Inschriftenkatalog: Aachen (Dom)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 31: Aachen Dom (1992)

Nr. 36 Dom, Nikolauskapelle 1261 / 3. Viertel 14. Jh.

Beschreibung

Fragment der Grabplatte des Magisters Helpricus (?) im Fußboden. Heller Marmor, aus zwei Teilen zusammengesetzt. Die untere Hälfte ist abgeschnitten. Buchstaben eingehauen. Worttrennung durch Vierkantpunkte.

Maße: H. 98, B. 158, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/1]

  1. + [a]nno domini ·mo·cco·lxi· mense ma[ii] / die · sexta obiit domin[us ...... / ........... / requie]scat in pace am[en]

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1261 im Monat Mai am sechsten Tag1) verstarb der Herr .... Er ruhe in Frieden. Amen.

Kommentar

Die Inschrift ist nicht zwischen Linien ausgeführt. M und n sind als unverbundene parallele Striche eingehauen, d, e und o bleiben offen. Die Oberlängen sind kaum ausgeprägt. Die Grabplatte stellt das früheste Aachener Beispiel einer in Stein gehauenen gotischen Minuskel dar.

Das Totenbuch nennt am 6. Mai einen „Helpricus, canonicus et frater noster“, der „ante sanctum Nicolaum“ bestattet ist.2) Dieser ist möglicherweise identisch mit dem Mann gleichen Namens, der in Urkunden aus den Jahren 12253) und 12424) genannt wird.

Bis zum Neubau der Nikolauskapelle in der zweiten Hälfte des 15. Jh. war die Beisetzung von Stiftsgeistlichen nicht in, sondern vor der Kapelle üblich. Noch vor dem Neubau der Kapelle5) wurde die Platte für den Verstorbenen wohl als Ersatz für die (zerbrochene?) ursprüngliche Grabplatte gefertigt. Wann der untere Teil der Platte verlorenging und das Fragment seinen heutigen Platz vor der Westmauer der Kapelle erhielt, ist unbekannt.

Anmerkungen

  1. Faymonville übersetzt in KDM fälschlich „am Samstag“.
  2. Teichmann, Totenbuch, S. 83.
  3. Meuthen, Aachener Urkunden, Nr. 185.
  4. Ebd. Nr. 131.
  5. Im Zuge des Neubaus wurden die erhaltenen alten Grabplatten aus dem Vorraum der Kapelle ins Innere verbracht und als Bodenbelag verwendet.

Nachweise

  1. KDM 10, 1, S. 150.

Zitierhinweis:
DI 31, Aachen Dom, Nr. 36 (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di031d001k0003600.