Die Inschriften der Stadt Worms

2. Historischer Überblick

2. 1. Allgemeine Stadtgeschichte von Worms

Links des Rheins, unweit seines in früherer Zeit stark veränderten, weiter nach Westen reichenden Laufes erstreckt sich zwischen den Flüßchen Eis und Pfrimm eine hochwasserfreie Zone, die schon seit ältesten Zeiten Menschen zur Niederlassung angezogen hatte. Zu topographischen Standortvorteilen einer geschützten Lage traten das relativ günstige Klima am nördlichen Ende des Oberrheingrabens und, für die spätere Entwicklung zu einem geschichtlich bedeutsamen Platz noch wichtiger, eine überaus verkehrsgünstige Lage am südwestlichen Rand des Rhein-Main-Neckar-Raumes mit vorteilhaften Verkehrsverbindungen in alle Richtungen.2) Verhältnismäßig früh stößt man daher in Worms auf Nachrichten zur Bergung von Altertümern und Überresten aus Vor- und Römerzeit; die Zeitgenossen des ausgehenden Mittelalters konnten jedoch wenig aus ihren Funden erkennen. Mächtige Knochen hielt man für solche von Riesen der lokalen germanischen Sagenwelt (Nr. 333), einen 1493 gefundenen Ziegelstempel der 22. Mainzer Legion „Pia Primigena” mit dem Zusatz „IVL PRIMVS” sah noch der gelehrte Stadtchronist Friedrich Zorn für ein mögliches Indiz eines Papstgrabes an.3) Stadtchronistik und kulturhistorisch interessierte Betrachter der Stadt berichten über Funde von Altertümern; man sammelt Antiquitäten oder Kuriositäten, Bischof Johannes III. aus dem Hause Dalberg stellt Römersteine im Bischofshof auf (vgl. Nr. 300), man sucht nach Resten des Recken Siegfried, entdeckt wie Johann Daniel Schoepflin im 18. Jahrhundert die publizistisch verwertbare römische Vergangenheit, legt sogar wie Johann Philipp Bandel und später die Familie der Freiherren von Heyl private Sammlungen an.4) Aber erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit der Gründung des Wormser Altertumsvereins (1879) das Sammeln von Überresten in erste und ernsthafte wissenschaftliche Bahnen gelenkt.5) Mit den Namen Dr. Carl Koehl (†1929), Dr. August Weckerling (†1924) und Maximilian Freiherr von Heyl (†1925) verbindet sich diese erste Phase dokumentierbarer Ausgrabungen vorgeschichtlicher und römischer Bodenzeugnisse.6) Auch in jüngerer Vergangenheit werden die reichen Sammlungen des Museums der Stadt Worms im Andreasstift wieder durch gezielte Ausgrabungen im Stadtgebiet ergänzt und geben Auskunft über die Menschen, die sich jenen günstigen Platz zur Niederlassung erwählt hatten.7)

In gewisser Weise die eigene nebulöse Vergangenheit glorifizierend sah sich Worms in der frühen Neuzeit als Kolonie des Rom an Alter überflügelnden Trier und als Hauptort der Vangionen, als „civitas Vangionum”, die seit C. Julius Caesar mit den Römern in treuem Bunde stand.8) Nun überschritt jener zwar als erster römischer Machthaber den Rhein von Gallien aus, doch die römische Zeit von [Druckseite XIII] Worms beginnt erst unter Augustus, als die Rheinlinie und das rechtsrheinische Germanien in den Wirkungsbereich der römischen Waffen gerieten und Worms im ersten nachchristlichen Jahrhundert als Hilfstruppenkastell des Mainzer Legionsstandortes siedlungstopographisch eine entwicklungsfähige Struktur erhielt. Umfangreiche Gräberfelder an den Ausfallstraßen nach Norden und Süden sowie reiche Sachfunde lassen eine permanente militärische Besatzung annehmen, die vielleicht einen Rheinübergang zu schützen hatte. Wie an ähnlichen Standorten immer zu beobachten, gesellte sich eine zivile Ansiedlung hinzu. Seit dem Fall des Limes im Jahre 260 gingen die römischen Siedlungen am Rhein schweren Zeiten entgegen, doch konnte sich Worms trotz Zerstörungen wie etwa 406 durch eine Germanenkoalition als Siedlungskern halten. Die römische Präsenz und Kontrolle wurde allerdings nur noch mittelbar durch Ansiedlung von Burgundern und anderen Ostgermanen gesichert, bis nach einem kurzen alemannischen Zwischenspiel Worms spätestens um 500 unter sichere fränkische Kontrolle geriet.9) Aus spätrömisch-fränkischer Zeit stammen mehrere frühchristliche Grabsteine, die teils anhand von Grabinhalten näher datiert werden konnten (vgl. Nr. 1-3).10)

Wenn man von wenigen Nachrichten zu Herrscheraufenthalten, Pfalzbauten und Wormser Bischöfen absieht, liegt die Entwicklung des Siedlungsplatzes Worms und Umgebung bis zum 8./9. Jahrhundert im Dunkeln.11) In der unsicher belegten Bischofsliste zwischen dem auf der Kölner Synode von 346 genannten Bischof Victor und dem in Paris 614 genannten Berthulf klafft eine gewaltige zeitliche Lücke, in der sich zwar ein anhaltendes Christentum am oberen Mittelrhein nachweisen läßt, aber eben nicht das kontinuierliche Weiterfunktionieren einer episkopalen Kirchenorganisation; zwar weiß man nicht, ob in der mangelhaften Überlieferung nicht doch die Namen weiterer Amtsträger verloren gingen, doch muß man mit einer wirklichen Unterbrechung mindestens seit der Mitte des 5. Jahrhunderts rechnen.12) Angesichts der Zerstörungen der Völkerwanderungszeit dürfte dann auch die römische Bischofskirche untergegangen sein. Erst zu 852 erfahren wir vom Wiederaufbau einer zerstörten Bischofskirche, also des vorburchardischen Domes;13) zuvor, im Jahre 847, war das Stift St. Cyriakus in Neuhausen gegründet oder zumindest funktionsfähig eingerichtet worden.14) Das spätere Zisterzienserinnenkloster Maria- oder Nonnenmünster führte sich auf eine Gründung durch Kaiser Ludwig den Frommen zurück (vgl. Nr. 65). Es gibt gute Gründe, die Errichtung einer Stadtmauer und die Gründung der meisten der innerstädtischen Pfarrkirchen wegen altertümlicher Patrozinien schon in die karolingische Zeit zu setzen.15) Damals existierten auch schon die meisten der heute eingemeindeten Dörfer um Worms herum, die außer Ibersheim und Rheindürkheim ebenfalls Inschriften dieses Bandes beherbergen.16)

Obwohl Worms vielleicht durch einen Brand nach 790/791 seinen Platz als beliebteste Residenz Karls d.Gr. an Aachen verlor, blieb die Stadt eng mit dem Herrscherhaus verbunden, was durch zahlreiche Aufenthalte, Reichsversammlungen und Fürstentage zu belegen ist, und die Attraktivität der Stadt hielt in gewisser Weise bis weit ins Hochmittelalter hin an.17) Die mit den Ottonen verschwägerte [Druckseite XIV] Salierfamilie, die die Grafengewalt im Wormsgau ausübte, wählte sich die Bischofskirche als Grablege18) und die Wormser Bischöfe jener Zeit standen in enger Verbindung zum Königshaus: Hildebold wirkte als Kanzler Ottos II. und Ottos III. (vgl. Nr. 8) und in dieser Funktion gelangen ihm umfangreiche Absicherungen und Erweiterungen der bischöflichen Herrschaftsrechte;19) zahlreiche eigene Schenkungen an die Wormser Kirche krönte Kaiser Heinrich II. durch seine Anwesenheit bei der Domweihe Bischof Burchards I. im Jahre 1018,20) dessen Unterstützung er selbst seine Krone verdankte. In jener Zeit kristallisiert sich auch die kirchlich-seelsorgerische Struktur der Innenstadt heraus, die in vier Pfarrsprengel eingeteilt wurde, deren wahrscheinlich ältere, meist karolingische Hauptkirchen jeweils einem der alten Stifte angeschlossen waren.21) Diese Hauptstandorte von Inschriftenträgern wurden durch kleine Kirchen und Kapellen vermehrt, im 13. Jahrhundert auch durch Bettelordenskirchen und das Liebfrauenstift in der Mainzer Vorstadt, insbesondere aber durch die Gründung der beiden Dominikanerinnenklöster Liebenau und Maria Himmelskron in Hochheim.22)

Nachdem König Heinrich IV. (vgl. Nr. 334) im beginnenden Investiturstreit und den Sachsenkriegen die Loyalität Bischof Adelberts verloren hatte,23) stellte sich das vorstädtische Gemeinwesen um so entschlossener auf seine Seite und gewährte ihm Sicherheit in seinen Mauern. Das dankbar erteilte Zollprivileg von 1074 begründete dann eine starke und lange währende Affinität von sich entwickelnder Stadt und Reichsoberhaupt, von der eine lange Liste noch erhaltener Privilegien beredtes Zeugnis ablegt. Unter den Nachfolgern wurden die wirtschaftlichen und rechtlichen Fesseln der Bürgerschaft weiter gelockert;24) zur selben Zeit begünstigte offenbar ein anhaltender wirtschaftlicher und politischer Aufschwung des Hochstiftes den Neubau des sogenannten „staufischen Domes”. Die ersten dunklen Wolken zogen auf, als Kaiser Friedrich II. 1232 im Interessenkonflikt zwischen Stadt und Bischof seinen Sohn Heinrich (VII.) korrigierte, die Errichtung eines Stadtrates verbot und Bischof Heinrich II. die Zerstörung des neuen Stadthauses erlaubte.25) Die durch diese erste Rachtung von 1233 zunächst eingedämmten Emanzipationsbestrebungen des Wormser Rates wurden in den Wirren der ausgehenden Stauferzeit und des Interregnums, auch begünstigt durch Vakanzen auf dem Bischofsstuhl, ausgebaut und in der zweiten Rachtung von 1293 vertraglich gesichert.26) Konflikte um die Ausübung der Stadtherrschaft und Ratsbesetzung hielten bis zum Ende des Mittelalters an, verschärft noch durch die Auseinandersetzungen über die Finanzierung der städtischen Ausgaben, also die Frage, ob der Wormser Klerus mit städtischen Verbrauchssteuern belegt werden durfte.27) Mit wechselndem Erfolg gelang es schließlich der städtischen Oberschicht doch, den Einfluß des bischöflichen Stadtherrn zurückzudrängen und trotz der nachteiligen Pfalzgrafenrachtung von 1519 in den beiden Räten des 16. Jahrhunderts ein selbständiges Instrument des Stadtregimentes zu schaffen.28) Mit dem Einzug der Reformation in Worms29) eröffneten sich neue Reibungspunkte, insbesondere im Streit um die Magnuspfarrkirche, gleichzeitig verlor aber das im Mittelalter mehrfach angewendete Druckmittel des Interdiktes seine Wirkung; ein Auszug der Geistlichkeit mit Paramenten und Glockenklöppeln wie von 1499 bis 1509 (vgl. Nr. 342) hatte seine Abschreckung eingebüßt. Die im 13. Jahrhundert eingeleitete wirtschaftliche Prosperität der Stadt und die Emanzipation der ritterlich-ministerialen wie der bürgerlichen Oberschicht, zugleich aber auch ihre soziale Differenzierung bereiteten die Voraussetzung dafür, daß neben den Grabinschriften des Stiftsklerus schon am Ende des 13. Jahrhunderts auch solche der städtischen Oberschichten traten, und zwar gleichzeitig von offenbar zwei verschiedenen Perso-[Druckseite XV]-nenkreisen, deren Angehörige sich als „miles” oder „civis Wormatiensis” bezeichneten.30) Anders als viele bisher bearbeiteten Inschriftenstandorte beherbergt Worms aber nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Grabdenkmälern ritterlicher Personen; sie beschränken sich fast ausnahmslos auf Angehörige der ministerialischen und schließlich ritterlichen Familie der Kämmerer von Worms im Martinsstift und die Familie Ritter Dirolfs von Hochheim samt angesippter und befreundeter Familien im Kloster Maria Himmelskron in Worms-Hochheim. Erst ab dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts errichteten die neuen Herrnsheimer Ortsherren des dalbergischen Kämmererzweiges eine Familiengrablege in Worms-Herrnsheim. Begräbnisse adliger Personen in Worms rühren daher meist von ihrem geistlichen Stand her. Waren im 14. Jahrhundert Ritterbürtige aus dem Stadtregiment langsam ausgeschieden, so verloren auch die Geschlechter bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts ihre Position;31) ab dem 16. Jahrhundert gehörten daher die Grabinschriften der lutherischen Standorte Magnuskirche und lutherischer Friedhof einer zünftigen und untereinander vielfach versippten Ratsverwandtschaft.

