Inschriftenkatalog: Aachen (Dom)

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 31: Aachen Dom (1992)

Nr. 18† Dom, östlicher Teil des Umgangs? 1002

Beschreibung

Grabschrift Kaiser Ottos III. Ihre Ausführung ist unbekannt. Die mehrfach geäußerte Behauptung, der Text habe sich auf einem Band befunden1), wird durch die Überlieferung nicht bestätigt. Zu Lebzeiten à Beecks wurde die Inschrift angeblich in der Sakristei aufbewahrt.2) Es ist wahrscheinlich, daß es sich dabei aber nicht um das Original handelte, sondern um eine Kopie ähnlich der der Leopardus- und Coronainschriften (vgl. Nr. 16). Auch die Gestaltung des Grabmals ist nicht bekannt. Quellen des 11. Jh. überliefern, daß die Grabstätte „adhuc videri potest3). Zu diesem Zeitpunkt muß also noch eine äußere Kennzeichnung des Grabes – vermutlich durch die Inschrift – vorhanden gewesen sein.4)

Text nach à Beeck.

  1. Romani imperii decus amplum tertius Otthocorpus Aquisgranum Augusta sed exta teneta)

Übersetzung:

Otto III., die glänzende Zierde des Römischen Reiches.

Aachen bewahrt den Leib, Augsburg die Eingeweide.

Versmaß: Hexameter.

Kommentar

Nach Aussage der Quellen erfolgte die Beisetzung Ottos am 5. April 1002 „in medio choro“.5) Grabungen im Innern der Kirche6) führten zur Auffindung eines Erdgrabes im östlichen Teil des Umgangs, das in gotischer Zeit geöffnet und wieder zugeschüttet worden war.7) Dieser Eingriff stimmt zeitlich mit der Umbettung der Gebeine Ottos III. in den 1414 fertiggestellten gotischen Chor überein.

Textkritischer Apparat

  1. C. Khamm (Hierarchia Augustana chronologica tripartita, Bd. 1, 1709, p. 159) überliefert anstelle des zweiten Verses „Ossa in Aquisgrani, hic viscera clausa tenet“. Vgl. MGH Poetae V, S. 285.

Anmerkungen

  1. Teichmann, S. 128; Buchkremer, S. 193 Anm. 1. Kraus schließt aus à Beeck die Anbringung der Inschrift über der Tür zur Sakristei.
  2. à Beeck, p. 93: „in vestiario attamen seu sacrario hi optimo Caesari inscripti versus“.
  3. Adalboldus, Vita Heinrici II imperatoris, MGH SS IV, S. 684. Vgl. Lantbertus, Vita Heriberti archiep. Col., MGH SS IV, S. 745: „ut in promptu est“.
  4. Vgl. Huyskens, Lieblingspfalz, S. 26.
  5. Thangmari vita Bernwardi ep. Hildesheimensis c. 37, MGH SS IV, S. 775; Thietmar von Merseburg, Chron. IV, MGH SS rer. Germ. N. S. IX, c. 33, S. 783. Lantbertus überliefert die Bestattung „in choro sanctae Mariae“ (a. a. O.); ebenso Aegidius in seinen Gesta episcoporum Leodiensium, MGH SS XXV, c. 57, S. 61. Adalboldus lokalisiert das Grab „in medio ecclesiae“ (a. a. O. S. 684).
  6. 1910 bis 1914 unter Leitung von E. Schmidt. Vgl. Nr. 9.
  7. Vgl. den Grabungsbericht E. Schmidts in Teichmann, Lage und Geschichte, S. 147.

Nachweise

  1. à Beeck, p. 95.
  2. Kraus II, Nr. 495.
  3. Buchkremer, Grab 1907, S. 193 Anm. 1.
  4. E. Teichmann, Zu der Lage des Zweikaiser-Grabes in der Aachener Pfalzkapelle, AhVN 128, 1936, S. 126–137 (128) (alle nach à Beeck).

Zitierhinweis:
DI 31, Aachen Dom, Nr. 18† (Helga Giersiepen), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di031d001k0001802.