Inschriftenkatalog: Stadt Zeitz

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 52: Stadt Zeitz (2001)

Nr. 65 Michaeliskirche 1504

Beschreibung

Flügelaltarretabel aus Holz an der Südwand des Chors, bemalt. Alle Inschriften gemalt. Im Mittelfeld das Pfingstwunder; die Apostel (ohne Nimben) mit Flämmchen auf der Stirn, ihre Attribute haltend, umringen die thronende Maria, die ein aufgeschlagenes Buch hält. Zu ihrer Rechten der kniende Petrus mit Inschrift (A) am Gewandsaum. Zu ihrer Linken der kniende Johannes mit Inschrift (B) am Gewandsaum. Auf dem linken Innenflügel Johannes der Täufer, auf dem rechten Innenflügel Katharina. Auf dem linken Außenflügel Jakobus der Jüngere mit Nimbus. An der Außenflügeloberkante unterhalb des Rahmens Inschrift (C). Am Gewandsaum des Jakobus des Jüngeren Inschrift (D). Auf dem rechten Außenflügel ein Apostel mit Nimbus, Kelch und Doppelkreuzstab, am Gewandsaum durch Restaurierung verderbte Inschrift.1) Die Inschriften sind unvollständig, da sie sich teilweise in den Gewandfalten verlieren. Die drei Innentafeln haben in ihrer oberen Hälfte Goldhintergrund. Die Innengemälde sind gut erhalten; kleine Teile des Goldhintergrundes, der Goldrahmung und der Ölfarbe sind, z. T. bis auf den hölzernen Untergrund, abgeplatzt. Die schlecht restaurierten (1959) Außenflügel sind in einfache, flache, dunkelrote Holzrahmen gefaßt; sie wurden offenbar von anderer Hand gemalt. Der Altar wurde nach 1929 aus der Neuen Nikolaikirche hierher versetzt.2)

Maße: H. 118,5 cm (Mitteltafel), 118 cm (linker Flügel), 117,5 cm (rechter Flügel); B. 105 cm (Mittelfeld), 52 cm (linker und rechter Flügel); Bu. 1,2 cm (A, B), 4,0–5,0 cm (C), 1,6–2,0 cm (D).

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis.

DI 52, Nr. 65 - Michaeliskirche - 1504

 BBAW Berlin, Inschriftenprojekt (Thomas Kreil) [1/3]

  1. A

    SANCT(VS) PETRVS OR[A...]a) // AN

  2. B

    SANCT(VS) IOHANES // A

  3. C

    15 · 0 · 4 ·

  4. D

    S(ANCTVS)b) JACOBVS ORA P(R)O [NOBIS]

Übersetzung:

Heiliger Petrus, bitte [für uns]. (A)

Heiliger Johannes, [bitte für uns]. (B)

Heiliger Jakobus, bitte für uns. (D)

Kommentar

Die Schrift verwendet mehrere für die frühhumanistische Kapitalis typische Buchstabenformen. Der Buchstabe E ist epsilonförmig gerundet, der Buchstabe N wird seitenverkehrt verwendet, auf das kapitale spitze A ist ein Balken gelegt. Die Buchstaben sind höher als breiter proportioniert. Die frühhumanistische Kapitalis wurde aufgrund ihres ornamentalen Charakters häufig für Gewandsauminschriften verwendet.3)

Der Meister des Retabels ist unbekannt, aber der Einfluß der zeitgenössischen Nürnberger Wolgemut-Werkstatt ist in dem Madonnen-Antlitz und an einigen Jüngern greifbar.4)

Textkritischer Apparat

  1. Der nach OR folgende, unvollständig dargestellte Buchstabe scheint ein A zu sein. Vermutlich ist „ora“, „bete“, gemeint. Weitere, nur angedeutete Buchstaben verlieren sich in den Gewandfalten.
  2. Vor dem Wort ein O, das zu P(R)O zu gehören scheint und nach hinten gezogen wurde.

Anmerkungen

  1. Buchstabenbestand: . ASV . B . [.] C . Erster Worttrenner ein Stern.
  2. Eine Abbildung des Altars im Artikel von Braun, Nikolaikirche, o. S.
  3. Vgl. DI 42 (Einbeck), Nr. 34, Inschrift D.
  4. Vgl. A. Stangel, Deutsche Malerei der Gotik. Franken, Böhmen und Thüringen-Sachsen in der Zeit von 1400 bis 1500. Nendeln/Liechtenstein 1969, Abb. 90–93, 99–104.

Zitierhinweis:
DI 52, Stadt Zeitz, Nr. 65 (Martina Voigt), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di052b007k0006507.