Mit dem Reichstag von 1495 hatte Worms seine Bedeutung als Versammlungsort für reichspolitisch bedeutende Entscheidungen wie zu Zeiten des Investiturstreites und der Staufer für ein halbes Jahrhundert zurückgewonnen; beherrschende Themen waren Reform und Regiment des Reiches, bis mit dem sogenannten „Lutherreichstag” von 1521 die Stadt zur Geburtsstätte der Glaubensspaltung wurde und alle bedeutenden Reichstage danach verstärkt mit konfessionellen Fragen beschäftigt waren. Nach dem Religionsgespräch von 1540/41 beschlossen die Verhandlungen über die Reichsmatrikel und den drohenden Waffengang mit den Schmalkaldenern 1545 eine Phase verstärkter reichspolitischer Bedeutung der Stadt, die aber noch als Tagungsort des Oberrheinischen Reichskreises, von Städteversammlungen 1606 und 1612 und etwa als Konferenzort für kirchenpolitische Auseinandersetzungen wie etwa 1586 (vgl. Nr. 530) zur Verfügung stand.32) Zwar wurde die Stadt seit ihrem Kampf mit dem Bischof Johannes III. von Dalberg nicht müde, ihre “Libertas” und Reichsfreiheit zu betonen,33) doch im 17. Jahrhundert war von dem Gegner kaum mehr Widerstand zu spüren; das ohnehin kleine und arme Bistum wurde, durch die konfessionsbedingten Verluste schon geschwächt, im territorialpolitischen Ringen der benachbarten Kurfürsten von Mainz und Kurpfalz langsam zerrieben.34) Auch unter katholischer Besatzung während des Dreißigjährigen Krieges gelang dem Hochstift keine dauerhafte Verbesserung seiner Position, obwohl das katholische Bekenntnis etwas an Boden gewann, wie die Niederlassungspläne für den Kapuzinerorden seit 1629 zeigen. Mögen auch die Sterblichkeitsraten bis zu einem Höhepunkt in den Jahren 1633-1635 angestiegen sein, so zeugen doch die lutherischen Grabmäler von einem geordneten und funktionierenden Gemeinwesen, das noch 1634/35 im Vergleich zu anderen Standorten geradezu opulent wirkende Denkmäler des Totengedächtnisses schaffen ließ;35) auch die katholischen Institutionen hatten unter dem Schutz der Truppen des allerkatholischsten Königs in die Ausstattung ihrer Kirchen investiert.36) Nicht lange nach der schwedischen Niederlage von Nördlingen 1634 veränderte sich die Situation, als auch der letzte Rest einer gewissen Stabilität und Ordnung zusammenbrach; wenig Besserung brachte nach wechselndem Kriegsglück die Übergabe der Stadt an die Kaiserlichen unter Gallas bis 1642 (vgl. Nr. 692) oder dann die Einnahme durch die Lothringer.37) Die schwierige Zeit insgesamt kennzeichnen Berichte zur Situation im hessischen Ried und an der benachbarten Bergstraße, aus welchem Bereich nicht wenige Bewohner [Druckseite XVI] Zuflucht in der immer noch befestigten Stadt Worms gesucht hatten;38) immerhin stammen allein fünf der sieben Inschriften des Jahres 1635 von Auswärtigen, darunter zwei für Personen, die vom rechtsrheinischen Ufer nach Worms geflüchtet waren (Nr. 687, 693). Außerdem markiert ein deutliches Absinken der Inschriftendichte in Worms nach 1635 diese Zäsur. Im Zeitraum von 1636 bis 1651 geht die Zahl der bekannt gewordenen Grabinschriften für Worms und Umgebung auf nur sechs(!) an der Zahl und zudem sprachlich und in der Darstellung höchst einfach gehaltene zurück. Darin spiegelt sich die Situation der nun aller Resourcen und vor allem Reserven beraubten Bevölkerung, die sich von den Rückschlägen wechselnder Besatzungen und der allgemeinen Unsicherheit des Lebens erst nach 1660 wieder erholt hatte und den zahlreichen Toten der Seuchenjahre 1666-166839) und im Jahrzehnt danach vor allem in ihrer sprachlichen Gestaltung angemessene Memorialzeugnisse errichten konnte.

Die schon von den französischen Réunionen und ihren kriegerischen Begleiterscheinungen getrübte Erholungsphase fand am Pfingstdienstag (31. Mai) des Jahres 1689 ein jähes Ende: Mit vielen anderen Städten und Dörfern fiel Worms den planmäßigen Zerstörungen im pfälzischen Erbfolgekrieg zum Opfer.40) Nichts war mehr wie zuvor: Die Bevölkerungszahl schrumpfte für einige Zeit auf unter ein Fünftel,41) ohne sich vor dem 19. Jahrhundert wirklich zu erholen; ein Trümmerfeld bedeckte den Platz der einst türmereichen Stadt, in der nur wenige Häuser in der Speyerer Vorstadt und drei Kirchen verschont blieben, weil von den Franzosen auf höheren Befehl geschützt, nämlich das Kapuzinerkloster wegen der Verehrung der Jungfrau Maria und auf Fürsprache des Generals Diliade, Mariamünster wegen der Gründung durch Ludwig d.Fr. (vgl. Nr. 65) und das Bergkloster St. Andreas wegen der Grablege der angeblichen fränkischen Prinzessinnen (vgl. Nr. 222).42) Einem Marienbild im Dom war ein Zettel angeheftet worden, der es als das einzige Objekt aus Holz, das dem „ignis Gallicus” entging, auswies.43) Es wäre verfehlt, diesem Ereignis die Hauptlast für den Denkmälerverlust allein zuzuschreiben; man wird differenzieren müssen. Verloren gingen in erster Linie die aus wertvolleren Materialien bestehende Bischofsgrablege, viele Wandmalereien durch Brände und überhaupt die meisten Metallobjekte, so alle Glocken in den Kirchen der Kernstadt, im Dom allein 16 und mindestens 13 der Stadt gehörende.44) Über längere Zeit fehlende Kirchendächer leisteten der beginnenden natürlichen Zerstörung von Denkmälern Vorschub und auch die Wiederaufbauzeit des 18. Jahrhunderts45) verursachte weitere Abgänge, wenn etwa die Orgelempore der Pauluskirche z.T. aus umgedrehten Grabsteinen gebaut wurde. Auch das neue barocke Gesicht der Stadt ist heute nur noch schwer vorstellbar; erschütterten die Kriege des 18. Jahrhunderts Worms nur noch am Rande und beschränkten sich die Revolutionstruppen 1794 auf die Demolierung des Bischofshofes und die Napoleons auf das Anzünden des Lazarettes im Domkreuzgang, verlor Worms doch weiter an alter Substanz: Kreuzgang und Johanniskirche mußten auf Abbruch versteigert werden, die Dominikanerkirche und Luthers [Druckseite XVII] ehemaliges Quartier, der Johanniterhof, waren nicht mehr zu retten; ebenso wurden Bergkloster, Mariamünster und Richardikonvent wenigstens in Teilen abgerissen, geistlicher Immobilienbesitz vielfach auf Abbruch versteigert.46)

Die Bausubstanz der Stadt veränderte sich notwendigerweise, als mit der Industrialisierung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die Bevölkerungszahl wieder anstieg und die für große bauliche Veränderungen nötigen Geldmittel in die Stadt flossen; diese betrafen vornehmlich die Erweiterung der Bebauung.47) Die territoriale Neuordnung nach dem Wiener Kongreß schlug die Stadt Worms der linksrheinischen Provinz „Rheinhessen” im Großherzogtum Hessen zu; so wurde sie baugeschichtlich und denkmalpflegerisch an hessen-darmstädtische Geschicke gebunden.48) In die schon gelichteten Reihen der Inschriftendenkmäler schlug dann der große Weltkrieg eine weitere Bresche. Die beiden schweren Bombenangriffe vom 21. Februar und 18. März 1945 zerstörten alle Kirchen im Stadtzentrum und auch das Museum im ehemaligen Andreasstift;49) während dieses Jahres und der darauffolgenden Wiederaufbauphase gingen die Träger von fast 30 Inschriftennummern des Kataloges verloren, die z.T. noch in den Trümmern fotografisch aufgenommen wurden. Bis in die jüngste Vergangenheit verschwanden v.a. durch den Abriß der Vorhalle von St. Martin50) und die Räumung der Klosterkirche Maria Himmelskron in Hochheim51) weitere Träger von mindestens 22 Inschriftennummern. Angesichts dessen überrascht die Zahl von über 740 bekannten Inschriften, von denen für über 390 wenigstens Reste, für fast 60 weitere noch Fotografien vorhanden sind; insgesamt 100 fragmentarisch überlieferte Texte, die nur in weniger als der Hälfte aller Fälle mit älteren Zitaten ergänzt werden konnten, lassen natürlich einen Großteil der Information vermissen, sind jedoch, sofern datierbar, wichtig für die zahlenmäßige Verteilung von Inschriften nach jeweiligen Standorten. Im Bereich von Paulusstift und Dom haben kürzlich vom Stadtmuseum überwachte Ausgrabungen vor allem Teile von Grabplatten zutage gefördert; trotzdem ist an beiden Standorten diese Gattung unterrepräsentiert. Die Funde belegen aber nicht ein ursprüngliches Fehlen, sondern starke Verluste, für die die Baugeschichten der Institutionen passende Gelegenheiten aufzeigen.

2. 2. Beschreibung und Geschichte der wichtigsten Standorte von Inschriftenträgern in der alten Stadt 52)

Älteste kirchliche Institution und Hauptkirche von Worms war seit jeher der Dom mit dem Patrozinium der Apostel Petrus und Paulus. Die bis in römische Zeit zurückzuverfolgenden Reste zeigen mehrere Bauperioden an, so darüber eine fränkische Kirche, karolingische Um- und Neubauten 852 und 872. Das heutige Erscheinungsbild geht im wesentlichen aus dem staufischen Neubau hervor, der einen eigenen Neubau Bischof Burchards I. ablöste; nur die Untergeschosse der Westtürme stammen aus dem frühen 11. Jahrhundert. Der kleinste der drei rheinischen Kaiserdome ist eine „doppelchörige Pfeilerbasilika”, deren Ostteile noch vor 1132 begonnen wurden; in ungleichmäßigem Baurhythmus erreichte man mit der Weihe von 1181 unter Bischof Conrad II. (Nr. 28) womöglich schon die Fertigstellung des Westchores, dessen Architekturformen freilich ihrer Zeit um zwei Jahrzehnte vorauszueilen scheinen. Nur die Ostteile und die nördlichen Langhausarkaden konnten nach der Bergung von Bauhölzern im Jahre 1979 dendrochronologisch auf vor 1132 bzw. 1161/3 datiert werden; der West-[Druckseite XVIII]-bau war 1906/07 aus statischen Erwägungen vollkommen abgetragen und nach Sicherung des Lößuntergrundes nur mit Veränderung der gewagten und instabilen Rose Stein für Stein wieder aufgebaut worden. Auch andere Bauteile erfuhren mannigfaltige Veränderungen: Die 1058 (vgl. Nr. 11) geweihte Nikolauskapelle wich Ende des 13. Jahrhunderts einem Neu- und Erweiterungsbau,53) der eine Verlegung des Südportales um ein Joch nach Osten erforderte und im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts eine vollständige Umgestaltung des prächtigen Südeinganges einleitete. Pietätvoll drehte man das alte Tympanon um (vgl. Nr. 23) und plazierte auf die Rückseite eine Marienkrönung; auch andere Teile des Löwenportales (vgl. Nr. 21f.) wurden in der benachbarten Annenkapelle verbaut und durch ein reiches Figurenprogramm in den Archivolten des Schildbogens ersetzt. Neben Szenen des alten und neuen Testamentes erregten allegorische Figuren wie „Frau Welt”, „Synagoge” und die „Ecclesia” auf einem Tetramorph schon früh die Aufmerksamkeit der Betrachter.54) Ausgehend von den neuen Datierungen und in engem Vergleich mit dem salischen Speyerer Dombau fand die jüngste Beschäftigung mit dem Wormser Dom den baugeschichtlichen Platz seiner Ost- und Langhausteile in der Transformation und Übersetzung von Speyer II; nicht Speyer, sondern Worms wurde zum Kraftzentrum einer eigenen engeren und weiterstrahlenden Schule der spätromanischen Kirchenbaukunst am Oberrhein.55)

