Inschriftenkatalog: Aachen (Dom)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 31: Aachen Dom (1992)

Nr. 71† Dom, Chor 1486/1622

Beschreibung

Wandmalereien an der Südwand des Chores. Heinrich II. und Kunigunde (mit glühender Pflugschar), die gemeinsam ein Kirchenmodell tragen; Karl d. Gr. und Kaiserin Helena mit Kirchenmodell, der vor Christus ins Meer sinkende Petrus und das Stiftswappen. Zwischen den Darstellungen zweimal die Inschrift (A), darüber eine Renovierungsnotiz von 1622. Die Malerei wurde 1782 überdeckt, bei Restaurierungsarbeiten Anfang des 20. Jh. aber wieder aufgefunden. Text nach Noppius (A), KDM (B).

  1. A

    A E I O V 1486

  2. B

    RENOVATVM 1622

Wappen:
Marienstift

Kommentar

Die Anbringung der Inschrift dürfte in Zusammenhang mit der Krönung Maximilians I. in Aachen im Jahre 1486 stehen. Die Buchstabenfolge AEIOU wurde als Zeichen Friedrichs III. an zahlreichen Bauten angebracht.1) Unter den zahlreichen Deutungen werden am häufigsten die Auflösungen „Austriae est imperare orbi universo“ und „Alles Erdreich ist Österreich untertan“ genannt. Die Einfügung der Buchstaben in die Wandmalereien des Aachener Chores hat allerdings in der Aachener Geschichtsschreibung zu einer anderen, auf Aachen bezogenen Deutung geführt: Aquisgranum eminet inter omnes urbes.2) Die Forschungen Lhotskys haben abweichend von früheren Auffassungen wahrscheinlich gemacht, daß Friedrich III. selbst zunächst an keine konkrete Auflösung gedacht, sondern die Vokalreihe als persönliches Zeichen mit buchstabenmagischem Hintergrund verwendet hat.3) Ähnlich deutet Schmidt die Buchstaben als Ersatz für die namentliche Unterschrift.4)

Der Restaurierung 1622 folgten mehrere weitere bis zum Ende des 18. Jh.5) Die Devise war auch Bestandteil einer Inschrift am Rathaus (vgl. DI Aachen/Stadt, Nr. 31).

Anmerkungen

  1. LdMA I, Sp. 179.
  2. à Beeck, p. 138. Noppius schlägt die Auflösung Aquila electa iuste omnia vincit vor und bietet, ebenso wie à Beeck, die alternative Deutung Aquila evolat inter omnes volucres.
  3. A. Lhotsky, AEIOV. Die „Devise“ Kaiser Friedrichs III. und sein Notizbuch, MIÖG 60, 1952, S. 155–193.
  4. R. Schmidt, AEIOV. Das ‚Vokalspiel‘ Friedrichs III. von Österreich. Ursprung und Sinn einer Herrscherdevise, Arch. für Kulturgeschichte 55, 1973, S. 391–431 (400).
  5. HStAD, Aachen Marienstift, Akten 11q, f. 365; r, f. 48; t, f. 289.

Nachweise

  1. à Beeck, p. 138 (A, Erwähnung).
  2. Noppius, S. 24 (A).
  3. Quix, Münsterkirche, S. 21 (A).
  4. KDM 10,1, S. 162.
  5. Clemen, Gotische Monumentalmalereien, S. 441 (A).

Zitierhinweis:
DI 31, Aachen Dom, Nr. 71† (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di031d001k0007109.