Inschriftenkatalog: Stadt Zeitz

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 52: Stadt Zeitz (2001)

Nr. 16 Schloßkirche, Kreuzgang 1394

Beschreibung

Grabplatte für den Dechanten Heinrich Dreisker von Etzdorf. Grauer Sandstein. Die Platte befindet sich im dritten Joch des nördlichen Kreuzgangflügels an der Wand. Eingehauene Umschrift. Der untere Teil des Steins ist völlig verwittert.1) Eine Ritzzeichnung im Mittelfeld zeigt einen Geistlichen in vollem Ornat mit Kelch. Der Stein befand sich ursprünglich im nördlichen Seitenschiff der Schloßkirche.2) Grubner berichtet, Dreisker sei „in der Domkirche, unweit dem Taufsteine begraben“.3)

Inschrift ergänzt nach Zader/O.

Maße: H. 235 cm; B. 122 cm; Bu. 9,5, oben 10,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

DI 52, Nr. 16 - Schloßkirche, Kreuzgang - 1394

 BBAW Berlin, Inschriftenprojekt (Thomas Kreil) [1/1]

  1. + Post · m · post tria · c · p[os]t / xc · quaterqve ·a)dreisker · decan(us) dec[embris / obiit Idus4)de Ez/dorf]f natus h(e)nr(ic)(us) hic tumulatus +b)

Übersetzung:

Nach eintausend, nach dreihundert, nach neunzig und vier an den Iden des Dezember starb der Dechant Dreisker Heinrich, geboren aus dem Geschlecht derer von Etzdorf, der hier begraben ist.

Versmaß: Drei Hexameter, leoninisch gereimt.

Kommentar

Die Platte trägt die früheste in Zeitz erhaltene gotische Minuskelschrift. Die Buchstaben sind recht schmal, bei o, a, n mit einem Verhältnis von Breite zu Höhe wie eins zu drei. Die Hasten enden in ausgeprägten Quadrangeln, deren Spitzen schmal auslaufen. Das a ist doppelstöckig, oben geschlossen. Der Balken des t setzt weit am oberen Hastenende nur links an. Im Wortinneren wird das Schaft-s verwendet, das sich vom e vor allem durch seine Oberlänge unterscheidet. An Wortenden steht ein ausgeprägtes rundes s in gotisch gebrochener Form.

Dreisker (auch Heinrich) wird von Zader/O als 1394 verstorbener Dechant genannt.5) Der Dreisker vorausgehende Dechant war der 1393 verstorbene Hermann von Etzdorf (Nr. 15). Flemming sieht in dem 1380 erwähnten Heinrich eine andere Person als Dreisker.6) Aber auch nach dem 1552 von Philipp Holler niedergeschriebenen Mortilogium der Zeitzer Stiftskirche gehören die Vornamen Dreisker und Heinrich zu einer Person.7)

Textkritischer Apparat

  1. Worttrenner als senkrechte Reihe von drei Punkten.
  2. Ein aus fünf kleinen Kreuzen gebildetes großes Kreuz.

Anmerkungen

  1. Auf einem Foto des LAD Sachsen-Anhalt, Halle, von 1963 (s. u.) ist der untere Teil der Platte bereits verwittert, Mittel- und Oberpartie sind noch gut erkennbar.
  2. Zader/Grubner III, S. 12, als Marginalnotiz in roter Tinte.
  3. Grubner, Dec., S. 12.
  4. 13. Dezember.
  5. Zader/O I, S. 313.
  6. Flemming, S. 365.
  7. Mortilogium, S. 159.

Nachweise

  1. Zader/O II, S. 24.
  2. Zader/O/StArZz III, S. 8.
  3. Zader/O/StdtArZz, Buch 3, fol. 501.
  4. Zader/Grubner III, S. 12.
  5. Zader/StArZz, S. 8.
  6. LAD Sachsen-Anhalt, Halle, Bestand Zeitz, Foto von Wagenbreth, undatiert.

Zitierhinweis:
DI 52, Stadt Zeitz, Nr. 16 (Martina Voigt), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di052b007k0001604.