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DI 56: Stadt Braunschweig II (2001)

Nr. 774† St. Martini 1622

Beschreibung

Epitaph des Hermann Conerding. Erhalten ist heute nur noch die Messingplatte mit dem gestochenen Porträt des Verstorbenen; sie gehört zum Bestand des Städtischen Museums und ist im Altstadtrathaus ausgestellt.1) Das Epitaph war nach Schmidt bereits Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Kirche entfernt. Im giebelartigen oberen Abschluß des Epitaphs oben ein Wappenschild, darunter nebeneinander angeordnet drei Wappenschilde. Den Mittelteil bildete die erhaltene Platte mit dem gestochenen Porträt Conerdings, der neben einem Tisch mit zwei daraufliegenden Büchern steht. Darunter standen – wohl auf einer oder mehreren Messingtafeln – die untereinander angeordneten Inschriften A–C.

Inschriften nach der Zeichnung in der Sammlung Sack.

Maße: H.: 54 cm; B.: 48 cm (Bildnisplatte).

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    D(OCTOR) HERMANNUS CONERDING / HENNINGI FIL(IUS) ARCHIATER ILLE CELEBR(IS) HIC JACET / NATUS AN(NO) CHR(ISTI) MDLXII . XIV . KAL(ENDAS) (NOVEM)BR(IS)a) 2) MORTUUS VE-/RO V . K(A)L(ENDAS) QUINCTIL(IS)3) SI NOVISTI VIVUM , SATIS HABET , SIN / MINUS , NEC MORTUUM NOVERIS PLURIB(US) ELOGIIS QUA-/RE NON MORARE AMPLIUS SED ABI , ET AD IDEM TE / PARA FATUM QUO CITIUS EO TUTIUS ET MELIUS

  2. B

    DEBITAE OBSERVANT(IAE) ET AMORIS ERGO / P(ONI) F(IERI)Q(UE) CURARUNT RELICTA VIDUA ET LIBERI

  3. C

    ANTONIUS WIJSE FECIT

Übersetzung:

Doktor Hermann Conerding, Sohn des Henning, jener berühmte Arzt liegt hier, geboren im Jahr Christi 1562 am 14. Tag vor den Kalenden des November, gestorben aber am 5. Tag vor den Kalenden des Juli. Wenn du den Lebenden gekannt hast, so ist es hinreichend, wenn aber nicht, kannst du auch den Toten nicht durch mehrere Lobschriften kennen, deshalb verweile nicht länger, sondern gehe weg, und bereite dich auf dasselbe Schicksal vor, je schneller, desto sicherer und besser. (A)

Aus geschuldetem Gehorsam und Liebe haben die hinterlassene Witwe und die Kinder (dieses) errichten und anfertigen lassen. (B)

Anton Wyse hat (dies) gemacht. (C)

Wappen:
Conerding4)Broitzem5)
Sonnenberg6)Vechelde7)

Kommentar

Der Kupferstecher, der das Porträt ausführte, war vermutlich Wilhelm Schwan, der hier wie bei der Grabplatte für Johann Kammann mit dem Bronzegießer Anton Wyse zusammenarbeitete (vgl. Nr. 770).

Hermann Conerding immatrikulierte sich am 15. April 1583 an der Universität Wittenberg und wurde im Jahr 1594 an der Universität Helmstedt zum Doktor der Medizin promoviert.8) Conerding war als Leibarzt für den Grafen Simon von der Lippe und für die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg tätig. In erster Ehe war er mit Anna Sonnenberg, in zweiter Ehe mit Anna von Vechelde und in dritter Ehe mit Helene von Broitzem verheiratet, deren Wappen sich auf dem Epitaph fanden. Conerding starb am 22. Juni 1622 und wurde am 30. Juni in St. Martini begraben.9) Die Witwe Helene von Broitzem erwarb am 1. Juli 1622 gegen Zahlung von 200 Reichstalern einen Begräbnisplatz in der Kirche neben der Kanzel für ihren verstorbenen Mann und sich selber mit der Berechtigung, darüber zwei Grabplatten legen zu dürfen, sowie der Berechtigung, ein Epitaph errichten zu dürfen.10) Die Inschriften der Grabplatten sind nicht überliefert.

Textkritischer Apparat

  1. XI BR. Die etwas mißverständliche Datumsangabe kann wohl nur als November interpretiert werden, auch wenn dafür korrekterweise IX BR. stehen müßte. Es handelt sich um einen Fehler bei der Ausführung der Inschrift oder der Wiedergabe in der Sammlung Sack, der auf eine Vertauschung der Zahlzeichen zurückzuführen ist.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. 11/1/190 (D 114).
  2. Unter der Voraussetzung, daß die Kalenden des November gemeint sind (vgl. Anm. a) handelt es sich um den 19. Oktober.
  3. 27. Juni. Die Angabe des Todesjahres wurde vermutlich bei der Ausführung der Inschrift vergessen.
  4. Wappen Conerding (Helm). Wappenbeschreibungen nach der Zeichnung in der Sammlung Sack, Nr. 138, Bd. 1, Teil 2 (o. P.).
  5. Wappen Broitzem (Schrägbalken, mit drei Mauerankern? belegt). Wappen des Familienzweiges der Neustadt. Vgl. Meier/Kämpe, Heraldische Untersuchungen 1903, S. 26.
  6. Wappen Sonnenberg (Sonne).
  7. Wappen Vechelde (Schrägbalken mit drei Rosen belegt). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 10 u. Tafel 8.
  8. Matrikel Wittenberg, Bd. 2, S. 311a; Matrikel Helmstedt, Bd. 1, S. 115.
  9. Biographische Angaben nach der Leichenpredigt, Roth, Auswertungen, Nr. 7991.
  10. Sta Braunschweig, G II 1, Nr. 88, fol. 9.

Nachweise

  1. Sammlung Sack, Nr. 138, Bd. 1, Teil 1 (o. P., A, B) u. Teil 2 (o. P., Zeichnung); Bd. 3, p. 19f. (A, B).
  2. Schmidt, Martinskirche, S. 64.

Zitierhinweis:
DI 56, Stadt Braunschweig II, Nr. 774† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di056g009k0077404.