Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 258 Worms-Hochheim, ev. Pfarrkirche 1463

Beschreibung

Namens- und Spruchinschrift auf einer bronzenen Glocke auf dem Turm, heute zum Stundenschlag benutzt. Angebracht auf der Schulter zwischen Stegen, Medaillons mit Adler und Engel mit Spruchband beiderseits des Wortes marckus; auf der Flanke ein Pilgerzeichen, die Mutter Gottes darstellend. Zwischen den Worten Kleeblattkreuze.

Maße: H. 74, Dm. 80, Bu. 2,4 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel, erhaben.

DI 29, Nr.258 - Worms-Hochheim, ev. Pfarrkirche - 1463

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/3]

  1. · anno domini · m · cccc · lxiiia) marckvsb) · ave · maria · gracia · plena · dominvs · tecvm

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1463. Markus. Sei gegrüßt Maria, voll der Gnade. Der Herr (ist) mit dir.

Kommentar

Die Anbringung der recht gut erhaltenen Minuskelmodeln erfolgte nicht immer zeilengetreu und akurat in der Vertikalen; bei tecvm sind t und c nicht sauber unterschieden.

Auf dem Spruchband der Glocke sind die vier Evangelisten vertreten: Johannes mit Adler, Matthäus mit Engel, Markus als Name, Lukas durch den bei ihm überlieferten Engelsgruß.1) Nach gelegentlichem Vorkommen des Spruches im 13. Jahrhundert nahm der Marienkult im 14. Jahrhundert stetig zu und wurde bald mit dem abendlichen Glockenläuten in Verbindung gebracht: Glockenläuten etwa wider die Ungläubigen seit Urban II. oder für die Wiederherstellung des Friedens seit Gregor IX. wurde unter Johannes XXII. mit der Vorschrift verbunden, drei Ave Maria zu beten, wenn die Glocke zum Feuerlöschen rufe. Weitere päpstliche und synodale Vorschriften, Einschärfungen und Ablässe zum Gebet beim morgendlichen und abendlichen Glockenläuten bewirkten, daß das entsprechende Läuten nach den Gebeten Angelusläuten genannt wurde.2)

Von den Glocken in Hochheim weiß man nur, daß eine 1635 von Soldaten geraubt, die andere 1644 wegen Not und Geldmangel verkauft wurde.3) Die heute in Hochheim hängende Glocke wird wegen ihrer Beziehung zu Maria gerne für das Kloster Maria Himmelskron in Anspruch genommen,4) zu bedenken bleibt freilich, ob sie mit ihrem Gewicht von 310 kg für den kleinen Dachreiter des Bettelordensklosters bestimmt gewesen sein kann.5) Auch beweist die in erster Linie auf die Repräsentation der Evangelisten abzielende Inschrift mit ihren Abbildungen nicht, daß die Glocke ursprünglich in einer Marienkirche hing.

Textkritischer Apparat

  1. Danach Adler in Medaillon.
  2. Danach Engel mit Spruchband in Medaillon; markus Brilmayer, Unterlagen Glockenatlas Worms; marchus Bodensohn.

Anmerkungen

  1. Lc. 1,28.
  2. NN., Glockeninschriften als Zeugen kirchlichen Glaubens, in: Christliches Kunstblatt für Kirche, Schule und Haus (1866/67) 154. – Ausführlich auch Beissel, Geschichte der Verehrung Marias im Mittelalter, bes. 195ff. Listen zum Angelusspruch bei Walter, Glockenkunde 174f.
  3. Wörner nach dem Protokollbuch der Gemeinde.
  4. Böcher 6.
  5. Bodensohn.

Nachweise

  1. E. Wörner, Elend in Hochheim im 30jährigen Krieg, in: QHV (1885) Nr. 4 S. 44f.
  2. Kdm. Worms 84.
  3. Brilmayer, Rheinhessen 224.
  4. Bodensohn, Bergkirche 34.
  5. Unterlagen Glockenatlas Worms Nr. C 7 c.
  6. Böcher, Kirchen St. Peter und Maria Himmelskron 10.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 258 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di029mz02k0025808.