Inschriftenkatalog: Stadt Zeitz

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 52: Stadt Zeitz (2001)

Nr. 262 Klosterkirche 1619

Beschreibung

Grabplatte des Magisters Christoph Weiße. Gelber Sandstein. Die Platte befindet sich an an der Südwand des Chors, der sechste Stein von rechts.1) Die an der oberen Schmalseite zweizeilige, sonst einzeilige eingehauene Umschrift verläuft auf einer erhabenen Leiste. Die Buchstaben scheinen schwarz gefärbt gewesen zu sein. Der Stein ist in seinem unteren Drittel, besonders die untere Schriftleiste, stark verwittert. Der rechte untere Rand der Grabplatte ist mehrfach abgeschlagen und mit Mörtel ausgebessert worden. Die Beschädigungen können bei der Versetzung des Steins entstanden sein (vielleicht zwischen 1870 und 1874).2) Im eingetieften Mittelfeld die Reliefdarstellung eines stehenden, reich gekleideten, bärtigen Bürgers, der in der linken Hand einen Apfel,3) in der Rechten ein aufgeschlagenes Buch hält, das er an den Körper drückt. Links und rechts des Kopfes je ein in seinem Wappenbild nicht erkennbares Vollwappen im Relief.

Inschrift ergänzt nach Zader/O.

Maße: H. 176 cm; B. 97 cm; Bu. 3 cm, in der zweiten Zeile 3,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 52, Nr. 262 - Klosterkirche - 1619

 BBAW Berlin, Inschriftenprojekt (Thomas Kreil) [1/1]

  1. A(NN)O CHRI(STI) · 1619 · DIE 29 · IAN(VARII) MANE · / HORA(M) CIRC(A) NONA(M) A(NN)O AETATIS 52 IN CHR(IST)O PLACID[E EXPIRAVIT VIR / CLAR]ISSI[M(VS) D(OMI)N(VS) M(AGISTER) CHRISTOPHOR(VS) WEISSI(VS) PRAETOR / URBAN(VS)] THEMIDO[S CULTOR Q(VI) HIC] DORMIT EXPECTANS LAETAM / [RES]VRRECT(IONEM) CVI VIDVA MOESTISS(IMA) H(OC) M(ONUMENTUM) P(OSUIT)

Übersetzung:

Im Jahr Christi 1619 am 29. Tag des Januar um die neunte Morgenstunde in seinem 52. Lebensjahr gab der hochberühmte Mann, Magister Christoph Weiße, Stadtrichter, Pfleger des Rechts, in Christo seinen Geist auf. Er schläft hier und erwartet eine fröhliche Auferstehung. Ihm hat seine tiefbetrübte Witwe dieses Denkmal gesetzt.

Wappen:
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Kommentar

Christoph Weiße war 1579 unter den Schülern von Schulpforta, erlangte 1594 den Magistergrad und war zunächst als Jurist in Rochlitz tätig.6) 1595 bis 1613 war Weiße Syndikus an der Zeitzer Stiftskirche, ab 1613 Ratsherr und ab 1616 Stadtrichter. Sein Vater war der Bürgermeister Georg Weiße (gestorben 1596, Nr. 201), sein Onkel Ambrosius Weiße, seine Mutter Dorothea Lemmermann (eine Tochter von Michael Lemmermann).7)

Er war verheiratet mit Justina Thamm (1576–1631), einer Tochter von Jakob und Martha Thamm.8) Sein Sohn war vielleicht der im Kindesalter 1598 verstorbene Christoph Georg (Anhang 1, Alte Nikolaikirche 1598). Seine Tochter Dorothea (geboren September 1599 in Zeitz) starb am 14.10.1613 in Zeitz an der Pest.9)

Anmerkungen

  1. Ursprünglich befand sich der Stein vor der Kanzel im Fußboden (Zader/O II, S. 84), zwischen den Grabinschriften der Juliana Weiße (Nr. 263) und der Justina Weiße (Nr. 284).
  2. Vgl. Kdm., S. 54.
  3. Der Apfel kann allgemein als Symbol der Sünde verstanden werden. Er ist aber auch das Symbol der Erlösung von der Sünde und steht für Christus. Die Todessymbolik des Apfels soll erst im 15. und mehr noch im 16. Jahrhundert Verbreitung gefunden haben. Vgl. LdM, Bd. 1, Sp. 746f; LCI, Bd. 1, Sp. 123f.
  4. Der Wappeninhalt ist völlig verwittert.
  5. Der Wappcninhalt ist völlig verwittert.
  6. Haubold, S. 165.
  7. Zader/Grubner III, S. 281, 287; Zader/O I, S. 360; Zader/StArNb, S. 947.
  8. Geschichte der Zeitzer Chronisten, II. Jacob Thamm, in: Mk. Zeitz Nr. 107, 1929, S. 26.
  9. Eltern und Geschwister hatten die Kranke und Sterbende, von Dienstboten gepflegt, allein in Zeitz zurückgelassen, vgl. Leichenpredigt für Dorothea Weisse, in: Roth, Bd. 9, S. 358, R 8647.

Nachweise

  1. Zader/O II, S. 84.
  2. Zader/StArNb, S. 539f.
  3. Zader/O/StdtArZz, Buch 3, fol. 560.
  4. Liebner, Bd. 7, S. 593.

Zitierhinweis:
DI 52, Stadt Zeitz, Nr. 262 (Martina Voigt), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di052b007k0026206.