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DI 77: Greifswald (2009)

Nr. 147 St. Nikolai 1474, 1703, 1774

Beschreibung

Grabplatte für Hinrich Bukow (A), Johannes Stephani (B) und Matthias Friedrich Strübing (C). Kalkstein. Hochrechteckige Platte im ersten Joch des südlichen Seitenschiffs.1) Zwischen einfachen Linien umlaufend Inschrift A für Hinrich Bukow, in den Ecken Medaillons mit den Evangelistensymbolen. Schriftverlust an der oberen Schmalseite durch Ausbrüche an der Plattenkante, an der linken Langseite durch Abnutzung der Oberfläche. Im Innenfeld die eingeritzte Darstellung des Verstorbenen in geistlichem Ornat unter einer Architekturrahmung, die mit heute verlorenen Metalleinlagen versehen war. Im oberen Drittel sind Figur und Rahmung stark abgetreten. Rechts unten ein gelehnter Wappenschild, dessen Wappenbild ebenfalls aus einer heute verlorenen Metalleinlage bestand. Zwei jüngere Inschriften überlagern die Figur. Im Bereich des Kopfes Inschrift B für Johannes Stephani, darunter Inschrift C für Matthias Friedrich Strübing. Am oberen Rand des Innenfeldes Nummerierung D. Inschrift A erhaben in vertiefter Zeile, die übrigen eingehauen.

Inschrift A ergänzt nach Kirchner und Pyl.

Maße: H. 227 cm, Br. 120 cm. Bu. 7,5 cm (A), 4–5 cm (B), 6 cm (C).

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien (A), Kapitalis mit Versalien (B, C).

DI 77, Nr. 147 - Greifswald, St. Nikolai - 1474, 1703, 1774

 Jürgen Herold [1/1]

  1. A

    Ḥic ˑ in ˑ d(omi)no [quiescit venera]/bilis ˑ d(omi)n(u)s ˑ hi(n)r(ic)us ˑ bukow ˑ ecclesiar(um)a) ˑ cami(n)en(sis) ˑ cano(n)ic(us) / [et] ˑ h(uius) ˑ col(legiate) ˑ p(re)posit(us) ˑ p(ri)m(us) / q(ui) ˑ obiit ˑ f(e)ria ˑ q(ui)nta ˑ an(te) ˑ d(omi)nica(m) ˑ r(e)mini(scere) ˑ a[n(n)o ˑ] d(omi)ni ˑ M cccc lxxiiii

  2. B

    DIESE BEGRAEGNISb) GEHÖRET / M(AGISTER) J(OHANNES) STEPHANI / VND SEINEN ERBEN / ANNO 1703

  3. C

    AN JTZO / GEHÖRET DIESES BEGRÄBNIS / MATTIAS FRIEDERICH / STRÜBING / UND SEINEN ERBEN / ANNO 1774

  4. D

    4

Übersetzung:

Hier ruht im Herrn der ehrwürdige Herr Hinrich Bukow, Kanoniker der Camminer Kirche und erster Propst dieser Kollegiatkirche, der am Donnerstag vor dem Sonntag Reminiscere (3. März) im Jahr des Herrn 1474 starb. (A)

Wappen:
Bukow

Kommentar

Inschrift A ist noch in der älteren Form der gotischen Minuskel ausgeführt. Die Schäfte von i, m, n und u sind an beiden Enden gebrochen. Der e-Balken ist unten eingerollt und berührt den Schaft nicht. Die Oberlänge des b und die Unterlänge des q enden abgeschrägt.

Hinrich Bukow (A) war der Sohn des gleichnamigen Ratsherrn (1383–1411) und der Katharina von Werle sowie Bruder der Ratsherren Siegfried († 1449) und Georg († 1476) Bukow. Bereits 1407 als clericus erwähnt, wurde er, nachdem er die Priesterweihe empfangen hatte, 1445 Pfarrer in Gützkow (Ldkr. Vorpommern-Greifswald). Seit 1449 ist er als Greifswalder Propst bezeugt. An der Errichtung des Kollegiatstiftes von St. Nikolai, die 1457 im Zusammenhang mit der im Vorjahr vollzogenen Universitätsgründung erfolgte, beteiligte er sich durch die Stiftung einer Vikarie. Das Amt des Propstes behielt er bei. Auch später erwies er sich als eifriger Förderer der Universität. So steuerte er für die Anfertigung der Kleinen Universitätszepter (Kat.-Nr. 228) zwei Lot Silber bei und beteiligte sich an der Anschaffung mehrerer Zinngefäße.2) Nach Ablauf der ersten Amtszeit des Rektors Hinrich Rubenow wählte man Bukow im Mai 1457 zum Nachfolger, obgleich er weder einen akademischen Grad besaß noch ein Lehramt wahrnahm. Während der innerstädtischen Konflikte der folgenden Jahre wurde Hinrich Bukow dem Lager der Gegner des Universitätsgründers zugerechnet. Eine Mitschuld an der Vertreibung Rubenows im Herbst 1457 konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden. Nach dessen Ermordung wurde Bukow im Mai 1463 ein zweites Mal zum Rektor gewählt, zog sich aber im Herbst für ein Jahr nach Gützkow zurück, als im Rahmen der Verfolgung der Attentäter und ihrer Hintermänner zwei Todesurteile vollstreckt wurden. 1467 wurde Hinrich Bukow zum Prokurator der Artistenfakultät, 1469 zum Kustos der Nikolaikirche gewählt. Das Amt des Propsts übte er bis zu seinem Tod Anfang März 1474 aus. Seine Grabplatte erbte später sein Neffe, der Professor Hinrich Bukow d. J.3)

Im Jahr 1703 kam die Platte in den Besitz von Johannes Stephani († 1711), seit 1665 Diakon, seit 1676 Archidiakon von St. Nikolai, der aus Horneburg bei Stade stammte und nicht der Greifswalder Familie Stephani angehörte (B). Er war mit Maria Rhaw, Tochter des Archidiakons Joachim Rhaw, verheiratet.4) 1774 ging die Grabplatte an Matthias Friedrich Strübing (Strüfing), seit 1759 Mitglied, ab 1784 Achtmann des Bürgerschaftlichen Kollegiums,5) über (C). Zwischenzeitlich war sie im Besitz der Nikolaikirche (D).

Textkritischer Apparat

  1. ecclesiar(um)] ecclesiae Kirchner.
  2. BEGRAEGNIS] Sic.

Anmerkungen

  1. Siehe Grundriss St. Nikolai, Nr. 303. Zur früheren Lage siehe Pyl, Greifswalder Kirchen, nach S. 248, Grundriss St. Nikolai, Nr. 271.
  2. Kosegarten, Universität 2, S. 170–172.
  3. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 808–813; Lemcke, Kreis Demmin, S. 419, 421.
  4. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 444f. – Das Epitaph für Johannes Stephani befindet sich im nördlichen Chorumgang an der Chorwand. Die Vermählung mit Maria Rhaw fand am 15. März 1666 statt; Schubert, Trauregister 9, S. 13 (Nr. 534).
  5. Gesterding, Erste Fortsetzung, S. 142 (Nr. 161).

Nachweise

  1. Kirchner, Grabsteine Nikolaikirche, S. 192 (A).
  2. Pyl, Greifswalder Kirchen, S. 411 (A), 445 (B), 475 (C).
  3. Magin, Leuchten, S. 73, Anm. 22 (A).

Zitierhinweis:
DI 77, Greifswald, Nr. 147 (Jürgen Herold, Christine Magin), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di077g014k0014708.