Inschriftenkatalog: Stadt Worms

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 29: Worms (1991)

Nr. 34 Paulusstift 2.V.13. Jh.

Beschreibung

Namen von Stiftern und ungedeutete Silben. Außen an roten Sandsteinquadern am nordwestlichen Strebepfeiler, nach Westen (A unten, B oben), nach Nordwesten (C), südlich des Pfeilers an der Wand (D). Schon stark verwittert und durch Löcher entstellt.

Maße: H. 32, B. 30 (A), H. 39/35, B. 63/30 (C), H. 35, B. 43 (D), Bu. 3 (A,C), 8-10 cm (D).

Schriftart(en): Gotische Majuskel, früh.

DI 29, Nr.34 - Worms, Paulusstift - 2.V.13. Jh.

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Klemens Bender) [1/5]

  1. A

    HEINRICH / BVOZELMANa)

  2. B

    · AT[.]b) / NATIVc)

  3. C

    IUDDA / HIC

  4. D

    E[M.]R[.]Id)

Kommentar

Die durch Verwitterung schon stark reduzierten Majuskeln enthalten als Unzialbuchstaben nur E, einmal H, T und U; in der Inschrift A wirken besonders die N mit eingezogenem Schrägbalken noch sehr archaisch; B und R, bei denen Bögen und Cauden am Schaft nicht zusammenstoßen, entsprechen den Formen bei benachbarten Inschriften. Verhältnismäßig einheitlich präsentieren sich alle A mit breitem Deckbalken über konisch bis spitz zulaufenden Schäften. Schwellungen sind nur noch an gut erhaltenen Stellen erkennbar. Wenn man einen Baubeginn im Westen um 1231 ansetzt,1) gehören die hier zusammengefaßten Inschriften eines einzelnen Bauabschnittes sicher noch vor die Jahrhundertmitte.

Heinrich Buzelmann, Jutta und vielleicht Emeringer sind wahrscheinlich Namen von am Westbau mehrfach verewigten Stiftern zum Bauvorhaben,2) quasi in der Funktion einer Stifterinschrift. In der Schenkung Rudewins von Flomborn und seiner Ehefrau Masvilia, ebenfalls Stifter für den Westbau, für Otterberg kommt 1222 bezeichnenderweise auch eine „Judda vidua Heinrici Emeringeris“ mit ihren Kindern Petrissa, Adelheid, Conrad und Heinrich vor.3) Für die Inschrift B bietet sich keine derartige Erklärung an; ob man die beiden Worte zu „Nativitas“ oder einer ähnlichen Deklinationsform zusammensetzen darf?

Textkritischer Apparat

  1. Das O in ein weitgespreiztes, unsymmetrisches und links stark vergrößertes V einbeschrieben, ein L sähe anders aus. N mit stark eingezogenem Schrägbalken, daher früher einhellig BVZELMAH gelesen.
  2. Wegen der hohen Anbringung Löcher im Stein nicht immer von Buchstabenteilen zu unterscheiden, früher AIR gelesen.
  3. Sicher nicht wie früher NATVS, statt T auch G möglich.
  4. Schneider las nur RI.

Anmerkungen

  1. Hotz, Wormser Bauschule 205; eine Frühdatierung des Westbaues auf kurz nach 1210 bei Spille, Meerweibchenstein.
  2. Vgl. nachfolgende Inschriftennummern u. oben S. XX.
  3. Boos, UB I 98f. Nr. 127.

Nachweise

  1. Schneider, Pauluskirche 37 (A,C,D).
  2. Kdm. Worms 245 (A,B,C).
  3. Kraus, Christliche Inschriften II 82 Nr. 182 (A,B,C).
  4. Bauer, Baugeschichte der Pauluskirche 18 (A,C).
  5. Hotz, Wormser Bauschule 206 Anm. 233.

Zitierhinweis:
DI 29, Worms, Nr. 34 (Rüdiger Fuchs), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di029mz02k0003402.