Eine für die Inschriftenüberlieferung wesentliche Bauveränderung betraf den romanischen Kreuzgang, aus dessen alter Nordwand noch einige Namen als Grabinschriften erhalten sind (vgl. Nr. 66, 108, 118). Die unter Bischof Johannes III. von Dalberg 1484 begonnene spätgotische Erneuerung vernichtete einen Großteil des alten Bestandes, den es in der favorisierten Grablege der Stiftsgeistlichkeit einmal gegeben haben mußte. Nur eine Platte von 1380 und ein einziges figürliches Denkmal von 1446 (vgl. Nr. 162, 231) sind noch in nennenswertem Umfang erhalten, 10 weitere, davon eine Inschrift des 14. Jahrhunderts, sind abschriftlich überliefert; in der Mehrzahl handelt es sich bei jenen zudem um allenfalls mit Wappen geschmückte Platten, die sich nicht mit den reicher ausgestatteten Denkmälern anderer hochstiftischer Grablegen vergleichen können. Den wenigstens teilweisen Verlust der Totenmemorie könnte ein auf 1517 datiertes, leider verlorenes Denkmal ausgeglichen haben, dessen Formulierungen an ein kollektives Totengedächtnismal denken lassen (vgl. Nr. 396). Die Bauarbeiten, die sich ausweislich der Schlußsteine mindestens bis 1516 hinzogen, schufen immerhin einen reich auszustattenden Raum, dessen Denkmäler wie sonst in Worms nicht mehr in einer kurzen Zeitspanne hohe künstlerische Aktivität auf sich zogen und trotz aller Widrigkeiten in einem erstaunlichen Maße erhalten blieben. Den Zerstörungen von 1689 und 1814 folgten nämlich Abbrucharbeiten, die aus dem reichen Bestand immerhin Schlußsteine und die künstlerisch wertvollen Christus-Reliefs (Nr. 311, 316, 317, 318, 391) übrigließen; Holztafeln waren verbrannt, Metallepitaphien entwendet, die Grabplatten ließ man nach 1792 zu Bodenplatten umarbeiten oder verkaufte sie später mit den übrigen Werksteinen.56) Die Abschriften von Bernhard Hertzog und Georg Helwich haben nicht wenige der Klerikergrabinschriften bewahrt, doch ist der von ihnen nicht festgehaltene Anteil nicht zu ermessen; daß es wirklich mehr gegeben haben sollte, legt ein Kapitelsbeschluß von Jahre 1625 nahe, in dem eine gewisse Gestaltungsfreiheit wegen Überfüllung des Kreuzganges zurückgenommen und etwa Vikaren, die keine Stiftung tätigten, nur noch das Einhauen des Todesjahres gestattet wurde.57) Die schmerzlichsten Verluste im Dom betreffen Bischofsgrablege, Altäre und Malereien, von denen außer dem monumentalen Christophorusbild nur Reste in Kopien der Jahrhundertwende auf uns gekommen sind, [Druckseite XIX] und Metallobjekte wie liturgische Geräte und die monumentale Fassung der Kaiserurkunde Friedrichs I. (vgl. Nr. 26).58)

Den Dom und benachbarte Stiftsgebäude als Inschriftenstandort auszuwerten, trifft daher auf erhebliche Schwierigkeiten. Das erhaltene Material gehört meist zum Baukörper; weder von der Grablege der Bischöfe noch der Stiftsgeistlichen läßt sich so ein befriedigender Eindruck gewinnen. Stimmen die zugänglichen Informationen, scheint für die Bischofsgrablege der Wormser Domes zwar gelegentlich kostbareres Material benutzt worden zu sein, doch bleibt die künstlerische Gestaltung etwa figürlicher Denkmäler hinter den Erwartungen zurück, während sie spätestens ab dem Beginn des 14. Jahrhunderts in fast allen Bischofsstädten reich belegt sind.59) Überaus bescheiden wirken lapidare, auf großen Platten angebrachte Namen im 13. Jahrhundert, und als ab dem 16. Jahrhundert endlich mehr erhalten ist, fällt das Niveau nach den architektonisch (Nr. 514) und sprachlich (Nr. 611) ansprechenden Denkmälern wieder ab (Nr. 642). Die Verarmung des Hochstiftes und die Wahl auswärtig schon etablierter Prälaten, die meist ihre Grablege an anderen Orten fanden, reduzierten die Möglichkeit prächtiger Ausgestaltungen zusätzlich. Immerhin konnten 174 Inschriftennummern dem Dombereich zugewiesen werden. Verstärkt wird der Informationsmangel noch durch die desolate Überlieferung, deren entmutigender Zustand schon daran abzulesen ist, daß die Hochstiftsgeistlichkeit von Worms als eine der wenigen in Deutschland keine monographische Behandlung erfahren hat.60)

Die Wormser Bischofskirche bildete nicht nur den geistlichen Mittelpunkt einer Stadt, sondern natürlich auch der Diözese Worms, die zwar insgesamt recht klein war, doch in breitem Band über dem Rhein liegend von Bruchmühlbach bei Landstuhl im Westen bis zum Neckar aufwärts kurz vor Heilbronn reichte.61) Die stilprägende Wirkung des Domes überschritt die Grenzen des Bistums beträchtlich, wie man heute nach den Neudatierungen weiß.62) Demgegenüber scheint die Wormser Besonderheit einer lange benutzten späten gotischen Majuskel (vgl. Kap. 5.2.) vor allem in den unmittelbaren Wirkungsbereich von Stadt und hoher Geistlichkeit, etwa nach Ladenburg und Wimpfen ausgestrahlt zu haben.

Aus der Reihe der Nebenstifte ragt das Paulusstift zwar an Alter und Ansehen hervor, weil es von dem verehrten Bischof Burchard I. 1002 auf dem Platz der salischen Zwingburg gegründet worden war und viele Stiftungen erhielt,63) doch trifft man keine große intakte oder abschriftlich überlieferte Grablege an. Noch stärker als beim Dom sind die erhaltenen Inschriften mit dem Baukörper verbunden, sowohl die lapidaren Namen des Westwerkes, die als Stifterinschriften zu deuten sind, als auch die kaum redseligeren des Kreuzganges, in denen man aber wohl Grabinschriften zu vermuten hat. In der Umgebung fanden sich zwar verstreute und dem Komplex Paulusstift-Rupertuspfarrkirche zuzuweisende Fragmente,64) doch scheint zuzutreffen, was schon im 18. Jahrhundert festgestellt wurde, daß nämlich „In ecclesia collegiata ad Sanctum Paulum nihil memoratu dignum occurrit, in coemiterio vero ... strata jacent epitaphia antiqua, e quibus duo sequentia adhuc integra sunt”.65) Aus den neu aufgefundenen Fragmenten geht zumindest hervor, daß es wie an den anderen Stiften eine mit großen Umschriftplatten ausgestattete Grablege wohl im Kreuzgang gegeben hatte. Während des barocken Wiederaufbaues wurde eine unbekannte Anzahl dieser Platten für den Sockel der neuen Orgelempore zurechtgeschnitten und mit ihrer Schauseite zur Wand hin eingelassen,66) während Bruchstücke im Füllmaterial, Treppen, Bodenbelägen umgebender Grundstücke und Bauten verschwanden (Nr. 41, 57, 112, 146, 157, 190, 240, 407, 421, 597). Eine Scheidung zwischen den Beständen von nach 1689 nicht mehr aufgebauter Rupertuskirche und Paulusstift unterblieb hier; letzterem wurden alle Funde gutge-[Druckseite XX]-schrieben. Lediglich Begräbnisnachrichten anhand eines Nekrologauszuges stellen scheinbare Abschriften von Inschriften dar, die Bernhard Hertzog unter der Überschrift „Was vor fürneme Adenliche und andere geschlechter begrebnussen zu St. Paul im Stifft zu Worms haben” überliefert.67)

Die erste Stiftskirche, eine dreischiffige Pfeilerbasilika, besaß fünf Joche und einen gradlinig geschlossenen Chor sowie zwei Rundtürme an der Westseite. Nur jene wurden in den neuen spätromanischen mit Säulen versehenen Bau übernommen, dessen erweiterten polygonalen Chor eine Vorhalle mit achteckiger Kuppel, Fensterrose und aufwendigem Portal im Westen ausbalancierte. Zwischen Westwerk mit Halle und Türmen und Chor wurde nach der Zerstörung von 1689 eine barocke Halle gebaut.68) Nach der Profanierung als Fruchtscheuer und Museum des Altertumsvereins im 19. Jahrhundert übernahm der Dominikanerorden 1929 die Stiftsgebäude. Aus der Bombardierung von 1945 gingen die alten romanischen Teile so gut erhalten hervor, daß man die Kirche in ihren barocken Formen wiederherstellen konnte.

Die trotz ihrer Kargheit bemerkenswertesten Inschriften befinden sich am Westwerk, an dem einzelne Namen spätestens seit dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts von reger Bauförderung durch Laien, Geistliche und Patronatsgemeinden zeugen. Der der Wormser Bauschule zugehörige Westbau wurde wohl nach dem Brand von 1231 aufgeführt und zeigt Verwandtschaft zu dem auch hinsichtlich der Stifternamen nahen Otterberg.69) Die anhand von Stilvergleichen zum Pfeddersheimer „Meerweibchenstein” und zur Bauplastik des Domwestchores vorgeschlagene Frühdatierung auf 1200 (Ostchor) und kurz nach 1210 (Westportal)70) ist bisher nicht ausreichend gewürdigt und überprüft worden. Diese Neudatierung setzt die neuen Erkenntnisse der Dombaugeschichte und die Verschiebung des Westchorabschlusses noch ins 12. Jahrhundert konsequent um und rechnet angesichts von Stil- und Qualitätsgleichheit der Portalformen nur mit geringen zeitlichen Abständen der Werke der Wormser Bauschule zu Domwestchor und Kreuzgangportal. Anhand der Schriftformen ist dieser Sachverhalt weder zu bestätigen noch zu widerlegen; Kürze und Ausführungsqualität, soweit man sie bei dem heutigen Stand der Verwitterung überhaupt beurteilen kann, lassen nicht die Umsetzung zeitüblicher Merkmale erwarten, für die es gerade am Beginn des 13. Jahrhunderts keinen verbindlichen Katalog gibt, von dem Mangel sicher datierbarer und nicht allzu weit entfernter Vergleichsbeispiele nicht zu reden. In der Tat wurden bei einigen der Namen retardierende Elemente der Schriftgestaltung festgestellt, doch genügen sie allein nicht zum Beweis einer Frühdatierung. Von einer entsprechenden Umsetzung wurde abgesehen, da urkundliche Belege der Namen, bei allem Zweifel in ihre Relation zum Zeitpunkt der inschriftlichen Fixierung, eine durchaus verzögerte Baugeschichte oder gegebenenfalls ihre Anbringung erst im Zuge von Reparaturen möglich erscheinen lassen. Wenn man die erstaunliche Konstellation der benachbarten Stifternamen Adelheid und Conrad im oberen Teil der Rose (Nr. 47) mit dem inschriftlichen Vorkommen der Namen von Jutta und möglicherweise von Emeringer (Nr. 34), gegebenenfalls also der 1222 genannten Eltern, sowie der dann mit der Mutter in Geschäftsbeziehung stehenden Rudewin und Masvilia von Flomborn (Nr. 35) zusammensieht und letztgenannter Erwähnung im Testament des Hezzel von 1254 berücksichtigt, gewinnt der spätere Ansatz zumindest der Inschriften an Gewicht.71) An der Westfassade führte man 1601, also zu einer Zeit verstärkter Bau- und Verschönerungsaktivitäten in der gesamten Stadt, umfangreiche Fassadenmalereien aus, die die Frühgeschichte des Stiftes mit Darstellungen und Sprüchen illustrierten und ehrwürdiges Alter und Rang der burchardischen Gründung herausstellten, teilweise übrigens in fast wörtlicher Übernahme von Texten des Cyriakusstiftes in Neuhausen (vgl. Nr. 594).

