Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 727 Liebfrauenstift 1677

Beschreibung

Grabplatte der Maria Ursula Wambolt von Umstadt geb. von Schönborn. Innen vor der östlichen Wand des Chorumganges, früher im Boden zwischen dem 2. und 3. Hochschiffpfeiler mit der Markierung II.1) Hochrechteckige Platte aus rotem Sandstein mit umlaufender Leiste; im vertieften Feld oben bekröntes Allianzwappen im Lorbeerkranz; darunter über Totenschädel mit Gebein von geflügeltem Puttokopf bekröntes, ovales Inschriftenmedaillon mit insgesamt elf erkennbaren, teils gestaffelten Inschriftenzeilen (A,B); flankiert von vier Ahnenwappen mit Beischriften, ragt es gewölbt aus reicher Ornamentierung hervor. Leiste und hervorstehende Teile, besonders Wappen, und die Schrift im oberen Teil abgeschlagen und bestoßen.

Maße: H. 190, B. 90,5, Bu. 3 cm (A,B).

Schriftart(en): Humanistische Minuskel mit Kapitalis-Versalien (A), Fraktur (B).

DI 29, Nr.727 - Worms, Liebfrauenstift - 1677

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/3]

  1. A

    M[.........]a) / pVerpera et C[......]b) / Festo D[oMini A]nnV[nt](iationis)c) / Floruit Heu cecidit Pulitd) [..] / Flos Vrsula [.............]e) / Hanc VIdet et Con[....]ri[.]f) / [...]mg)

  2. B

    Maria Vrsula Freyfraw / wamboldin von Vmbstatt / gebohrne Freye von / Schenbornh)

Übersetzung:

(...starb) die Wöchnerin und .... am Festtag der Verkündigung des Herrn. Die Blume Ursula, sie blühte, doch starb sie, als sie sproßte.. Diese... sieht ....

Datum: 25. März 1677.

Wappen:
Wappen und Beischriften:
Wambolt von Umstadt-Schönborn; Schönborn, Leyen; [Greiffenklaw], [Eltz].

Kommentar

Von der Inschrift A sind noch sieben Zeilen ansatzweise erkennbar; sie enthalten, so die mögliche Ergänzung der unsicher gelesenen Buchstabenreste, Angaben zum Todestag und verschlüsselt in einem Chronogramm die Jahreszahl.2) Ein kurzer Lobpreis der wohl im Kindbett Verstorbenen ist ebenfalls nicht mehr vollständig zu rekonstruieren; die noch erhaltenen Reste lassen sich mittels einer älteren Übersetzung nicht weiter ergänzen.3)

Das Wappen der Eheleute Heinrich Friedrich Wambolt von Umstadt und Maria Ursula geb. von Schönborn zierte auch den ehemaligen Wambolter Hof in der Kämmererstraße.4) Ihre Eheschließung datiert vom 12. Januar 1654. Maria Ursulas Eltern waren Philipp Erwein und Maria Ursula Freifrau von Greiffenclau zu Vollrads.5) Die Grabplatte des Gatten Heinrich Friedrich Wambolt von Umstadt, Oberst, kurmainzischer Rat und Oberamtmann zu Dieburg, der am 14. Dezember 1688 starb,6) befindet sich im nördlichen Chorumgang der Liebfrauenkirche. Die Identifizierung ist durch die sehr ähnliche Gestaltung und das Wappen der Wambolt ausreichend gesichert. Der Inschriftentext ist jedoch vollkommen abgetreten und nicht überliefert.

Textkritischer Apparat

  1. M...a... Schalk.
  2. pVerpera C ebd.
  3. DeL...nnVe ebd.
  4. Put. 1. ebd.
  5. Flos...ula Fo...ivia ebd.
  6. VIderet ConLIVIs...m ebd.
  7. Zur vorangehenden Zeile gezogen ebd., da rechtsbündig.
  8. Schönborn wie auf Wappenbeischrift ebd.

Anmerkungen

  1. Nach Lageplan von 1911, vgl. oben S. XXIII.
  2. Die vorhandenen Buchstaben lassen sich auf 1621 addieren, ein zweifaches Chronogramm ist nicht auszuschließen; vgl. zur Jahreszahl unten Anm. 5.
  3. Ihm, Grabplatten: „Sie blühte gleich einer Blume im Garten Gottes hienieden. Dies sah der Herr und verpflanzte sie in die himmlischen Wohnungen.“
  4. Vgl. Nr. 495.
  5. Humbracht Taf. 202.
  6. Ebd. Taf. 178 u. Schalk 237 Nr. 20.

Nachweise

  1. Schalk, Gräber 231 Nr. 17.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 727 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di029mz02k0072700.