Inschriftenkatalog: Stadt Zeitz

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 52: Stadt Zeitz (2001)

Nr. 5 Schloßkirche, Krypta Mitte 12.–1. Viertel 13. Jh.

Beschreibung

Fragmente eines Sarkophags. Rötlicher Sandstein. Erhalten sind die beiden Teile einer Längsseite, die in der Mitte an einem offenen Rundbogen auseinandergebrochen ist (Buchstabenverlust). Die Inschriften sind in eine an der Oberkante verlaufende Fase eingehauen; im ersten Teil der Inschrift sind die oberen Buchstabenteile zerstört, daher ist keine sichere Textwiedergabe möglich. In den Fragmenten befindet sich je eine Rundbogennische.1) Der Fund stammt aus dem Kloster Posa. Die Seiten eines „Steinkastens“ wurden um 1845 entdeckt und wie folgt beschrieben: „Die Überreste desselben (d. i. der Steinkasten) bestehen in 2 Giebelwänden und 1 Längenwand, also in 3 Stücken, welche hochkantig gestanden und mit losem Mauerwerk ausgefüllt gewesen sind. In der abgefaseten Oberkante des längeren Steins ist allerdings eine Inschrift vorhanden gewesen, von welcher jedoch nur die Endung IBVS und das Endwort ASSOCII zu entziffern waren. Die Längsseite des Kasten ist mit drei halbkreisförmigen, geschlossenen Nischen, die Giebelseite mit einer dergleichen geziert, welche mit Ausnahme der mittelsten Nische der Längsseite, die in der ganzen Stärke des Steins durchgearbeitet ist, fast nur auf 2 3/4 Zoll Tiefe enthalten.“2) Die Fundstücke gelangten in die Sammlung des Zeitzer Altertumsvereins, der sie in die Schloßkirche brachte. Später geriet die zitierte Fundortbeschreibung ins Vergessen und die Sarkophagseiten wurden als Altarschranken angesehen.3) In neueren Publikationen wird allgemein von Altarschranken gesprochen.

Maße: Linkes Fragment: H. 47 cm; B. 77 cm (oben), 70 cm (unten); T. 17 cm. Rechtes Fragment: H. 48 cm; B. 76 cm (oben), 70 cm (unten); T. 17 cm; Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Romanische Majuskel.

DI 52, Nr. 5 - Schloßkirche, Krypta - M. 12.–1. V. 13. Jh.

 BBAW Berlin, Inschriftenprojekt (Thomas Kreil) [1/3]

  1. [... G]A(N)T(VR)a) A[T DE]O NV[NC ... // ...] BVS ASSOCIA(N)T(VR)4)

Übersetzung:

... aber jetzt ... beigesellt ...

Kommentar

Dem Fundbericht nach trugen die beiden (heute verschollenen) Giebelseiten keine Inschriften. Offensichtlich liegt uns nur ein Teil des Gesamttextes vor. Die Inschrift verlief also vielleicht auch auf den Giebelseiten und/oder einer nie gefundenen zweiten Längsseite. Wenn die Lesung ASSOCIA(N) T(VR) zutrifft, liegt ein Hexameterschluß vor. Dies läßt darauf schließen, daß der gesamte Text metrisch gefaßt war.

Der geringe Buchstabenbefund und der schlechte Erhaltungszustand der Inschrift erlauben nur eine sehr vage schriftgeschichtliche Einordnung. Buchstabe C ist noch nicht abgeschlossen. Das A erscheint sowohl trapezförmig als auch pseudounzial. Das T ist wahrscheinlich rund. Buchstabe B zeigt noch keine Tendenz zur Ausrundung am Übergang von Haste und Bogen. Dieser Befund deutet auf eine Entstehung nach der Mitte des 12. Jahrhunderts bzw. im 1. Viertel des 13. Jahrhunderts hin.

Textkritischer Apparat

  1. Lesung unsicher.

Anmerkungen

  1. Maße je: H. 33 cm; B. 22 cm; T. 7 cm.
  2. Sommer, Wanderungen, S. 132. Sommer gibt hier den Bericht des damaligen Kreisbaubeamten vom 16.4.1847 wieder.
  3. So Brinkmann, Peter- und Paulsdom, S. 12.
  4. Für die rekonstruierende Lesung ist Rüdiger Fuchs, Mainz, zu danken.

Nachweise

  1. Sommer, Wanderungen, S. 132.
  2. Brinkmann, Peter- und Paulsdom, S. 12 (mit Abb.).

Zitierhinweis:
DI 52, Stadt Zeitz, Nr. 5 (Martina Voigt), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di052b007k0000501.