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DI 59: Lemgo (2004)

Nr. 156 St. Nikolai 1604

Beschreibung

Epitaph des Bürgermeisters Johann Cothmann. Rötlicher Sandstein. Das teilweise stark verwitterte Epitaph hängt innen an der Nordwand westlich des Nordportals. Früher war es außen am westlichen Strebepfeiler des Südchors angebracht, wo seit 1985/86 eine Kopie hängt.1) Das Epitaph besteht aus drei Inschriftentafeln in vollplastischer Architekturrahmung mit Giebelaufsatz und Unterhang, Wappenreliefs, Roll- und Beschlagwerk. Zwei freistehende kannelierte Säulen tragen unter verkröpftem Gebälk den Giebelaufsatz mit einer Bezeichnung des Trägers und einem Sterbevermerk (A) in einem von einem geschweiften Band eingefaßten Feld. Der hochrechteckigen Haupttafel mit Grabbezeugung und Totenlob (B) fehlt links oben ein rechteckiges Stück, das bereits 1730 herausgehauen wurde (vgl. dazu Nr. 11). Dadurch fehlen die entsprechenden Zeilenanfänge der Inschrift, die zudem schon im 19. Jahrhundert stellenweise verwittert war.2) Auf dem Unterhang der Setzungsvermerk C. Die Haupttafel rahmen Rollwerkwangen mit je zwei untereinander angeordneten Vollwappen, jeweils mit Beischriften (D) darunter. Im oberen rechten Wappen Buchstaben (E). Sämtliche Inschriften sind erhaben gehauen.

Inschrift B ergänzt nach der Zeichnung von Dewitz.

Maße: H. 315 cm; B. ca. 170 cm; Bu. 3,5–5 cm (A, C), 2,5 cm (B), 3,6 cm (D).

Schriftart(en): Humanistische Minuskel und Kapitalis mit Versalien (A, C), humanistische Minuskel mit Kapitalisversalien (B), Kapitalis (D).

DI 59, Nr. 156 - Lemgo, St. Nikolai, 1604

 AWK NRW, Arbeitsstelle Inschriften [1/7]

  1. A

    EPITA/PHIUM / CLARISSIMI PRUDe(N)=/TISSIMIQ(UE) VIRI D(OMI)N(I) IOHA(N)NIS / COTHMA(N)NI , CO(N)SULIS LEMGO/viensis de Ecclesia DEI et R[EP(UBLICA)] uni/versa optime meriti , qui inter pias / preces , inq(ue) suor(um) co(m)plexu placidiss(ime) / obdormivit . 16 MartiiA(NN)O M Da) CIIII

  2. B

    [ – – – ]s proAv[is] et [Cons]ule patre /[ – – – ria] Consul [in] urbe pote[n]s /[ – – – Cothma(n)n(us)] condidit ossa3) /[ – – – tumulo spirit]us astra tenet4) /[ – – – us gravit]as , constantia [iuxta] /[ – – – verae] relligionis am[or] /[ – – – isq(ue) ali]is carissimus [olim] /[ – – – ]t [cunctis] extitit ordi[nibus] /Ut v[e]l seppressob) cognoscas [............]c) /Et quant(us) fuerit [stem]mate qu[ – – – ] /[Quo] magis hu[nc lacrymis de]plor[ – – – ] /[..] dolet a[missum patria] , terra [ – – – ] /N[em]pe bonu(m) [, raru(m) , est consul bon – – – ] /[.]iv[..]d) , terris [si bonus ille datur] /Sed requie(m) parta(m) et laetu[(m)e) ..]a[ – – – ]f) /Quem meliore poli parte locatus hab[et] /Et manibus tensis supera ad co(n)vexa [precemur] /Sive dies abeat sive dies [veniat] /Ut [mo]derato[res] similes p[roducere po]ssit /patria sit q[...........]ta patrocinio

  3. C

    MARITO ET SOCERO DESIDE/ratiss(imo) posuerunt maestissima / Vidua ANNA PROTHEA / et BERNHARDUS HOCKE=/[r]us Iurium / Doctor

  4. D
    [C]OTHM[A(N)]5) KOCK6)  
    GEVEKOTE(N)7) MVMPEROG8) 
  5. E

    CC

Übersetzung:

Epitaph des hochberühmten und sehr klugen Mannes Herrn Johannes Cothmann, Lemgoer Bürgermeisters, um die Kirche Gottes und das ganze Gemeinwesen hochverdient, der unter frommen Gebeten und in der Umarmung der Seinen auf das friedlichste entschlief am 16. März im Jahr 1604. (A)

(Hochangesehen)9) durch seine Ahnen und seinen Vater, der ebenfalls Bürgermeister war , hat als tüchtiger Bürgermeister in der Stadt Cothmann (seine) Gebeine in (diesem) Grab beisetzen lassen, sein Geist [gemeint ist die Seele] ist bei den Sternen. ... Charakterstärke, ebenso Standhaftigkeit ... Liebe zur wahren Religion... und bei anderen einst sehr beliebt ... war für alle Stände, so daß man ... erkennt..., und wie groß er aufgrund seiner Herkunft war ... Umso mehr ... beklagt diesen Verlorenen mit Tränen ... die Vaterstadt, das Land ... Denn ein seltenes Gut ist ein guter Bürgermeister ... wenn er (der Stadt? und) den Ländern beschieden ist. Aber die gewonnene Ruhe und den fröhlichen/die fröhliche ..., den/die er, in des Himmels besseren Teil versetzt, hat. Und mit zum Himmelsgewölbe ausgestreckten Händen wollen wir bitten, ob der Tag geht oder ob der Tag kommt, daß die Vaterstadt ähnliche Lenker hervorbringen kann ... und daß ihr ... zum Schutze dienen. (B)

Dem schmerzlich vermissten Ehemann und Schwiegervater haben die hochbetrübte Witwe Anna Prott und der Doktor der Rechte Bernhard Hocker (dies) gesetzt. (C)

Versmaß: Elegische Distichen (B).

