Inschriftenkatalog: Aachen (Dom)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 31: Aachen Dom (1992)

Nr. 72 Dom, Nikolauskapelle 1487

Beschreibung

Epitaph des Arnold von Merode im Altarraum. Bronzeplatte in einem mit Blattornamenten verzierten Holzrahmen. In der oberen Hälfte des Epitaphs die stehende Maria mit dem Kinde. Zu ihren Seiten links der Apostel Bartholomäus mit dem Messer, rechts Michael mit dem Drachen. Der Erzengel empfiehlt den anbetend vor ihm knienden Verstorbenen, von dem aus ein Spruchband mit der Inschrift (B) zu Maria führt. Das Kind wendet sich ihm zu und berührt das Spruchband mit der Hand. Zwischen den dargestellten Personen sind die vier großelterlichen Wappen als Banner aufgepflockt. Zu Füßen der Maria ein Schild mit dem Wappen der Familie Merode. Der untere Teil der Platte trägt die Inschrift in erhabenen Buchstaben. Bild- und Textteil des Epitaphs sind durch eine dem Rahmen entsprechende Leiste voneinander getrennt. Die Platte soll früher emailliert gewesen sein.1)

Maße: H. 130, B. 87, Bu. 2,5 (A), 1,0 (B) cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/2]

  1. A

    Hic jacet ven(erabi)lis nobilis ac g(e)n(er)os(us)a) d(omi)nus Arnoldus de / Meroide baccalari(us)b) ut(ri)usq(ue) juris universitat(is) Aureolanen(sis) / Cubiculari(us) quo(n)da(m) Eugenii p(a)pe q(ua)rti in ultimo ei(us) an(n)o / Et postea p(a)pe Nicolai qui(n)ti q(uam)diu in hu(m)anis fuit Cano(n)ic(us) / leodien(sis) et Aquen(sis) Ac p(rae)p(osi)t(us) Eccl(es)iar(um) beate Marie virg(in)is in / Traiecto Et S(an)c(t)i Georgii Wassenbergen(sis) etc. Qui recept(us) / fuit ad p(re)ben(dam) aquen(sem) Anno d(omi)ni m · cccc · xxix die XV me(n)s(is) / febr(uarii) Et fecit suum Jubileu(m) p(ri)ma die mens(is) febr(uarii) Anno etc. / LXXXIIII Et fu(n)davit istud altare pro duob(us) sacerdotib(us) / ad cotidiana(m) missa(m) alt(er)nat(is) vicib(us) celebra(n)da(m) Qui obiit / Anno d(omi)ni mcccclxxxvii vicesima secu(n)da mensis / augusti c(uius) a(n)i(m)a Requiescat in pace

  2. B

    O Mater dei miserere mei

Übersetzung:

Hier liegt der ehrwürdige, edle und vornehme Herr Arnold von Merode, Bakkalar beider Rechte der Universität zu Orléans2), einstmals Kämmerer Papst Eugens IV. in dessen letztem Jahr3) und nachher des Papstes Nikolaus V., solange er unter den Menschen weilte;4) Kanoniker von Lüttich5) und Aachen und Propst der Kirchen der seligen Jungfrau Maria zu Maastricht6) und des heiligen Georg zu Wassenberg7) etc. Derselbe wurde zur Aachener Präbende zugelassen im Jahre des Herrn 1429 am 15. Februar und beging sein Jubiläum am 1. Februar im Jahre etc. 84. Er stiftete auch diesen Altar, damit durch zwei Priester abwechselnd eine tägliche Messe gelesen werde.8) Er starb im Jahre des Herrn 1487 am 22. August. Seine Seele ruhe in Frieden.

O Mutter Gottes erbarme dich meiner!

Wappen:
Merode, Petershem, Wesemael, Bautershem-Berghes

Kommentar

Die schmalen, stark ornamentierten Buchstaben weisen ausgeprägte Ober-, aber kürzere Unterlängen auf. Schnörkelig verziert sind besonders die Großbuchstaben. Das nicht von Text ausgefüllte Ende der letzten Zeile schmücken Blattornamente; auch in der ersten Zeile füllt ein kurzer Schnörkel ein kleines Endstück aus. Arnold von Merode war ein Sohn Richards II. von Merode und der Beatrix von Petershem.9) Er wurde vor dem von ihm gestifteten Agathenaltar bestattet.10) Bock vermutet an der östlichen Wand der Nikolauskapelle in der Nähe von Altar und Grab auch den ursprünglichen Standort des Epitaphs.11)

Textkritischer Apparat

  1. gratiosus Bock.
  2. baccalaurius KDM, Bock.

Anmerkungen

  1. A. Peltzer, Geschichte der Messingindustrie und der künstlerischen Arbeiten in Messing (Dinanderies) in Aachen und den Ländern zwischen Maas und Rhein, ZAGV 30, 1908, S. 235–463 (288).
  2. 1436 Immatrikulation an der Universität Köln, 1441 in Orléans (Keussen, Mat. 188,3). Zur Person vgl. von Coels, a.a.O., und Offergeld, S. 566–568.
  3. 1446–1447.
  4. Nikolaus V. regierte von 1447 bis 1455.
  5. Seit 1434 (Offergeld, S. 568).
  6. Propst von St. Maria seit 1452 (Offergeld, a. a. O.). Zum Ortsnamen vgl. Graesse, Orbis latinus III, S. 505.
  7. 1468–1477. A. Schuffels, Das St. Georg-Stift zu Wassenberg, Bonn 1911, S. 27. Zudem 1456 als Dechant in Löwen belegt sowie als Kanoniker in Utrecht (Offergeld, a. a. O. mit Quellenhinweisen).
  8. Vgl. die Urkunde über die Stiftung des Altars der Hl. Agatha von 1487 Juli 30 (von Coels, a. a. O., S. 114ff.).
  9. Zur Genealogie vgl. von Coels, a. a. O., S. 115.
  10. Bock, Baudenkmale I, Nr. 9.
  11. Mehrere Nachfahren Arnolds, die ebenfalls Mitglieder des Aachener Stiftskapitels waren, verfügten testamentarisch ihre Beisetzung in seinem Grab „ante altare per heredes de Meroide fundatum“ (DomA, VI. 4. 15, 33, 43).

Nachweise

  1. Bock, Baudenkmale I, Nr. 9.
  2. Ders., Pfalzkapelle II, S. 94.
  3. Domsta, Merode I, Abb. 21 u. S. 141 Anm. 2.
  4. von Coels, Arnold von Merode, S. 115.

Zitierhinweis:
DI 31, Aachen Dom, Nr. 72 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di031d001k0007206.