In dem etwa gleichaltrigen, von Bischof Burchard I. vom Andreasberg in die Stadt verlegten Andreasstift befindet sich seit 1930 das Museum des Altertumsvereins Worms, das mit dem Umzug in die Hände der Stadt Worms gegeben wurde und heute Museum der Stadt Worms im Andreasstift heißt, [Druckseite XXI] im nachfolgenden kurz Stadtmuseum genannt.72) Die Trennung der Bestände bereitete naturgemäß bei jenen Denkmälern Schwierigkeiten, deren ursprünglicher Standort nicht durch ältere Erwähnungen und Zitate gesichert ist oder aus dem Text selbst hervorgeht. Über das alte Paulusmuseum gelangten als größte Einzelbestände zahlreiche Inschriftenträger des ehemaligen lutherischen Friedhofes und nach 1951 die meisten Grabplatten des Dominikanerinnenklosters Maria Himmelskron in Hochheim dorthin, seltener sind Reste aus dem Dombereich und der benachbarten Magnuskirche; aus dem Paulusmuseum wurden auch zwei Denkmäler des Paulusstifts mit umgezogen. Im alten Kreuzgang, im Kirchenraum, in den Sammlungen im Inneren und denen im Hof befinden sich außerdem zahlreiche Objekte, deren ursprünglichen Standort man nicht mehr kennt oder die selbst beim Fund als Spolie verbaut waren. Die aus geschnittenen Resten von großen Umschriftplatten in die Treppe im Hof und in die anliegende Stadtmauer eingefügten Fragmente dürften alle noch aus dem Stift stammen, da sich einige von ihnen auch anhand der geringen verbliebenen Textinformation entsprechend lokalisierten Abschriften zuordnen lassen (vgl. Nr. 210, 272, 484). Für etwas weniger als ein Drittel des Bestandes im Museum blieb die Herkunft ungewiß oder unsicher bestimmbar; ein beträchtlicher Teil davon mag jedoch ohnehin zum Andreasstift gehört haben. Um so mehr ist das anzunehmen, als ältere Bergungsaktionen auch schon Denkmäler aus dem Andreasstift den Sammlungen des Altertumsvereines zugeführt hatten (Nr. 367).

Nach einer Phase des Niederganges wurden nach 1180 in engem Anschluß an die Kunstformen des Domes Kirche und Kreuzgangwestflügel des burchardischen Stiftes neugebaut; für die dreischiffige Pfeilerbasilika mit sechs Jochen nutzte man wenig mehr als die alten Fundamente; gerader äußerer Chorabschluß und Bauornamentik entsprechen den Vorgaben des spätromanischen Dombaues. Die Neueinwölbung der Kirche nach dem Brand von 1242 und der gotische Umbau des Kreuzgangsüdflügels in Spätformen von 1612 (Nr. 568) stellten die einzigen nachvollziehbaren Bauveränderungen bis zur Zerstörung von 1689 dar. Von dem sich lange hinziehenden Wiederaufbau gibt eine Bau- und Widmungsinschrift an Bischof Burchard I. von 1761 Auskunft. Der Aufhebung des Stiftes im Jahre 1802 folgte dann die Nutzung der Gebäude als Lager und Magazin samt funktionalen Umbauten. Als das Paulusmuseum des Altertumsvereines wegen der Übernahme der Stiftsgebäude durch den Domini- kanerorden eine neue Bleibe suchen mußte, ermöglichte eine großzügige Stiftung des Freiherrn Maximilian von Heyl wie schon beim profanierten Paulusstift die Renovierung der Gebäude des Andreasstiftes ab 1928, darunter die Rekonstruktion der Rippengewölbe in Stein, da sie nach 1689 nur in Holz ausgeführt gewesen waren. Die neue Bleibe des Museums, nun unter städtischer Leitung, mußte nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut werden, bei welcher Gelegenheit man auch neuzeitliche Zutaten entfernte.73)

Außer den beiden rätselhaften alten Inschriften des 11.-12. Jahrhunderts (vgl. Nr. 15f.) umfaßt der Bestand, der sicher dem Andreasstift zugeschrieben werden kann, seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts meist Grabplatten von Klerikern, wenigen Laien; eine Reihe von Inschriften ist als Name oder Sterbe/Begräbnisnotiz an Bauglieder geschrieben, so für eine Agnes von Obrigheim am Pfeiler des Kreuzgangsüdflügels, dem Kreuzgarten zugewandt, während der Dormitar Nikolaus Faber als Angestellter des Stiftes auf der gegenüberliegenden Seite im Kreuzgang selbst begraben lag (vgl. Nr. 130, 242). Bemerkenswert ist die Inschrift am Sockel des Nordturmes von 1326, in der ein Fund von Sarkophagen samt Gebeinen, ihre Beisetzung in einer Gruft und die Errichtung eines kollektiven Anniversares festgehalten wurde (vgl. Nr. 114). In keinem anderen Wormser Stift neigten Weltkleriker in gleichem Maße der neuen Lehre Luthers zu wie bei St. Andreas, wo schon vor dem Lutherreichstag 1521 lutherisch gepredigt wurde; wichtige Folge war die Loslösung der von St. Andreas betreuten Pfarrkirche St. Magnus, die bis zur Auflösung des Stiftes zwischen ihm, seit 1717 den Jesuiten, und dem Rat der Stadt umstritten war (vgl. insbes. Nr. 631-633).74)

Mit älterem und ehedem reichhaltigem Bestand glänzte das spätestens seit 1521 „kaiserlich” genannte Kollegiatstift St. Martin, heute Filialkirche des Domes, im Nordwesten der alten Stadt. In seiner eigenen Gründungstradition führt sich das Stift auf eine Urkunde Kaiser Ottos III. von angeblich 991 zurück; sie enthält aber nur eine Schenkung, deren chronologische Widersprüche zwar eine Emendation auf 996 erwägen lassen, deren Fakten jedoch auf einer Fälschung von nur vielleicht echten Vorlagen beruhen.75) Sulpicius Severus berichtete in der Vita des hl. Martin von dessen Einkerkerung [Druckseite XXII] in Worms im Jahre 357, als er dem heidnischen Kaiser Julian den Kriegsdienst verweigerte; seit dem späten Mittelalter gehört daher zum festen Repertoire von Wormser Chronisten, daß dem Besucher der Kerker gezeigt werde, der Kirschgartener Chronist sah dort sogar eine schöne Kapelle.76) Das sicher unter Bischof Burchard I. bezeugte Stift erhielt seine heutige Kirche erst im 13. Jahrhundert, wie der stilistische Vergleich mit anderen Bauten der Wormser Bauschule zeigt; ein vorläufiger Bauabschluß an der Westfassade wird um 1240 oder neuerdings schon um 1210 angesetzt. Ob und durch welche bauliche Veränderung man sich 1265 zu einer Weihe veranlaßt sah, ist nicht bekannt. Nur wenige und zudem undatierte Inschriften sind aus dieser Zeit bekannt; erst 1625 unterrichtet die Bauinschrift des Vizedekans Thomas Beccaria inschriftlich über Bauveränderungen (Nr. 663). Die dreischiffige Pfeilerbasilika besaß einen gerade geschlossenen Chor, viereinhalb Joche und eine Doppelturmfassade im Westen, von der nur der Nordturm fertiggestellt wurde. Chorform und Fortsetzung des Mittelschiffes in das Sanktuarium ohne Querhaus oder begleitende Seitenschiffe wurden als Indizien für einen alten, möglicherweise spätottonischen Grundriß angesehen. Mit dem Kreuzgang, dem Verbindungstrakt zur inkorporierten Lambertuskirche und zahlreichen Kapellen standen ab dem 13. Jahrhundert reiche Möglichkeiten für Grablegen und andere Inschriften zur Verfügung.77)

In dem mit über 80 Katalognummern nach dem Dom inschriftenreichsten Standort überwiegen naturgemäß Grabinschriften, und zwar bis 1463 die der (älteren) Kämmerer von Worms, die hier ihre Familiengrablege besaßen, ebenso wie jüngere Linien mit dem Dalbergnamen die ihren in Oppenheim und Herrnsheim hatten. Von ihren Denkmälern im Martinsstift sind noch eine einzige originale Platte (Nr. 664) und eine Replik des 17. Jahrhunderts (Nr. 149) heute zugänglich, drei weitere wurden nach der Auffindung 1969/70 im Boden des Kreuzganges, heute Kindergarten, belassen.78) Die Verluste von 1689 wurden verschlimmert, als man am Ende des Wiederaufbaues nach dem zweiten Weltkrieg die offene Bogenhalle vor dem Westportal abriß und die in ihrem Boden befindlichen Grabplatten beseitigte. Der glückliche Umstand einer fotografischen Überlieferung hält jedoch wenigstens ansatzweise einen Bestand von Gruftplatten fest, die mit den verschwundenen Kämmererplatten eine Besonderheit teilen, die sonst in Worms und überhaupt nur selten anzutreffen ist. Außer gelegentlichen monumentalen Namen längs über das Mittelfeld der Platte sind alle ausreichend erhaltenen Denkmäler mit übergroßen Buchstaben der gotischen Majuskel beschrieben. Die Kennzeichnungsmethoden von Grabplatten werden unten eigens besprochen (Kap. 7.). An interessanten Inschriften ergänzen diese Eigentümlichkeit ein Tympanon von um 1220 (Nr. 31),79) zwei schwierig zu deutende Spruchinschriften (Nr. 32, 359), eine die Stiftstradition bekräftigende Inschrift für den Gründer Otto III. (Nr. 67), ein unsicher überliefertes Apostel- und Prophetenprogramm als Wandmalerei des Chores (Nr. 36) sowie ein womöglich sehr frühes Beispiel einer Hostienmühle (Nr. 213), außer der ersten allesamt verloren und daher nur unsicher datiert. Singulär ist eine dem ehemaligen Martinsstift gehörende Stola erhalten (vgl. Nr. 13).

Als jüngstes, ärmstes und zeitlebens rangniedrigstes Kollegiatstift in Worms verfügt das Liebfrauenstift, heute die katholische Pfarrkirche der Nordstadt, doch über einen beträchtlichen Bestand an Inschriftenträgern. Erst nachdem 1298 Bischof Emicho Raugraf ein Marienheiligtum in der nördlichen Vorstadt zu einem Stift mit 12 Kanonikern, deren Zahl allerdings im Jahre 1300 auf die Hälfte reduziert werden mußte, erhoben hatte, waren wie seinerzeit bei der Katharinenkirche in Oppenheim die Voraussetzungen für inschriftliche Überlieferung geschaffen.80) Nur in inschriftlichen Zeugnissen spiegelt sich auch die wenig kontinuierliche Baugeschichte der dreischiffigen Basilika mit doppeltürmigem Westwerk: Nach dem Baubeginn um 1276/77 trat um 1310 eine Planänderung zugunsten einer vergrößerten Kirche für die Bedürfnisse von Wallfahrern ein, während der Bauteile sukzessive abgerissen und neu aufgebaut wurden. Im Jahre 1381 arbeitete man am Chor und Chorumgang (Nr. 165), doch erst 1465 meldet eine Inschrifttafel am nordwestlichen Chorpfeiler die Bauvollendung oder richtiger einen gewissen Bauabschluß (Nr. 259), da Ornamentformen auf weitere Bauaktivitäten hinweisen und [Druckseite XXIII] auch am Kreuzgang noch gearbeitet wurde.81) Erst am Ende des 15. Jahrhunderts freilich steigt die Zahl der Inschriften, vornehmlich der Grabinschriften merklich an. Bis auf drei Ausnahmen handelt es sich jeweils um körpergroße Platten mit Umschriften, am Ende des 17. Jahrhunderts auch mit zeilenweise angelegten Inschriften in abgegrenzten Feldern. Mangels Masse sonst in Worms nicht zu verfolgen, weist gerade die Klerikergrablege an Liebfrauen einen verhältnismäßig hohen Anteil an konservativen Umschriftplatten auf. Über frühere, aber nicht notwendigerweise ursprüngliche Standorte und Gruppierungen von Grabplatten geben zwei Fotos und Lagepläne der 1911 von Pfarrer Ihm gehobenen Platten Auskunft.82) Den neuen Markierungen in römischen Zahlzeichen auf den Platten entsprachen solche im Boden und auf benachbarten Pfeilern und Wänden, die durch Erneuerungen heute verschwunden sind.

