Inschriftenkatalog: Stadt Zeitz

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 52: Stadt Zeitz (2001)

Nr. 126 Klosterkirche 1565

Beschreibung

Grabplatte des Bürgers Michael Lemmermann. Grauer Sandstein. Die Platte befindet sich an der Südwand der Kirche, unter der Empore, im zweiten Joch von Westen1). Erhabene Umschrift. Die obere Hälfte des Mittelfeldes der Platte wird von dem im Relief gearbeiteten Brustbild eines bärtigen Mannes in Gelehrtenkleidung in einer eingetieften Rundbogennische ausgefüllt. Darunter das Vollwappenrelief. Der Stein ist verwittert, die linke untere Ecke erst vor kurzer Zeit ausgebrochen. Einige Bruchstücke liegen am Boden. Die untere Hälfte der Wappendarstellung ist verwittert. Die linke und die untere Zeile sind nicht mehr lesbar. Lemmermann hatte in der Klosterkirche zwei Gedächtnismale; neben der hier behandelten Steinplatte auch ein gemaltes Epitaph (Nr. 127). Einer Mitteilung bei Zader/O (17. Jahrhundert) und Zader/StArNb zufolge, hat sich Michael Lemmermann bei der Renovierung der Klosterkirche „... sein Epitaphium darein setz(en) laßen.“2) Zader/O verbindet diese Mitteilung mit der hier behandelten Steinplatte.3) Beide Quellen lokalisieren die Steinplatte bereits am heutigen Standort an der Wand.4) Es kann nicht mehr geklärt werden, ob die Platte jemals auf dem Boden über seinem Grab lag.

Maße: H. 170 cm; B. 100 cm; Bu. 6,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien der Kapitalis.

DI 52, Nr. 126 - Klosterkirche - 1565

 BBAW Berlin, Inschriftenprojekt (Thomas Kreil) [1/1]

  1. An(n)o . D[(omi)ni] . 1565 . den . I ./moa) . maij . ist . der . erbar . und . veste . Michael Lem(m)erman(n) burger / [zu Zeitz verschieden / ...]b)sen

Wappen:
Lemmermann5)

Kommentar

Michael Lemmermann stammte aus Schwabach (Mittelfranken).6) 1514 studierte er in Leipzig und erlangte 1516 den Grad eines Baccalaureus.7) Er war 1526 Stadt- und Landrichter.8) 1542 wird er im Türkensteuerregister genannt.9) Von 1543 bis 1550(?) war Lemmermann Verwalter in der Fürstenschule Schulpforta, danach Rat des Bischofs von Naumburg Julius Pflug.10) Er war ab 1551 Pächter des Klosters Posa und ließ nach der Säkularisierung des Franziskanerklosters die Klosterkirche auf seine Kosten renovieren. Lemmermann besaß mehrere Häuser in Zeitz (im hinteren Brühl, auf dem Kaltenfeld, in der Töpfergasse, in der Borngasse). Im Schneeberger Revier besaß er vier Kuxe im Silberbergbau.11)

In seinem Testament stiftete er 200 Gulden für eine wöchentliche Brotspende an arme Schüler des Stiftsgymnasiums und an städtische Arme.12)

Lemmermanns Ehefrau hieß Anna.13) Seine Töchter waren Dorothea, verheiratet mit Georg Weiße,14), Elisabeth, verheiratete Naumeister15) und Kunigunde.16) Sein Sohn Peter erhielt seine Ausbildung in Schulpforta bei Naumburg und auf der Leipziger Universität und war 1564 Verwalter des bischöflichen Amtes Breitingen; er starb 1576.17) Zu seinem Sohn Christoph vgl. Nr. 128.

Textkritischer Apparat

  1. 1./mo ist aufzulösen in primo.
  2. Ergänzungen nach Zader/StArNb.

Anmerkungen

  1. Bereits bei Zader/StArNb, S. 548: „Unten in der Kirchen an der Seiten gegen Mittag ...“ Daneben befand sich ein Epitaph für Johann Krimmer (Nr. 283). Ähnlich Zader/O II, S. 93.
  2. Zader/O II, S. 93; Zader/StArNb, S. 547.
  3. Zader/O II, S. 93.
  4. Vgl. Anm. 1.
  5. Wappen Lemmermann (im geteilten Schild oben ein nach links sehendes stehendes Schaf (Lamm?) in Seitenansicht. Unten eine runde Scheibe?).
  6. Wießner, Das Bistum Naumburg, 1, 2, S. 1102.
  7. Erler, Ältere Matrikel, Bd. 1, S. 537, und Bd. 2, S. 517.
  8. Zader/O I, S. 362.
  9. Türkensteuerregister von 1542, S. 33.
  10. Zader/O I, S. 362. Lemmermann soll 1547 bischöflicher Rat geworden sein, vgl. StdtArZz 3500 00/02, Varia 61, S. 1.
  11. Müller, Silberbergbau, S. 48f.
  12. Stiftungen, S. 105.
  13. Müller, Silberbergbau, S. 49.
  14. Vgl. Nr. 201. Ihr Sohn Christoph Weiße ließ eine neue Kanzel (Nr. 130) in der Klosterkirche zum Gedächtnis seines Großvaters setzen und war selbst vor der Kanzel beigesetzt (Nr. 262).
  15. Elisabeth war im Fußboden der Klosterkirche vor der Kanzel bestattet, s. Anhang 1, Klosterkirche 1. H. 16. Jh.
  16. Müller, Silberbergbau, S. 49.
  17. Wießner, Das Bistum Naumburg, 1, 2, S. 1104.

Nachweise

  1. Zader/StArNb, S. 548.
  2. Zader/Grubner III, S. 93.
  3. Franziskanerkloster, S. 78.

Zitierhinweis:
DI 52, Stadt Zeitz, Nr. 126 (Martina Voigt), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di052b007k0012605.