Inschriftenkatalog: Stadt Zeitz

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 52: Stadt Zeitz (2001)

Nr. 266 Klosterkirche 1620

Beschreibung

Grabplatte des Stadtrichters Michael Raute. Grauer Kalkstein. Die Platte befand sich ursprünglich im Chorfußboden,1) und ist jetzt im dritten Joch des Kreuzgangnordflügels an die Wand gelehnt. Die eingehauene Inschrift ist in Zeilen auf der Platte angeordnet. Die linke obere Ecke und Teile der linken Seite sowie das untere Drittel der Platte fehlen. Die rechte Seite ist stark verwittert.

Inschrift ergänzt nach Brinkmann.

Maße: H. 91 cm; B. 85 cm; Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Versalien.

DI 52, Nr. 266 - Klosterkirche - 1620

 BBAW Berlin, Inschriftenprojekt (Thomas Kreil) [1/1]

  1. B(EATAE) M(EMORIAE) S(ACRVM) /[MI]CHAEL RAVTE / [PLAV]IAE PATRE GEORGIO PRI(VS) / [MO]NACHO POSTVNACV[M / B(EATO)] LVTHERO PAPATVM DAM/[N]ANTE PASTORE AC SVP[ER/IN]TENDENTE · MATRE V(ERO) · C[A/T]HARINA HEMPELIA A(NN)O CHR(IST)I / [15]42 · PROGENITVS : HIC CIZ[AE / CIVE]M AC PATREM FAMIL[IAS / AGEN]S ET PIVM ET HONEST[VM / PROINDE I]N SENATVM COO[PTA/TVS COLLEG]A CAMERA[RII / QVATER BIS V(ERO)] PRAE[TORIS / MVNERE PERFVNCTVS TANDEM / SPE ET FIDE IN CHRISTVM / SENEX FERME OC(TOGENARIVS) / PLACIDISSIME MORITVR / VIII . DIE MENSIS MARTII A(NN)O D(OMI)NI MDC . XX .]2)

Übersetzung:

Zum seligen Gedenken geweiht.

Michael Raute, der in Plauen vom Vater Georg, der zunächst Mönch war, später zusammen mit dem seligen Luther das Papsttum verurteilte und Pfarrer und Superintendent [war], und von der Mutter, Katharina Hempel, im Jahr Christi 1542 geboren wurde, hier als Zeitzer Bürger und Familienvater fromm und ehrenhaft lebte, danach in den Rat berufen, viermal Kollege des Kämmerers [war] und zweimal das Amt des Stadtrichters ausübte, schließlich in Hoffnung und Glauben an Christus als beinahe 80jähriger Greis sehr sanft am 8. Tag des Monat März im Jahr des Herrn 1620 starb.

Kommentar

Michael Raute besuchte die Schule in Eisleben und war danach drei Jahre als Schreiber in der Stadt tätig. 1563 wurde er als Schreiber bei Hans von Etzdorf in Großaga angestellt und war 1564 bereits Verwalter. 1567 pachtete Raute das Rittergut Gladitz auf sechs Jahre und kaufte 1584 den Gasthof zu den Drei Schwänen in Zeitz, in dem er auch selbst Wohnung nahm.3) 1591 wurde er Ratsherr. 1615 und 1618 war er Stadtrichter.4)

1571 heiratete Raute die Witwe des Matthias Haberkorn, Ursula, mit der er einen Sohn (Christian, später Gastwirt in Dresden) und drei Töchter hatte.5) Am 26.8.1578 heiratete er Margarethe Bauch (gestorben 1588), die Tochter von Bürgermeister Johann Bauch, mit der er drei Söhne (darunter Michael) und zwei Töchter hatte.6) 1589 heiratete Raute Christina Heyland, die Tochter des Pegauer Gastwirtes Hieronymus Heyland, mit der er die Kinder Johann (gestorben in Pegau), David und Magdalena (verheiratet mit Johann Teuber, Pfarrer zu St. Nikolai) hatte.7)

Michael Rautes Vater Georg war Dominikanermönch, der 1517 Anhänger der Lehren Martin Luthers geworden war und nach der Auflösung des Plauener Klosters 1525 auf Wunsch der Bürger als erster evangelischer Pfarrer an der Klosterkirche blieb.8) Später wurde Georg Raute der erste evangelische Superintendent in Plauen.9) Er starb am 10.4.1547.10) Söhne des Georg und Brüder des Michael Raute (des jüngsten Sohnes) waren: Magister Joseph Raute (Pfarrer), Magister Georg Raute (Pfarrer, 1576 Superintendent zu Chemnitz und als Kalvinist suspendiert, später wieder Pfarrer in Kohren, gestorben 1602).11)

Anmerkungen

  1. Zader/O II, S. 85 und 87: „In der Mitte beij dem Creuz“.
  2. Unter die Inschrift zeichnete Brinkmann ein Medaillon, in dem die Umrisse eines Vollwappens angedeutet sind.
  3. Leichenpredigt für Michael Raute, in: Roth, Bd. 4, S. 269, R 3501.
  4. Ebd. und Zader/Grubner III, S. 281, 287.
  5. Leichenpredigt für Michael Raute, wie Anm. 3.
  6. Ebd. Michael Raute studierte 1602 in Jena, vgl. Matrikel Universität Jena, Bd. 1, S. 272.
  7. Leichenpredigt für Michael Raute, wie Anm. 3.
  8. Ebd. Zuvor hatte Georg jedoch Briefe in der Sache an Martin Luther und an Kurfürst Johann den Beständigen von Sachsen geschrieben, deren Förderung zu seiner Anstellung zumindest beitrug; vgl. Bülau, Geistlichkeit, S. 9.
  9. Leichenpredigt für Michael Raute, wie Anm. 3.; Zader/StArNb, S. 947.
  10. Bülau, Geistlichkeit, S. 9.
  11. Ebd.

Nachweise

  1. Brinkmanns handschriftliche Bleistiftabschrift in dem von ihm überarbeiteten und ergänzten Exemplar der Kdm. im Stiftsarchiv Zeitz, Einfügung nach S. 42.
  2. Zader/O II, S. 87.
  3. Zader/StArNb, S. 543.
  4. Zader/O/StdtArZz, Buch 3, fol. 564.
  5. Zader/Grubner III, S. 61.
  6. Liebner, Bd. 7, S. 593f.

Zitierhinweis:
DI 52, Stadt Zeitz, Nr. 266 (Martina Voigt), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di052b007k0026604.