Konkordanz der alten Markierungen mit Katalognummern:
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I Nr. 651
II Nr. 727
III Nr. 164
IV Nr. 89
VI Nr. 669
VIII Nr. 344
IX Nr. 734
X Nr. 714
XI Nr. 324
XII Nr. 716
XIII Nr. 730
XIV Nr. 637
XVI Nr. 712
XVII Nr. 677
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[Druckseite XXIV]

Es stellte sich natürlich die Frage, ob jene Fundsituation von 1911 der ursprünglichen entsprach oder nur eine willkürliche Streuung im Rahmen einer Fußbodenplättung darstellte. Nur eine Lageskizze von Gräbern, nicht nur von Platten, könnte eine eindeutige Klärung bringen, sie fehlt jedoch. Heute verlorene Klerikerplatten lokalisierte Wickenburg im Kreuzgang, drei noch erhaltene hinter dem Hauptaltar, von denen zwei noch 1911 dort gefunden wurden (Nr. 716 u. 734), die dritte, die Platte des Vikars Peter Luff (Nr. 344), fand man im südlichen Chorumgang, obwohl Wickenburg sie „retro summum altare” sah. In der Nähe des Hochaltares hätte sich die Platte des Bischofs Eberhard Cratz von Scharffenstein (†1663) (Nr. 712f.) finden müssen, sie lag aber weit westlich im nördlichen Seitenschiff, wie Wickenburg sagt, „ad latus ecclesiae sinistrum”. Daraus müßte man zumindest erwägen, daß seine Lokalisierungen, eben knapp zwei Generationen nach der Zerstörung, schon erste Neuordnungen wiedergeben und nicht notwendigerweise ursprüngliche Lagen. Für Stiftsgeistliche wären diese ohnehin im Kreuzgang, nicht in der Kirche, zu suchen, es sei denn, ihre Begräbnisplätze ständen in Zusammenhang mit den ihnen zugewiesenen Altären oder der Kreuzgang stand noch nicht oder nicht mehr zur Verfügung, wie es für Platten am Ende des 15. Jahrhunderts und nach Kriegszerstörungen des 17. Jahrhunderts der Fall gewesen sein könnte. Unter der Voraussetzung originärer Bodenlagen der Platten im Jahre 1911 müßte man den relativ kleinen Stein des Kapuzinerpaters Pontianus (Nr. 677), der als einziger aus dem Rahmen der hochrechteckigen Platten in Liebfrauen herausfällt, eben nicht als Grabstein, sondern auch als Grabplatte verstehen; Größe und Anordnung der Inschrift widersprechen jedoch diesem Sachverhalt.

Nur zwei der ursprünglich fünf Hauptpfarrkirchen der Stadt bargen nachweislich größere Inschriftenbestände: Daß die jüngst um die Pauluskirche gefundenen Bruchstücke des 14. Jahrhunderts eventuell doch zur Rupertuskirche gehörten, ist wegen deren geringer Größe nicht anzunehmen. Für die Lambertuspfarrkirche beim Martinsstift sind zwei Grabinschriften aus dem Ende des 17. Jahrhunderts bekannt geworden (vgl. Nr. 729, 736); in St. Amandus fand man zwei heute ebenfalls verschollene Bruchstücke (vgl. Nr. 126, 426). Aus der seit Beginn des 13. Jahrhunderts nachweisbaren Pfarrkirche beim Dom, dem ehemaligen Zentralbau der Johanniskirche, sind abschriftlich immerhin 15 Grabinschriften bekannt geworden; der mächtige Löwentaufstein befindet sich heute in der Nikolauskapelle des Domes, freilich ohne seine gemalten Inschriften (vgl. Nr. 307). Dem südlichen Domvorplatz mit Friedhof waren am Äußeren des Domes mehrere kurze Grabinschriften, im 17. Jahrhundert zusätzlich mit schwarzen gemalten Kreuzen gekennzeichnet, zugewandt; zu eben dieser Friedhofsumgebung gehört auch die Posaune des jüngsten Gerichts (Nr. 110). Erst seit der Zeit Schannats wird die Kirche im Anklang an den Kirchenpatron, dessen Figur sich an der gegenüberliegenden Nikolauskapelle befindet, fälschlich „Baptisterium” genannt;83) die Reihe ihrer Grabmäler beginnt erst in der Mitte des 14. Jahrhunderts, und zwar soweit man den Gewährsleuten vertrauen darf, nicht in Form der zeitgemäßen großen Umschriftplatten, sondern wie auch am Dom schon früher als kurze Grab- oder Sterbe- notiz, gegebenenfalls auch als Metall- oder Holztafel. Zeitüblichen Formen stehen die seit 1299 nachweisbaren Grabmäler der Magnuskirche, heute die einzige noch erhaltene der Hauptpfarrkirchen, wesentlich näher. Bis zur letzten Grabinschrift von 1638 (vgl. Nr. 697) handelt es sich durchweg um Umschriftplatten; lediglich die figürlichen Denkmäler Von Gottfarth und Kechler von Schwandorf weichen davon ab (Nr. 640, 652). Nicht nur in urepigraphischem Anliegen, nämlich schriftgeschichtlich im Nachweis von Werkstattarbeiten in später und sehr später gotischer Majuskel sowie bei Eigentümlichkeiten der gotischen Minuskel, bringt der Bestand der Magnuskirche neue Erkenntnisse; auch die lange umstrittene konfessionelle Zugehörigkeit der Kirche wirkte sich auf die Inschriftendenkmäler in eigenartiger Weise prägend aus: Abgesehen von dem dezidiert lutherisch gesinnten Ausmalungsprogramm von 1614 (Nr. 631-633) machte sich die prekäre Lage zwischen den konfessionellen Lagern offenbar auch in der Gestaltung von Grabmonumenten bemerkbar, da bis auf die beiden genannten Ausnahmen alle übrigen Denkmäler nach 1550 noch dem alten Typ der Umschriftplatte verhaftet sind, wogegen die lutherischen Denkmäler des Stephansfriedhofes diese Form gerade nicht mehr zeigen, obwohl engste Familienverbindungen zwischen den beiden jeweils dort bestatteten Personengruppen bestanden. Offenbar wirkte sich zwischen den beiden Platten Marchard (vgl. Nr. 647) und Fabritius [Druckseite XXV] (vgl. Nr. 697) auf die Uniformität der Umschriftplatten der Magnuskirche entweder die konfessionelle Dominanz der Katholiken in Worms nach der spanischen Besetzung aus oder — das ist wahrscheinlicher — die Wahl dieser Form und ihre Beibehaltung resultieren aus den besonderen Standorten der Träger: Der Unterschied zu den lutherischen Denkmälern des Friedhofes könnte darin liegen, daß die Platten der Magnuskirche eben einen Kirchenboden zu bedecken hatten, während jene quasi wie Kopfsteine an einem Ende des Grabes an die nahegelegene Friedhofsmauer gelehnt waren (vgl. auch unten Kap. 3.).

Jene letzte Grabplatte von 1638 für den Pfarrer Jakob Daniel Fabritius (Nr. 697) ist mit einer Laudatio des Toten durch den Amtskollegen Michael Wenzel geschmückt, in der DVPLICIS ... TEMPLI ... SVBSELLIA genannt sind; in einer Zeit unklarer konfessioneller Grenzen in der Stadt Worms, aus der sonst wenig Zeugnisse erhalten blieben, müßte diese Aussage als möglicher Hinweis auf die simultane Nutzung der Kirche geprüft werden.

Das Bergkloster St. Andreas, so genannt nach der 1141 erwähnten „ecclesia S. Andreae in monte”, entstand aus der Übertragung der alten Andreaspfarrkirche an den Orden der Reuerinnen 1243 durch Bischof Landolf von Worms, nachdem 1231/32 die Niederlassung von Dominikanern gescheitert war. Außer Baunachrichten zu 1261 und vor 1320 besitzt man nur wenige Angaben zu Altären meist des 14. Jahrhunderts. In der Stadtzerstörung verschont (vgl. Nr. 222), wurden die beschädigten Gebäude 1803 auf Abbruch versteigert und schon bald darauf abgetragen, so daß sich eine Umwandlung in eine Kaserne 1823 nicht mehr lohnte.84) In einer Kirchenmauer hatte schon Schannat einen frühmittelalterlichen Grabstein gefunden (Nr. 4), der zusammen mit dem sogenannten Dreijungfrauenstein (Nr. 222) noch erhalten ist; ein wohl im 13.-14. Jahrhundert erneuertes Bischofsgrab (Nr. 69), ein zweiter Teil der großen Scheingrablege (Nr. 223), beide in Stichen bei Schannat überliefert, und zwei anscheinend zeitübliche Grabinschriften (Nr. 103, 635) sind verloren. In Kirche und Kreuzgang, beide im 1803 erstellten Situationsplan des Klosters,85) müßten eigentlich wie in anderen Wormser Klöstern auch noch mehr Grabinschriften vorhanden gewesen sein.

Die Wormser Klostergründung der Dominikaner oder Prediger begann 1226,86) nahm aber erst 1232 nach der Einigung mit Bischof Heinrich II. Gestalt an, als der Ankauf eines Hofes nahe der Münze gelang. Nach mehreren Neu- und Aufbauten genügte der Gebäudekomplex, ehemals gegenüber dem heutigen Roten Haus, offenbar hohen Ansprüchen, da mehrere Ordenskapitel darin tagten, 1495 prominente Fürsten vorösterliche Tage darin verbrachten und er beim Luther-Reichstag mehreren Parteien Quartier gewährte.87) Von den zahlreichen während der damaligen Epidemie in Worms verstorbenen Reichstagsteilnehmern wurden nachweislich drei Angehörige des kaiserlichen Gefolges in der Dominikanerkirche begraben (Nr. 403-405); mehrere ältere Inschriftenträger gehören in die Kategorie der spätmittelalterlichen Umschriftplatten. Schon kurz nach dem Reichstag diente die Dominikanerkirche dem lutherischen Gottesdienst und in der Folgezeit beanspruchten Rat und lutherische Gemeinde die simultane Nutzung des Kirchenschiffes, die erst nach der Zerstörung von 1689 endete. Nach den Begräbnissen der drei Reichstagsteilnehmer brach die inschriftliche Überlieferung ab. Den Wiederaufbau leisteten die Dominikaner alleine; im Zuge dieser Arbeiten verschwanden 1714 alle Grabplatten. Nur durch eine Schadensberechnung von 1697, die auch eine Baubeschreibung enthält, läßt sich eine Vorstellung von dem Kirchenbau gewinnen.88)