Kommentar

Das Epitaph, das dem Bildhauer Georg Crosmann zugeschrieben wird,10) weist in der Inschrift B eine schrägliegende humanistische Minuskel auf, die mit derjenigen auf dem Epitaph des Dietrich Cothmann von 1606 (vgl. Nr. 160) bis in Einzelheiten übereinstimmt. Auch hier sind die a einstöckig, das geschwungene f und Schaft-s sind unter die Zeile ausgezogen, t in das Mittelband gestellt. Die gleiche Schriftausführung auf beiden Epitaphien deutet auf eine Entstehung in derselben Werkstatt hin. Die Kapitalis in Inschrift A passend zu der Minuskelschrift schrägliegend, die Kapitalis in Inschrift C ebenso wie die hier verwendete humanistische Minuskel senkrecht ausgerichtet, die humanistische Minuskel hier ebenso wie die schrägliegende humanistische Minuskel in Inschrift A mit doppelstöckigem a und auf der Zeile endendem Schaft- s.

Johann Cothmann war ein Sohn des Lemgoer Bürgermeisters Ludolf Cothmann. Seit 1569 ist er als Vorsteher von St. Nikolai nachzuweisen. In dieser Funktion ist er auch auf der 1597 neu errichteten Taufe von St. Nikolai inschriftlich erwähnt (vgl. Nr. 128). Von 1596 bis zu seinem Tod im Jahr 1604 bekleidete er das Amt des Bürgermeisters.11) Der in der Inschrift D neben seiner Ehefrau Anna Prott erwähnte Schwiegersohn Bernhard Hocker war der Ehemann seiner Tochter Anna, des einzigen seinen Vater überlebenden Kindes von Johann Cothmann.12)

Textkritischer Apparat

  1. Neulateinische Zahlzeichen.
  2. suppresso Wilkens und BKD Lemgo. Offenbar Steinmetzfehler.
  3. Wilkens bietet an dieser Stelle den Text homine q....ir, was er zu qui vir ergänzt. Die Buchstabenreste des Originals wie der Kopie lassen sich damit nicht sicher in Einklang bringen. homine que vir BKD Lemgo.
  4. Divini nach Wilkens und BKD Lemgo, über der letzten Haste steht jedoch kein i-Punkt, auch die Lesung des vorletzten Buchstabens als n ist zweifelhaft. Inhaltlich wäre hier Civitati zu erwarten, aber auch dies läßt sich mit dem Buchstabenbefund nicht vereinbaren.
  5. Bei Wilkens ist diese Stelle als unsicher gekennzeichnet, indem er hier nur Hasten wiedergibt, laetum BKD Lemgo.
  6. gratemur bei Wilkens ergibt keinen Sinn und paßt nicht ins Versmaß, gratemur h(unc) BKD Lemgo.

Anmerkungen

  1. Vgl. Marianne Bonney, Restauriert und vor Umweltschäden geschützt: Die Kirche St. Nicolai zu Lemgo. In: LH 9, 1986/87, H. 36, S. 25–27, hier S. 27.
  2. Daher ist die bei Gerlach, Cothmann, S. 9, wiedergegebene deutsche Version der Inschrift mehr eine freie Nachdichtung unter Einbeziehung von Inschrift A als eine Übersetzung der Inschrift B.
  3. condidit ossa: formelhaft, vgl. u.a. Carmina epigraphica 964,6; 1201,2; 1252,6; 2086,1.
  4. spiritus astra tenet: formelhaft, vgl. Hex.-Lex. 5, S. 247, u.a. mit Belegen bei Venantius Fortunatus. Vgl. auch Nr. 104.
  5. Wappen Cothmann (CC bekrönt). Zu dem Wappen vgl. Nr. 11.
  6. Wappen Koch (Hausmarke BKD Lemgo, S. 975, Nr. 24).
  7. Wappen Gevekot (drei Fische pfahlweise, darüber ein Wellenbalken).
  8. Wappen Mumperog (drei aus einem Hügel hervorwachsende Ähren).
  9. Wegen der Fehlstellen wird der folgende Übersetzungsversuch nur mit Vorbehalt gegeben.
  10. Meier, Rathaus, S. 22. BKD Lemgo, S. 222.
  11. Bürgerbuch, Nr. 10301 (1596) ff. bis 10383 (1604).
  12. Gerlach, Cothmann, S. 9.

Nachweise

  1. Wilkens, Zeichnung, dat. 1876, LLB Detmold, Lippe-Bildsammlung, 4 L 38.
  2. Sta Lemgo, Nachlaß Schacht, Nr. 6 (A, B).
  3. BKD Lemgo, S. 222f. mit Abb. 184.

SW

Zitierhinweis:
DI 59, Lemgo, Nr. 156 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di059d006K0015600.