Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 35 Paulusstift 2.V.13. Jh.

Beschreibung

Namensinschrift von Stiftern. Innen auf zwei Seiten der Kämpferplatte der südlichen in das Untergeschoß des Westwerks eingestellten Säule aus rotem Sandstein. Namen der Stifter Rudewin von Flomborn und seiner Ehefrau Masvilia auf dem Plättchen eines Knospenkapitells.

Maße: H. 8, B. 69, Bu. 3,4-3,8 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel, früh.

DI 29, Nr.35 - Worms, Paulusstift - 2.V.13. Jh.

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Rüdiger Fuchs) [1/2]

  1. + RVDEWIN · DE VLARBRVNEa) · V/XOR SVA MASVILIA

Kommentar

Die gut erhaltenen Majuskeln auf dem schmalen Plättchen müssen, so schon der erste Berichterstatter über die Pauluskirche, gleichzeitig mit der Herstellung des Werkstückes entstanden sein,1) weil eine nachträgliche Anbringung durch die vorkragenden Wülste des Kapitells kaum möglich erscheint. Ihre Formen sind noch in sehr starkem Maße durch lineare Strichführung ohne Bogenschwellungen geprägt und greifen nur in unzialem, halbgeschlossenem M und durchgehend unzialen E charakteristische Buchstaben der gotischen Majuskel auf. Wenn geringe Zeilenuntreue und Probleme der vertikalen Ausrichtung der Buchstaben sowie Unsicherheiten in sauberer Linienführung nicht den ungeübten Hersteller veraten würden, könnte man sie für wesentlich älter halten. Starke Krümmung der R-Cauda und nicht am Schaft zusammenstoßende Bögen und Cauden von R und B sind bei weiteren Inschriften am Westwerk der Pauluskirche wie auch ähnlich beim Heinrich-Tympanon der Martinskirche von ca. 1220 zu beobachten. Obwohl die Majuskeln der Rudewin-Inschrift gegenüber jener älter aussehen, wird man nicht fehlgehen, die Anbringung der Stifternamen, und nur darum kann es sich handeln, in die Wiederaufbauphase nach dem Brand von 1231 zu datieren, als für besondere Stiftungen reichlich Gelegenheit bestand.2)

Weder die Schrift noch die beiden urkundlichen Nachweise erlauben eine engere Eingrenzung; in einer Urkunde König Heinrichs (VII.) von 1222 und ihrer Bestätigung durch Wormser Bürger 1227 werden die Stifter als Gönner des Klosters Otterberg genannt mit der Herkunftsangabe Flomborn (westlich von Worms).3) Rudewins Erwähnung im Testament des Martinskantors Hezzel von 1254 galt aber nicht mehr einem Lebenden.4) Vervollständigt wird das Beziehungsgeflecht durch die Tatsache, daß das Patronatsrecht in Flomborn dem Dekan und Kapitel des Domes gehörte, an der Pauluskirche und in Otterberg etwa gleichzeitig gearbeitet und an beiden inschriftlich eines Conrad gedacht wurde.5)

Textkritischer Apparat

  1. VLAMBRVNE Schneider, Bauer, Dehio/Gall, Dehio/Caspary.

Anmerkungen

  1. Schneider.
  2. Datierung auf um 1250 aus dem Baubefund durch Schmidt, Ausgrabung in der Pauluskirche 45, auf 1250 bis 1260 nach Schrift durch Bauer, zur Baugeschichte vgl. oben S. XX u. Hotz, Wormser Bauschule 205 und vorangehende Nr.
  3. Boos, UB I 98f. Nr. 127 u. 105 Nr. 140.
  4. Ebd. 163f. Nr. 245.
  5. Zur Conrad-Inschrift in Worms vgl. Nr. 47, zu Otterberg siehe Werling, Baugeschichte Otterberg 22 u. 33.

Nachweise

  1. Schneider, Pauluskirche 8.
  2. Kdm. Worms 245 u. Abb. S. 244.
  3. Kraus, Christliche Inschriften II 82 Nr. 182.
  4. Bauer, Baugeschichte Pauluskirche 17.
  5. Dehio/Gall 85.
  6. Dehio/Caspary 11022; 21176.
  7. Hotz, Wormser Bauschule 206 Anm. 233.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 35 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di029mz02k0003501.