Das sich selbst mit einer problematischen Inschrift auf eine Gründung durch Kaiser Ludwig d.Fr. (Nr. 65) zurückführende Frauenkloster Nonnen- oder Mariamünster lag gerade noch in der südöstlichen Ecke der späteren äußeren Stadtbefestigung in unmittelbarer Nähe zur Cäcilienpfarrkirche und [Druckseite XXVI] zur Meinhardskapelle. Der urkundlich erst unter Bischof Burchard I. nachweisbare Konvent gehörte wahrscheinlich zuerst dem Benediktiner-, dann dem Augustinerorden an, bevor eine grundlegende Erneuerung und Reform die Besetzung mit Zisterzienserinnen der Eberbacher Filiation 1236 durch Bischof Landolf und die endgültige Übertragung an den Zisterzienserorden 1291 nötig werden ließen. Danach setzte ein Aufschwung des klösterlichen Lebens ein, der sich in Erweiterungsbauten und zahlreichen Altarstiftungen niederschlug und eben auch die Voraussetzung für die Entstehung von Inschriftendenkmälern schuf; insgesamt 18 sind noch vorhanden oder wenigstens bekannt. Ob sich unter dem Chor der dreischiffigen Basilika noch eine Krypta mit dem sogenannten „antiquus chorus” befand, in dem angeblich auch einige der nicht in geschlossener Grablege beerdigten Äbtissinnen ihre letzte Ruhestätte fanden, ist nicht zweifelsfrei geklärt (vgl. u.a. Nr. 128, 250, 288). Außer den Äbtissinnengrabplatten und wenigen Einrichtungsgegenständen (vgl. Nr. 432, 524, 570, 679, 698) sind nur vage Zuschreibungen von Inschriftenträgern aus dem Museumsbestand möglich, die sich auf die mit sicher zuweisbaren Inschriften identischen Fundumstände als Kanalabdeckungen von Wormser Straßen stützen (vgl. Nr. 59, 79, 246). Nach der Mitte des 15. Jahrhunderts sind insgesamt sechs Äbtissinnengrabsteine erhalten, nämlich die Nummern im Katalog 250, 431, 539, 723 und heute im Stadtmuseum die Steine der Maria Ursula Bender von Speyer (†1698) und der Anna Barbara Kolb von Boppard (†1703), ausnahmslos in der Mitte durchgeschnitten und wieder zusammengesetzt.89) In dem einzigen Wormser Bestand mit einer längeren Reihe erhaltener Grabmonumente von Konventsoberen ist die auch bei anderen Zisterzienserklöstern festgestellte Gleichförmigkeit der Darstellung und des Arrangements einzelner Elemente über lange Zeiträume zu beobachten. Im großen und ganzen entsprechen die Steine der Äbtissinnen denen der Eberbacher Äbte vor 1700.90)

Obwohl die Klostergebäude nicht das Schicksal der 1689 völlig zerstörten Stadt teilten, sind die heute verbliebenen Reste gering: Um die Mitte des 18. Jahrhunderts hatte die Äbtissin Maria Theresia Fräntzlin Erneuerungen an Gebäuden und Ausstattungsgegenständen (Nr. 698) durchführen lassen; in der napoleonischen Zeit dienten die Gebäude als Kaserne, nachdem die Konventualinnen zum Umzug in die Stadt gezwungen worden waren; seit 1810 im Besitz der Stadt wurden die Baulichkeiten privatisiert und schließlich doch zum größten Teil der Versteigerung auf Abbruch zugeführt, die 1822 die Klosterkirche erfaßte; der Rest wurde in die von Heylschen Lederfabriken einbezogen. Aus dem 18. Jahrhundert befindet sich im Stadtmuseum eine Bernhard-Darstellung mit Chronogramm von 1712; alte Bauzahlen und ein Chronogramm von 1713 als Eingangsspruch sind fotografisch überliefert (Nr. 537). Zu den von der Stadt Worms veräußerten Werten gehören auch verschiedene an Wormser und Pfälzer Kirchen verkaufte Einrichtungsgegenstände wie Taufstein, Kanzel, Altar in Großkarlbach (Nr. 423, 524, 679). Eine Verlustabschätzung für Inschriftenträger im Kloster Mariamünster ließe sich nur mit einem hohen Unsicherheitsfaktor vornehmen; immerhin war es das älteste, größte und am längsten bestehende Frauenkloster der Stadt, das der Äbtissin Mechthild, Schwester Burchards I., und dem Bischof und speziellen Gönner Landolf von Hoheneck (†1247) die letzte Ruhestätte bot.91)

Das ursprünglich vor dem Neutor in der westlichen Vorstadt gelegene Karmeliterkloster entstand wie zahlreiche andere Konvente in und bei Worms am Ende des 13. Jahrhunderts. Vom 22. September 1299 datiert die bischöfliche Erlaubnis für Errichtung von Kirche, Kloster und Friedhof; 1310 war der erste Bauabschnitt beendet und für 1387 ist eine Weihe bezeugt. Der Konvent beanspruchte auch die 1496 geweihte Kapelle der Annenbruderschaft, für die das Kaiserpaar den Altargrundstein gelegt hatte. Bevor die Karmeliter 1657 die Stephanskirche beim Bischofshof zugewiesen bekamen, weil die Schweden 1632 mit der Vorstadt auch die Klostergebäude zerstört hatten, muß es verhältnismäßig zahlreiche Begräbnisse im Kloster gegeben haben, da nicht wenige Anniversarien mit Angabe des Grabplatzes überliefert sind, darunter mit Inschriftzitat für den Weihbischof Simon von Düren (Nr. 268) und für den Dekan am Andreasstift Gregor Gutmeyer (Nr. 656a).92) Der Wiederaufbau im 18. Jahrhundert läßt sich nur schwer beurteilen, da das gesamte Klosteranwesen ab 1792 zuerst als französisches, später auch als hessen-darmstädtisches Lazarett und Magazin genutzt wurde; die Kirche war schon 1825 abgebrochen worden, der Rest fiel 1884.93)

[Druckseite XXVII] Erst 1624/5 begannen Verhandlungen über die Niederlassung von Kapuzinern in der Stadt Worms; mit kaiserlicher und bischöflicher Unterstützung gelang jedoch eine genehmigte Etablierung eines Konventes erst 1631. Nach verschiedenen nicht realisierbaren Bauplanungen im Bereich des Liebfrauenstiftes wurde 1642 am Chor der Jodocus-Kapelle von Liebfrauen der Grundstein für das neue Kloster gelegt (Nr. 701), das die Kapelle und zwei Stiftskurien mit einbezog. Die zweischiffige Kirche und anliegende Konventsgebäude schützten die französischen Truppen zwar 1689 eigenhändig vor dem großen Feuer, doch brannte ein Teil 1692 ab; bis zu welchen Grad Neubaupläne des 18. Jahrhunderts wirklich zur Ausführung kamen, ist nicht mehr nachzuvollziehen, da schon 1803 die noch erhaltenen Gebäude versteigert und mindestens die Jodocus-Kapelle abgerissen wurde. Ein Teil des Klosters bildet heute den Mittelpunkt des Liebfrauenmilch-Weingutes.94)

Auf der Nordseite des Domwestchores schloß sich nachweisbar seit dem 13. Jahrhundert die bischöfliche Pfalz an; mindestens teilweise wurde der Bischofshof 1472 von Bischof Reinhard von Sickingen wieder aufgebaut, nachdem ihn der Turmeinsturz von 1429 im Mitleidenschaft gezogen hatte. Der Schauplatz der Luther-Verhöre war noch im 16. Jahrhundert mannigfaltigen Veränderungen und Anbauten unterworfen, bis ihn um 1602/3 Bischof Philipp von Rodenstein mit großem Aufwand etwa bei der Fassadengestaltung ausschmücken ließ (Nr. 603, 605). Bis auf die Außenmauern brannten die Gebäude 1689 aus und auch der Nachfolgebau des 18. Jahrhunderts, an dessen Einrichtung Balthasar Neumann beteiligt war, blieb nicht lange bestehen, denn nach der Einquartierung des emigrierten Prinzen Condé 1792 wurde er von den französischen Revolutionstruppen 1794 erneut in Brand gesteckt und schließlich 1805 versteigert.95) Unter anderem dem Interesse Bischof Johanns von Dalberg am Altertum verdankte der Hof eine Sammlung von Grabsteinen und Skulpturen.96) Gebäude und Vorplatz gehörten zu einem eigenen Rechtsbezirk, dessen Grenzen mit Wappen und Inschriften tragenden Steinen markiert und so in Plänen des 18. Jahrhunderts eingezeichnet waren (Nr. 588). Die nördliche Seite des Vorplatzes schloß die 1055 geweihte Stephanskirche (Nr. 10) ab, die wohl als bischöfliche Hofkapelle diente. Nach der Stadtzerstörung wurde diese Funktion auf eine neue gleichfalls dem hl. Stephan geweihte Kapelle im Bischofshof selbst übertragen.97)

Mit einer ebenfalls dem 11. Jahrhundert angehörenden Inschrift ist die Kilianskapelle (Nr. 9) südlich der Hagenstraße schon früh nachgewiesen; ihr gerader Chorschluß paßt in die Zeit der burchardischen Kirchenbauten. Schon vor der Stadtzerstörung war die Kapelle in Verfall geraten; 1779 fixierte der Stadtschreiber Hallungius den ruinösen Zustand.98) Aus den übrigen Pfarrkirchen (Cäcilien, Michael, Ruperti), den vielen anderen Kapellen und kleinen Kirchen (Alban, Allerheiligen, Georg, Gertrud, Heilig-Geist-Spital, Leprosen, Maria Magdalena, Margaretha, Meinhard, Nazarius, Pankratius, Sixtus, Silvester und Valentin, Ulrich) sind keine Inschriftenträger im Wortlaut bekannt, ebensowenig aus dem der Bürgerschaft recht nahe stehenden Franziskanerkloster99) noch aus den Konventen der Wilhelmiten, Augustiner, der Zisterzienserinnen und später der Windesheimer Augustiner in Kirschgarten, der Tertiarierinnen im Richardikonvent.100) Nur die Grabplatte des Heinrich Nikolaus Faust von Stromberg gelangte aus der Johanniterkommende in die Sammlungen des Museums (Nr. 654).

In der Mainzer Vorstadt vor dem Martinstor, im Bereich der heutigen Wonsamstraße,101) lag der lutherische Friedhof mit einer Kirche, Gottesacker-Kirche oder auch zum Armen Stephan genannt;102) mindestens seit 1562 wurden dort in einem umfriedeten Bezirk mit eigens abgeteiltem Pestfriedhof bürgerliche Personen, vor allem aber lutherische Ratsherren und ihre Familienangehörigen bestattet. Innen an der Einfriedung und außen an der kleinen Stephanskirche waren Grabmäler angebracht, denen bei dem Gewährsmann des 18. Jahrhunderts, dem Fortsetzer der Zornschen Chronik, Johann [Druckseite XXXVIII] Friedrich Meixner, Nummern für eine Liste von Abschriften beigeben sind. Aus dem Arrangement der nicht perspektivischen Skizze des Friedhofes in seiner Chronikversion muß man schließen, daß die Denkmäler, von denen nur drei dem 18. Jahrhundert angehören, ursprünglich an oder wenigstens vor eine Wand gestellt waren. Dem Aussehen von Denkmälern in der Funktion von Kopfgrabsteinen entspricht, daß sich unter den 35 Nummern erhaltener Inschriften keine körpergroßen Umschriftplatten befinden, die auf eine Einfügung im Bodenbelag von Kirchen hinweisen. Schon ab dem Ende des 16. Jahrhunderts gab es unter den betreffenden Denkmälern solche, die in der äußeren Form als Epitaphien oder Wanddenkmäler gelten könnten und doch im Freien an der Friedhofsmauer standen (vgl. unten Kap. 3.). Von alten vorstädtischen Friedhöfen der frühen christlichen Zeit in Worms stammen die ältesten der hier vorgestellten Inschriftenträger (Nr. 1-4); auch sie standen in unmittelbarstem Zusammenhang mit dem Grabplatz; dieselbe Funktion der Grabkennzeichnung muß auch den meist knappen Todesnachrichten oder reinen Namensinschriften an Außenwänden von Bauwerken zugesprochen werden, wie sie beim Dom, am Andreasstift und am Kreuzgang des Paulusstiftes sicher bezeugt sind.

