwen belegt, wurde 1535 als Kanoniker am Marienstift zugelassen und bekleidete seit 1555 das Amt des Kantors.2) Sein Neffe Jakob ist seit 1579 am Marienstift nachgewiesen. Er hatte zwischenzeitlich kleinere Stiftsämter inne, doch gelang es ihm nicht, die Nachfolge seines Onkels als Kantor anzutreten.3) 1596 informierte Jakob Brecht das Stiftskapitel über sein Vorhaben, seinem verstorbenem Onkel Johannes „ein Epitaphium von Alabaster und andern Steinwerckg in Choirgen Sti. Materni negst der Mauren oder dairInnen der Registratuir uffrichten und stellen zu laißen4), und erhielt vom Kapitel die Genehmigung, das Epitaph in die Mauer der Kapelle einzufügen.

Anmerkungen

  1. Offergeld, S. 129.
  2. Offergeld, S. 132f.
  3. Offergeld, S. 130ff.
  4. HStAD Aachen Marienstift, Akten 11d, fol. 443r.

Nachweise

  1. KDM 10,1, S. 153.
  2. Faymonville, Dom, S. 325, Fig. 151.

Zitierhinweis:
DI 31, Aachen Dom, Nr. 115 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di031d001k0011506.