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DIO 3: Santa Maria dell’Anima, Rom (2012)

Nr. 7† Santa Maria dell’Anima, Anselmkapelle 1433

Beschreibung

Weiheinschrift der St. Anselm-Kapelle der gotischen Kirche, gleichzeitig Inschrift zu Ehren des Propstes und Protonotars Dr. Hermann Dwerg, ehemals auf einer Tafel in der Kapelle angebracht, vermutlich seit dem Neubau der Kirche nach 1500 verschollen.

Nach Lib. Misc.1)

  1. ANNO DOMINI MCCCCXXXIIIa) DIE SECVNDA MENSIS IVLII FVIT CONSECRATA ALIA MEDIA CAPELLA AD LAVDEM ET HONOREM DEI OMNIPOTENTIS ET BEATAE MARIAE VIRGINIS AC SANCTI ANSELMI EPISCOPI ET CONFESSORIS PRO ANIMA BONAE MEMORIAE DOMINI HERMANNI TWERG DECRETORVM DOCTORIS SEDIS APOSTOLICAE PROTONOTARII AC SANCTI VICTORIS XANCTENSIS ET SANCTI LIBVINI DAVENTRIENSIS COLONIENSIS ET TRAJECTENSIS DIOECESIS ECCLESIARVM PRAEPOSITI

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1433 am zweiten Tag des Monats Juli ist geweiht worden eine andere, die mittlere Kapelle zum Lob und zur Ehre des allmächtigen Gottes und der heiligen Jungfrau Maria und des heiligen Anselm, des Bischofs und Bekenners, für die Seelenruhe des Herrn Hermann Dwerg guten Gedächtnisses, Doktor der Dekrete, Protonotar des apostolischen Stuhls und Propst der Kirchen St. Viktor in Xanten und St. Lebuinus in Deventer, in der Kölner und Utrechter Diözese.

Kommentar

Nachdem am 5. April 1431 mit dem Abbruch der alten und Bau der neuen Kirche begonnen wurde2), konnte bereits am 26. Mai der Rohbau des neuen Chors geweiht werden. Am gleichen Tag wurde auch die sogenannte Bäckerkapelle als vorderste Kapelle des linken Seitenschiffs geweiht und am 2. Juli 1433 die angrenzende Anselm- oder Dwerg-Kapelle. Diese Kapelle nahm zusammen mit der nach Westen angrenzenden, 1432 geweihten Kobandkapelle3) in etwa den Raum ein, auf dem zuvor der eine Teil des ursprünglichen Hospizes gestanden hatte4). Auftraggeber der über die Weihe informierenden Inschrift war nicht – wie man aufgrund der Namensnennung annehmen möchte – der der Anima vielfältig verbundene, aber bereits am 14. Dezember 1430 verstorbene und in S. Maria Maggiore bestattete Protonotar und Brevenkorrektor Dr. Hermann Dwerg5), sondern sein ihm freundschaftlich verbundener, ebenfalls an der Kurie tätiger Kollege Anselm Fabri (de Breda)6), der seinerseits der Anima reiche Mittel zum Bau der Kirche zur Verfügung stellte7). Wohl auch um dieser Verdienste willen wurde die Kapelle auch zu Ehren des hl. Anselm, seines Namenspatrons, geweiht. Dwerg erhielt zur Erinnerung an seine Stiftung zudem ein am 12. Februar 1476 in der Kapelle angebrachtes Epitaph8), das ebenfalls verschollen ist.

Textkritischer Apparat

  1. 1433 Lohninger. – Die Inschrift dürfte im Original anders gruppiert gewesen sein, vgl. dazu die vorhergehende Nr. mit Anm. a).

Anmerkungen

  1. Irrtümlich mit Hinweis auf Lib. Misc. 11 fol.185.
  2. Vgl. zu den Bauetappen der gotischen Kirche Buchowiecki, S. Maria dell' Anima 408f.
  3. Vgl. die vorhergehende Nr.
  4. Vgl. dazu den Plan bei Lohninger 44.
  5. Der aus Herford in Westfalen stammende Hermann Dwerg galt den Zeitgenossen als einer der reichsten Männer Roms; er vermachte der Anima neben 19 Betten und einem Weinberg einen mächtigen Holz- und Kornvorrat sowie ein ganzes Haus, welches die Verwalter des Hospitals kurz nach seinem Tode für 299 Dukaten verkauften, vgl. dazu Schmidlin, Anima 49, 79f. und 161 sowie zur Person Schuchard, Kurie 302-305, Daniels, Dwerg pass. und ders., Ämterkauf pass.
  6. Anselm Fabri (Smits) stammte aus Breda in Nordbrabant, amtierte während einer langen erfolgreichen Kurienkarriere, die er beinahe als Kardinal beschlossen hätte, u. a. als „abbreviator assistens“, Korrektor, päpstlicher Referendar und wirklicher Protonotar; vgl. zu ihm die ausführliche biographische Skizze von Schwarz.
  7. Die Säulenanlage der Kirche, die Einwölbung der drei Schiffe und der Bau der Kapelle dürften aus seinen Mitteln finanziert worden sein, vgl. dazu Lohninger, Anima 29f. – Fabri verstarb am 3. August 1449 in Florenz, wurde nach Antwerpen überführt und im dortigen Liebfrauenstift, dem er als Dekan vorstand, begraben. Neben zahlreichen anderen Ausstattungsstücken vermachte er der Anima auch einen Kelch (vgl. Nr. 18.)
  8. Vgl. ASMA, Lib. Exp. I fol. 261v.

Nachweise

  1. ASMA, A V 3, fol. 173v (Lib. Misc. 3).
  2. Lohninger, Anima 30.
  3. Schwarz, Anselmus Fabri 196.

Zitierhinweis:
DIO 3, Santa Maria dell’Anima, Rom, Nr. 7† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001k0000708.