Von den profanen Gebäuden der Stadt Worms, die selbst Inschriften trugen oder -träger bargen, ist in erster Linie der Gebäudekomplex von Münze, Rathaus und Bürgerhof zu nennen; die 1491 von den Münzerhausgenossen erworbene Neue Münze wurde zum städtischen Repräsentationsbau hergerichtet und mit Bildern von Kaisern und Sagengestalten opulent geschmückt. An diesem alten Gebäude und seinen Anbauten, als Ganzes das städtische Regierungszentrum, verherrlichten Fassadenmalereien Treue und Verbundenheit der Stadt mit dem Kaiser (Nr. 333, 427, 518); in den Beschreibungen und Nachzeichnungen sind einige Unstimmigkeiten erhalten, so sah Thomas Coryate vier Kaiserbüsten, Peter Hamman zeichnete sechs und sein Sohn Johann Friedrich fünf (Nr. 518);103) dabei kann das erhaltene Medaillon Kaiser Friedrichs III. gar nicht hierzu gerechnet werden. Höchsten Wert legte der Schöpfer des Programmes auf die Betonung der “Libertas” in deutlichem Antagonismus zum in Sichtweite gelegenen Bischofshof (Nr. 603) des nominellen Stadtherrn. Dieselbe Thematik begegnet bei der Widmungsinschrift für König/Kaiser Heinrich IV. am Turm der „Rheinpforte” (Nr. 334).

Die Stadtbefestigung, die ja schon früh, nämlich außen nach der schwedischen Besetzung 1632 und im inneren Ring 1689 in großen Teilen niedergelegt worden war, bietet ansonsten keine weiteren ihr eigenen Inschriften, wenn man von der Benennung der Pfauenpforte als „Warte der Wormser” (Nr. 362) absieht. In der Umgebung des Stadtmuseums im Andreasstift wurden beim Wiederaufbau nach 1945 freilich zahlreiche Grabplattenfragmente mit eingemauert. Mit Bauzahlen (Nr. 379) und knappen Bauinschriften eines Brunnens (Nr. 604) und zweier Häuser (Nr. 560, 720) ist vergleichsweise wenig an profanen Inschriften bis zum Ende des 17. Jahrhunderts überliefert, sicherlich mit eine Folge der Zerstörungen.

Zum Großherzoglich-hessischen Kreisamt des 19. Jahrhunderts war das 1718 erbaute Palais der Familie von Bettendorff, selbst an der Stelle der alten Dompropstei, umgewandelt worden; eines seiner hinteren Gebäudeteile diente bald dem Altertumsverein der Stadt Worms als Lagerungsort für Grabsteine, die entgegen alten Angaben nicht alle aus dem Dombereich stammten (vgl. Nr. 153).104)

2. 3. Beschreibung und Geschichte der wichtigsten Standorte von Inschriftenträgern in den heutigen Vororten

Im Nordwesten der Stadt liegt das ursprünglich dem Kloster Fulda gehörende Weindorf Abenheim, das wie die meisten rheinhessischen Orte erstmals im Lorscher Codex genannt ist und nach Verlehnungen an Leiningen, Nassau und Katzenelnbogen seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts in mehreren Schritten von der Familie der Kämmerer von Worms gen. von Dalberg erworben wurde, die Pfandschaften, herrschaftliche Rechte und Grundbesitz zusammenkaufte. Zentrum der neuen Ortsherrschaft wurde das von Wolff Kämmerer nach 1473 erworbene Schlößchen, das den Grundstock für das 1556 von Wolff d.Ä. (†1576) und Philipp Kämmerer (†1590) zum Amtshaus ausgebaute Gebäude bildete (Nr. 464). Die an zahlreichen Gebäuden noch vorhandenen Bauzahlen (Nr. 466) und Grenzziehungen (Nr. 565) belegen den Aufschwung des Ortes in dalbergischer Zeit. Die heutige Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert; in den Weinbergen nordöstlich des Dorfes steht noch die dem Erzengel Michael [Druckseite XXIX] geweihte sogenannte Klausenbergkapelle, deren Neubau in spätgotischen Formen durch die Jahreszahlen 1572 und 1602 fixiert ist (Nr. 501).105)

Ebenfalls alter Lorscher Besitz, kam Heppenheim an der Wiese vor 1460 an Kurpfalz und blieb dort bis zur territorialen Neuordnung der Napoleonzeit. Bautätigkeit ab der Mitte des 16. Jahrhunderts ist in zahlreichen Bauzahlen dokumentiert. Die jetzt evangelische Pfarrkirche wurde 1596/97 mit flachgedecktem Langhaus, fünfseitigem Chor, niedrigem Gratgewölbe und spätgotischen Maßwerkformen über einem Vorgängerbau errichtet und birgt noch einen alten Sarkophagdeckel (Nr. 12) und eine Pfarrergrabplatte (Nr. 303, eine weitere verlorene Nr. 348); den Neubau begleiteten umfangreiche Kirchenausmalungen, von denen nur wenige Reste erhalten blieben und die bei Renovierungen nach der Mitte des 19. Jahrhunderts um heute ebenfalls wieder verdeckte Bibelsprüche ergänzt wurden (Nr. 566).106)

Wie die vorgenannten Orte zuerst als Lorscher Besitz erwähnt, ging die Ortsherrschaft von Herrnsheim zunächst als leiningisches, dann als sponheimisches Lehen an die Kämmerer von Worms gen. von Dalberg, die durch Burgenbau und Anlage einer Ortsbefestigung Herrnsheim zu ihrem Herrschaftszentrum ausbauten. Eine spätromanische Basilika vom Beginn des 13. Jahrhunderts wurde unter der neuen Ortsherrschaft von bayerischen Steinmetzen unter der Leitung des Jakob von Landshut umgebaut, erhöht und mit Netzgewölben versehen; Langhaus und flachgedeckte Seitenschiffe befinden sich unter einem Dach. 1878 wurde ein zweites nördliches Seitenschiff angefügt, 1904/5 der Chor durch einen die gesamte Breite umfassenden Zwischenbau hinausgerückt. Schon vor dem spätgotischen Umbau der Pfarrkirche St. Peter ab etwa 1470107) war ein Angehöriger der Familie dort begraben (Nr. 264), doch nach 1483 wurde die Südkapelle (Nr. 280 zu 1478) mit dem Ursula-Altar zur Grablege des Herrnsheimer Familienzweiges, für die qualitätvolle figürliche Denkmäler, teilweise in Ergänzung von zeitüblichen Grabplatten geschaffen wurden. Lediglich drei Inschriftenträger der Kirche, für einen Pfarrer (Nr. 287) und für zwei Schultheißen-Familien (Nr. 550, 681), sind nicht mit der Familie der Kämmerer und später der Dalberg zu verbinden, von deren profanen Bauaktivitäten auch Inschriften am Schloß (Nr. 545) und Bauzahlen im Ort (Nr. 460) zeugen. Zwei Glocken (Nr. 291, 332) und die Inschriften und Wappen mehrerer Einrichtungsgegenstände (Nr. 306, 308, 320, 346) künden von dem Stiftungseifer des Ehepaares Philipp und Barbara Kämmerer (Nr. 297, 328). Zwischen 1581 und 1614 war eine der Herrnsheimer Linien lutherisch, bis mit dem Tode Eberhards unter Wolff und Wolff Friedrich sich eine katholische Dominanz wieder durchsetzte, die sich auch in der Form der Denkmäler jedenfalls der Familienangehörigen widerspiegelt (vgl. unten Kap. 3. u. 6.3.). Mit Hilfe einer jüngst über den Villinger-Nachlaß im StA Worms wiedergefundenen Handschrift, „Abriß der herrschaftlichen Epitaphien”, war es möglich, annähernd frühere Standorte von Denkmälern außerhalb der Ursulakapelle zu bestimmen; bezeichnenderweise sind in jener Zusammenstellung nur drei Grabplatten katholischer Familienmitglieder vor Altären und die aufrecht stehenden oder hängenden Denkmäler aufgenommen. Der Streit um die Konfessionshoheit, später zwischen Dalbergern, Kurpfalz und Gemeinde, überdauerte die Wirren des Dreißigjährigen Krieges, die ab 1635 die Einwohnerschaft von Herrnsheim wie so viele andere auch ins Exil nach Worms zwangen. Daher wurden schon Margaretha Kunigunde (†1626) (Nr. 664), später auch Philipp Balthasar (†1639) und seine Frau Margaretha geb. von Warsberg (†1647) (Nr. 699, 702) in der Wormser Martinskirche bestattet.108)

Als Inschriftenstandort ist Hochheim, ehemals hochstiftisches Lehen, bedeutend durch die 1278 mit bischöflicher Genehmigung erfolgte Gründung des Dominikanerinnenklosters Maria Himmelskron. Es erfreute sich großzügiger Förderung der Stifterfamilie des Dirolf von Hochheim109) und ihr verwandtschaftlich und ständisch in der Wormser ministerialen Oberschicht verbundener Familien. Bis zur Weihe von 1293 war die Klosterkirche wenigstens funktionsbereit; wohl die Zerstörungen des Städtekrieges von 1388 nötigten zu einem Neubau der Bettelordenskirche, der sich bis in die ersten Dekaden des 15. Jahrhunderts hinzog. Die flachgedeckte Halle mit neun Fensterachsen und dreiseitig geschlossenem Chor fiel nach der Klosteraufhebung von 1570 der reformierten Gemeinde als Winterkirche zu. Unter der kurpfälzischen Linie Neuburg wurde die Kirche wieder den Katholiken zurückgegeben, [Druckseite XXX] daher stammt die heutige Einrichtung vor allem aus dem 18. Jahrhundert.110) Die meisten der Grabplatten wurden nach 1950 ins Museum der Stadt Worms gebracht, einige gingen, wie alte Fotos zeigen, verloren. An Besonderheiten wies diese Grablege, die nach dem 14. Jahrhundert nur durch wenige Steine von Priorinnen, Beichtvätern und Schaffnern ergänzt wurde, außer dem redseligen Gedenkstein und Stifterdenkmal für den Gründer Dirolf (Nr. 97), häufige Wiederverwendungen, die figürliche Platte einer Nonne in Halbrelief (Nr. 100) und einen kollektiven Gedenkstein von erst 1535 für die Konventualinnen (Nr. 425) auf. Eine Reformation von 1430 durch Dominikanerinnen aus Schönsteinbach brachte zwar eine geistliche Erneuerung, konnte jedoch den langsamen wirtschaftlichen Niedergang des Klosters bis zur nach mehreren Anläufen erfolgreichen Aufhebung durch Kurpfalz 1563/1570 nicht verhindern. Außer der als katholische Pfarrkirche genutzten Bettelordenskirche gab es eine heute evangelische Pfarrkirche, die sogenannte Bergkirche, deren Krypta ins beginnende 11. Jahrhundert datiert wird; auch der romanische Turm mit Formen der Wormser Andreas-Bauhütte in den oberen Geschossen blieb erhalten, während Chor und Schiff in spätesten gotischen Formen erneuert wurden (Nr. 622).111) Auf ihrem Turm hängt auch eine der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Glocken des Wormser Bestandes (Nr. 258).112)

Zwischen Hochheim und Neuhausen lag das 1288 von Jakob Engelmann und seiner Frau Lieba gestiftete und nach ihr benannte Dominikanerinnenkloster Liebenau (St. Agnes), dessen Gebäude restlos verschwunden sind.113) Eine Gedenkplatte mit einem aus dem Testament der Stifter, die vor dem Altar begraben lagen, geschöpften Text ziert seit 1973 den alten Klosterplatz.114) Offenbar gelangte das Kloster bald zu solchem Ansehen, daß es anders als die umliegenden Frauenklöster verstärkt die Aufmerksamkeit des Hochadels am Rhein erregte; in den Listen der Priorinnen und im Kloster begrabenen Personen überwiegen zumindestens bei den inschriftlich bekannten die Töchter hoher Häuser wie der Pfalzgrafen und Herzöge von Baiern, der Grafen von Nassau, Oettingen, Württemberg und Hanau. Aus der ersten Blütezeit konnten die 1563 durch die kurpfälzische Reformation nach St. Katharinen in Freiburg vertriebenen Schwestern das Reliquiar der Grafen von Oettingen retten (Nr. 119f.).115) Beide Dominikanerinnenklöster wurden zwischen 1561 und 1563 auf Betreiben Kurfürst Friedrichs des Frommen gewaltsam geöffnet und später der kurpfälzischen Verwaltung unterstellt.116)

