Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 642 Dom, innen 1616

Beschreibung

Grabplatte des Bischofs Wilhelm von Efferen. Im Boden des nördlichen Querhauses vor dem Walburgisaltar. Schlichte Platte aus rotem Sandstein mit Umschrift; unterer Rand durch Abtretung verloren, oberer abgeschnitten, dort möglicherweise mehrzeilig, da viel Text verloren ging und das erhaltene Stück mehr als Körpergröße besitzt.1) Die Schrift dunkelrot ausgemalt.

Ergänzt nach Schannat.

Maße: H.(erh.) 229,5, B. 99, Bu. 7-8,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 29, Nr.642 - Worms, Dom, innen - 1616

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. [REVERENDISSIMI ET ILLVSTRISSIMI PRINCIPIS AC DOMINI D(OMINI)] WILHELMI AB EFFERN EP(ISCOP)I WO(R)M(ATIENSIS) OSSA CORPORISa) HOC SARCOP[HAGO / INCLVSA DIEI NOVISSIMI TVB]A(M) / PRAESTOL(AN)T(V)R A(N)IMA DEO VIVAT EXCESSIT HVMANISb) A(N)N(O) 1616 7. AVGVS[TI DIVO MARTINO HANC ARAM EREXIT]

Übersetzung:

Die Knochen des Körpers des hochverehrten und berühmten Fürsten und Herrn, Herrn Wilhelm von Efferen, Bischofs von Worms, die in diesem Sarkophag eingeschlossen sind, erwarten die Posaune des Jüngsten Tages. Die Seele lebe in Gott. Das Irdische verließ er im Jahr 1616 am 7. August. Dem heiligen Martin errichtete er diesen Altar.

Kommentar

Die verhältnismäßig große Platte deckte das Grab des Bischofs, das 1910 geöffnet worden war;1) die Beschriftung mit teils erhöhten, ligierten, eingestellten und untergestellten Kapitalisbuchstaben ist die heute einzig erkennbare Dekoration. An besonderen Formen treten nur B und R mit nicht am Schaft zusammentreffenden Bäuchen auf, eine Erscheinung, die um 1620 mehrfach auch in Verbindung mit weniger klassisch geprägten Buchstabenformen begegnet.

Bischof Wilhelm von Efferen (1563-1616), Sohn des kurkölnischen Haushofmeisters gleichen Namens,2) gewählt 1604, aber erst 1612 in Speyer geweiht, förderte die Niederlassung der Jesuiten, denen die Nikolauskapelle zur Nutzung übergeben worden war, in Worms; er starb in der bischöflichen Residenz zu Ladenburg.3)

Eine Stifterinschrift von 1611 kündet von der erwähnten „Errichtung“ des Martinsaltares, die aber wohl nur eine Ausschmückung war.4)

Textkritischer Apparat

  1. Fehlt Schannat und den ihm folgenden Weckerling, Kranzbühler, Schmitt u. Haupt. Die Verstümmelung schon 1887 in Kdm. Worms 198 angezeigt; die Überlieferung bei Wickenburg nur eine teils verlesene Zusammenfassung: WILHELMI AB EFFEREN EISCOPI(!) WORMATIENSIS OSSA CORPORIS HOC SAXO TEGUNTUR ANNO 1616, die aber nicht mehr zum Text der Altarstiftung, vgl. bei Anm. 4, gehört. Ebenso Kranzbühler, Bischofsgräber.
  2. Das S wohl klein hochgesetzt, heute nur schwach erkennbar.

Anmerkungen

  1. Haupt. Die Länge der Grabraumes darunter beträgt stattliche 270 cm.
  2. Fahne, Kölnische Geschlechter I 86.
  3. Schannat.
  4. Vgl. Nr. 627.

Nachweise

  1. Schannat, Hist. ep. Worm. I 440.
  2. Wickenburg II 166.
  3. Weckerling, Bischöfe von Worms 59 Anm. 66.
  4. Kranzbühler, Bischofsgräber 18 Nr. 28.
  5. Ders., Nachrichten 15 Nr. 32.
  6. Schmitt, Bildwerke 335.
  7. Haupt, Gräber im Dom 358.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 642 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di029mz02k0064204.