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DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 253(†) St. Nikolai 1581 o. später, nach 1660

Beschreibung

Grabplatte für Jakob Seidel (A) und Anton Kirchhoff (B). Hochrechteckige Platte als Trittstein außen vor dem nordöstlichen Portal eingebaut.1) Die Oberfläche ist stark abgetreten. Von Inschrift A sind nur noch Reste vorhanden, ebenso von der durch einen Meißelstrich getilgten Inschrift B. Eine dritte Inschrift, die Pyl wohl nicht im Wortlaut wiedergegeben hat,2) ist nicht mehr erkennbar. Beide Inschriften sind eingehauen.

Inschriften ergänzt nach Pyl.

Maße: H. 219 cm, Br. 157 cm. Bu. 6,5 cm (A), 5,5 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis (A), mit Versalien (B).

  1. A

    [JACOBVS SEIDELIVS ARTIS] ME[D(ICINAE)]a) / [ - - - CVM HV]N[C] SE/[ - - - SVIS HE]/[ - - - b) PROVISORIBVS TE]M/[ - - - c) ANNO - - - ]

  2. B

    [AN]TON KIRCHH[OFF]

Übersetzung:

Jakob Seidel, Doktor der Medizin (...) als er dieses (...) seinen Erben (...) Kirchenprovisoren (...) im Jahr (...). (A)

Kommentar

Jakob Seidel (A) aus Olau in Schlesien (Oława) studierte in Wittenberg und Heidelberg und praktizierte seit 1573 als Arzt in Wien, Brünn (Brno) und Breslau (Wrocław). 1575 wurde er in Basel zum Doktor der Medizin promoviert. Im Jahr darauf stellte ihn die Stadt Anklam (Ldkr. Vorpommern-Greifswald) als Stadtarzt ein, 1581 erfolgte sein Ruf an die Universität Greifswald, wo ihm neben der medizinischen Professur zugleich das Amt des Stadtphysikus übertragen wurde. In den dreißig Jahren seiner Lehr- und Heilpraxis übte Jakob Seidel viermal das Rektoramt der Universität aus. Er war mit Katharina Zimdars verheiratet und starb 1615 im 69. Lebensjahr.3) Später ging die Platte an Anton Kirchhoff über (B), der nach 1660 Dorothea Stephani, Tochter des Professors der Rechte Peter Stephani und Urenkelin von Jakob Seidel, geheiratet hatte. Kirchhoff erwarb zur gleichen Zeit eine weitere Grabplatte in der Nikolaikirche (Kat.-Nr. 429).4) Pyl zufolge kam die Platte 1715 an Christian Hansen.5)

Textkritischer Apparat

  1. ME[D(ICINAE)]] Danach ist DOCTOR zu ergänzen.
  2. HE[ - - - ]] Zu ergänzen zu HEREDIBVS.
  3. [TE]M[ - - - ]] Zu ergänzen zu TEMPLI.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Nikolai, Nr. 20. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Nikolai, Nr. 351.
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 474: „1715. Christian Hansen“.
  3. Lange, Vitae Pomeranorum, S. 329 (auch UB Greifswald, Vitae Pomeranorum, Bd. 37, Abraham Battus, Leichenprogramm für Peter Stephani, 1660); Kosegarten, Universität 1, S. 220.
  4. Zu Anton Kirchhoff und Dorothea Stephani siehe dort.
  5. Siehe Anm. 2.

Nachweise

  1. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 451 (A), 475 (B).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 253(†) (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0025301.