Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 390 Stadtmuseum, aus Domkreuzgang 1515

Beschreibung

Schlußstein mit Stifterinschrift des Domkanonikers Erpho von Gemmingen. Oben in der Nordinnenwand der Andreaskirche eingemauert, 2. Schlußstein von Westen, früher am Storchenturm in Herrnsheim, aus dem Domkreuzgang; 1960 vom Museum angekauft.1) Runder roter Sandstein mit Umschrift (A) auf abgefastem Rand; im Feld Allianzwappen, von Astwerk gerahmt, in der Mitte Jahreszahl (B). Am Rand und an den Helmen bestoßen. Die Inschrift beginnt oben.

Maße: Dm. 85, Bu. 5,5, Z. 6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 29, Nr.390 - Worms, Stadtmuseum, aus Domkreuzgang - 1515

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/1]

  1. A

    ERPHO · DE · GEMMV(N)GENa) · IVR(IS) VTR(IVSQVE) · DOCT(OR) · MAIORIS · ET · SA(N)CTI · GVIDONIS · SPIREN(SIS) · P(RAE)POSITVS · AC · WORMATIE(NSIS) ECCL(ESIAE) CANO(NI)C(VS) ·

  2. B

    15 · 15

Wappen:
Gemmingen-Neuenstein.2)

Kommentar

Die vergleichsweise frühe und sehr schlanke Kapitalis enthält wegen des Raumbedarfes zahlreiche Abkürzungen und Insertae. Aus älteren Schriftformen sind Schwellungen bei S und O sowie runde, offene E und I mit Nodus übernommen; das M ist stark konisch und besitzt nur einen kleinen Mittelteil. Die unklassisch hohe Proportion der Buchstaben ist sicherlich auch durch das Zusammentreffen von breitem auszufüllendem Raum und Textlänge verursacht. Die Jahreszahl ist in Spiegelschrift geschrieben.

Erpho von Gemmingen, Sohn Hans‘ des Armen oder Kecken und der Brigida von Neuenstein,3) erlangte vor 1488 eine Pfründe in Worms, wurde 1498 Domdekan, resignierte diese Würde aber 1510.4) In Speyer erlangte der in Pavia zum Doktor beider Rechte Promovierte 1505 und 1511 die Propsteien an St. Guido und am Dom; er starb 1523 als Inhaber zahlreicher Pfründen und wurde im Speyerer Dom beigesetzt.5)

Textkritischer Apparat

  1. Sic.

Anmerkungen

  1. Helwich u. Illert, Tätigkeitsbericht 1960, 113.
  2. In der Nähe des Schlußsteines hingen im Dom insgesamt acht Ahnenwappen, nach Helwich: Gemmingen, Berlingen, Münchingen, Mentzingen; Neuenstein, Zwingenberg, Neipperg, Sindringen, die beiden unteren der Reihen korrigiert aus Helmstatt und Flersheim.
  3. Stocker 207 u. 213f., geboren 1463 nach v. Busch/Glasschröder, Chorregel I 627.
  4. Hartmann, Domherren 156; v. Busch/Glasschröder I 629; Fouquet, Speyerer Domkapitel II 519ff.
  5. Inschrift bei Helwich 54 u. Stocker 214 zu 1520, vgl. v. Busch/Glasschröder I 627ff.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 15.
  2. Stocker, Familienchronik 214.
  3. Kautzsch, Dom Taf. 111g.
  4. Schmitt, Bildwerke 282 Nr. 7.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 390 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di029mz02k0039008.