Zu den ältesten geistlichen Institutionen des Wormser Umlandes gehörte das Cyriakusstift in Neuhausen, das freilich im Mittelalter, obwohl außerhalb der Stadtmauern, mit den Stiften der Stadt eine enge Verbindung eingegangen war. Anstelle der Kirche einer merowingischen Pfalz, die dem hl. Dionysius geweiht war, gründete Bischof Samuel wohl 847 mit Zustimmung, richtig gar mit Unterstützung König Ludwigs d.Dt., ein dem hl. Cyriakus geweihtes Stift, dessen Königsbindung bis in die Zeit der zwischen Bistum Worms und Kurpfalz umstrittenen Auflösung gegenwärtig blieb. Die Wormser Lokaltradition kennt nur Samuel als Stiftsgründer, wenngleich die Erwähnung von Cyriakusreliquien in der Güterschenkung eines Adalbold von 823 schon in die Zeit des Bischofs Bernharius fällt und daher eine frühere Stiftsgründung vermutet wurde.117) In der kurpfälzischen Reformation war das Stift vor den Toren der Stadt zwangsweise aufgelöst worden und verlor wie andere Kirchen bei Worms, nämlich Maria Himmelskron in Hochheim und Liebenau, alle mit dem katholischen Ritus verbundenen Ausstattungsgegenstände durch Bilderstürmer.118) Die Gebäude des zuerst zu einer Fürstenschule, dann zu einem Gymnasium, schließlich Waisenhaus und bischöflich-wormsischem Amt profanierten [Druckseite XXXI] Stiftes gingen 1793 in den Revolutionswirren endgültig unter;119) aus diesem Grunde sind nur die wenigsten der überlieferten Inschriften sachgerecht und vollständig zu beurteilen. Insbesondere Datierungen von nur in oder abhängig von der Bischofschronistik bekannten Inschriften konnten nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden, da sie mangels verläßlicher Beschreibungen teilweise an Nachrichten und Umstände von knapp beschriebenen Ereignissen und Zerstörungen geknüpft sind: Zur Ermittlung von Zeitstellung oder gar wirklichen Existenz von Grabinschriften der drei in Neuhausen begrabenen Wormser Bischöfe Hildebald (Nr. 8), Adelbert (Nr. 19) und Samuel (Nr. 48) wie auch der Spruchinschriften an Portalen und Altar (Nr. 282-285) sind zureichende Indizien ebensowenig beizubringen wie für ein schlecht beschriebenes Reliquienkästchen (Nr. 5). Wie schon beim Paulusstift genügt die Überlieferung nicht, um die wenigen bekannten Grabinschriften für die Klerikergrablege zu ergänzen; in ähnlicher Weise zählte Bernhard Hertzog unter der Überschrift „Was vor adenliche und andere Geschlechter zu Neuhausen begraben ligen” in Datumsfolge Sterbenachrichten von 44 meist geistlichen Personen auf.120) Auch die geringen Abweichungen der Reihenfolge vom Kalender versagen es nicht, diese Liste als Auszug aus einem Nekrolog zu verstehen; eine Abschrift von Inschriftenträgern ist nicht anzunehmen, da diese Unregelmäßigkeiten durchaus mit einem über einen langen Zeitraum hin geführten Totenbuch vereinbar sind und außerdem zwei Geistliche, Raban von Mentzingen und Johannes Enolff(i) von Lahnstein, mit Gewißheit im Dom begraben lagen (Nr. 267, 323). Trotz der Zerstörungen des Stiftes sah Hertzog am Kirchenportal noch die gemalte Figur des Gründers König Dagobert mit dem ersten Patron Dionysius, jeweils in entsprechendem Habit, also als gekrönter Ritter mit Küraß und französischem Lilienwappen und Bischof.121) Man würde die Bilder gerne mit dem Wiederaufbau und der neuen Portalgestaltung um 1479 in Verbindung bringen, der auch verschiedene Spruchinschriften zugewiesen wurden (Nr. 282-285), allein — die Beschreibungen und die Sicherheit der Inschriftenüberlieferung reichen dazu nicht aus.

Im Westen der Stadt Worms, im weiten Tal der Pfrimm lag das 754 erstmals genannte, aber schon in merowingischer Zeit besiedelte Dorf Pfeddersheim nahe bei alten römischen Siedlungsresten. Königs- gut ebendort erhielt das Bistum Metz, private Schenkungen sind wie für fast alle Dörfer der Umgebung an Lorsch und Fulda bekannt. Die Anbindung an karolingische Hauptorte und Bildungszentren wurde dadurch verstärkt, daß die Abtei Gorze den Metzer Besitz übernahm und dann an die eigene Propstei auf dem Georgenberg übertrug. Weiteres Reichsgut und Herrschaftsrechte gelangten an die Donnersberger Geschlechter der von Bolanden, Hohenfels und Falkenstein. Das befestigte Dorf Pfeddersheim erlitt in der unsicheren Zeit der Mitte des 13. Jahrhunderts manche Unbill (Verwüstungen 1251, 1264), wurde aber offenbar so schnell wieder hergestellt, daß zwischen 1304 und 1308 durch König Albrecht I. eine Stadtrechtsverleihung nach Oppenheimer Recht erfolgen konnte. Ein ungetrübter Genuß dieser Vorrechte währte nur bis zur ersten Verpfändung 1330 an die Herren von Falkenstein, die allmählich auf immer mehr Regalien ausdehnt wurde; nach der Zersplitterung der Pfandleihe wegen der falkensteinischen Erbteilung von 1420 erwarb Kurmainz alle Pfandanteile bis 1451, verlor sie aber wieder 1465 an Kurpfalz. Der Status einer kurpfälzischen Landstadt wurde erst im Westfälischen Frieden 1648 rechtswirksam, wenngleich die Verbindungen zum Reich zuvor auf formale Bestätigungen der Rechte geschwunden waren. Im 14. Jahrhundert stand Pfeddersheim in den Reihen des zweiten rheinischen Städtebundes, dessen Heer aber vor den Toren der Stadt von Pfalzgraf Ludwig V. geschlagen wurde, und suchte danach Anschluß an die Stadt Worms; nach dem mainzischen Bischofsstreit wurde die Pfandschaft neu geregelt und seitdem teilte Pfeddersheim das Schicksal der Kurpfalz. Im bairisch-pfälzischen Erbfolgekrieg noch ungestörte Festung erlitt die Stadt dann die kurfürstliche Bestrafung für ihre Parteinahme für den Bockenheimer Bauernhaufen, dem sie die Tore geöffnet hatte. Danach folgte eine lange Zeit der wirtschaftlichen Prosperität, die sich auch in der Pflege und Verstärkung der Befestigungsanlagen zeigte, vielleicht 1553/4 und 1611, nicht schon 1511 (vgl. Nr. 459, 626), signierten Bürgermeister inschriftlich solche Arbeiten und ab der Mitte des 16. Jahrhunderts belegen Jahreszahlen (Nr. 433) den auch im übrigen Stadtgebiet so nachweisbaren Baueifer. In diese Zeit fallen auch die wenigen erhaltenen Grabinschriften, durchweg auf schlichten Steinplatten, von denen nur noch eine in der Friedhofsmauer eingelassen ist (Nr. 630); die übrigen wurden um die Kirche aufgestellt oder in deren Turmuntergeschoß geborgen (Nr. 555, 600, 643, 650 und spätere). Im Dreißigjährigen Krieg erlitt Pfeddersheim das Schicksal der Wormser Umgebung, gegenüber der großen Stadt nach 1634 verschlimmert, da es sich weniger effektiv gegen Marodeure und Besatzer wehren konnte.

[Druckseite XXXII] Eine geringe Erholung der Bevölkerungszahl, die von 1000 auf etwa 350 zurückgegangen war, stoppte dann die Pfalzzerstörung; zur Schleifung der Stadtmauer und der Türme kam es glücklicherweise nicht mehr und dem erneuten Wiederaufbau fielen abgesehen von den drei Tortürmen kaum noch Denkmäler zum Opfer.122) Von der auf romanische Fundamente zurückgehenden und gotisch umgebauten Pfarrkirche überstand nur der weitgehend noch romanische Turm die Brände; im 17. Jahrhundert evangelisch-reformiert wird die Kirche seit der Pfälzer Kirchenteilung und heute als eine der letzten simultan genutzt.123)

Keine Inschriftenträger im Bearbeitungszeitraum bergen die nördlichen Vororte Ibersheim und Rheindürkheim, verhältnismäßig wenige finden sich an der südlichen Peripherie der Stadt Worms, in Horchheim, nämlich zwei Glocken (Nr. 365, 374), zwei Bauzahlen und zwei Fragmente (Nr. 549, 715, 738), in Leiselheim Bauzahlen und der Name eines Bauherrn(?) (Nr. 439, 592a), in Pfiffligheim ebenfalls Bauzahlen (Nr. 339) und ein Herbergsspruch (Nr. 587), in Weinsheim ein Erinnerungskreuz (Nr. 418) und in Wiesoppenheim eine Kasel, ein Taufstein und eine Kelter (Nr. 412, 724, 732).124)

Überhaupt haben sich in der Stadt Worms und ihren Vororten nur verhältnismäßig wenige Bauinschriften erhalten; fühlbar macht sich der Mangel erst recht bei profanen Gebäuden, wenn man von repräsentativen Bauten absieht. Wenn Bauinformationen über Jahreszahlen hinausgehen, nennen sie meist nur Bauherren oder Verantwortliche einer Körperschaft (Nr. 343, 459, 464, 469, 542, 545, 560, 569, 583, 604, 626, 660, 674, 678, 720, 721). Ein Bild zu den Bauaktivitäten läßt sich aus den verstreuten Nachrichten allein nicht gewinnen. Zusätzliche Informationen bieten dann topographisch zusammengestellte Bauzahlen, die sich in den Vororten ab der Mitte des 16. und in der alten Stadt ab Anfang des 17. Jahrhunderts zu konzentrieren beginnen (Nr. 339, 379, 433, 439, 460, 466, 468, 529, 591). Hauptsächlich handelt es sich wohl um Neubauten an alten Siedlungsstätten. Daß die Menge und der vehemente Anstieg der Bauzahlen nicht allein auf ein in Mode gekommenes Verfahren ihrer Anbringung auf Portalen, Türbögen und Stürzen zurückzuführen ist, zeigt das Fehlen inschriftloser, aber repräsentativer entsprechender Bauteile von vor 1570 überhaupt an; ein Teil davon hätte ebenfalls die Zeiten überdauern müssen.125) Man kann also von umfangreichen Bauaktivitäten ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ausgehen; ihr wirkliches Ausmaß und die Qualität ihrer Ausführung lassen sich hingegen nicht annähernd bestimmen.

Die kirchlichen Verhältnisse in den Wormser Vororten beschreibt ausführlich das Synodale von 1496.126) Wie nicht anders zu erwarten standen die teilweise sehr alten Pfarrkirchen bezüglich Patronat, Zehnt und Baurecht in der Gewalt der Wormser Stiftskirchen oder einzelner Dignitäre; in Abenheim fiel das Patronat von Fulda an die Dalberger, in Herrnsheim von Neuhausen und in Pfeddersheim vom Georgenbergkloster an die Pfalz, die über Pfandschaften, Ortsherrschaften und Beteiligungen die Reichsstadt Worms fast umschloß.127)

  1. Illert, Reichsbedeutung; G. Wiesenthal, Das Wormser Stadtgebiet in vor- und frühgeschichtlicher Zeit mit einer archäologischen Siedlungskarte, in: Der Wormsgau 2,4 (1939) 220-233; G.M. Illert, Das vorgeschichtliche Siedlungsbild des Wormser Rheinübergangs (Der Wormsgau, Beih. 12) Worms 1952; Illert, Worms im wechselnden Spiel der Jahrtausende 9. — Die immer noch umfassendste und weitgehend gültige Darstellung zur Geschichte der Stadt Worms bei Boos, Städtekultur, und zwar von der Frühzeit bis zum Ende des 19.Jh.s. »
  2. Zorn, Chronik bei Arnold 198. »
  3. Vgl. Reisel, Monumenta et inscriptiones; Acta Wormatiensia bei Boos, Quellen III 563, Reuter, Johann Philipp Bandel; Klein, Ludwigsbahn; schon Schannat, Hist. ep. Worm. I Taf. I u. II bildete übrigens mehrere römische Grabmäler ab. »
  4. G.M. Illert, 100 Jahre Altertumsverein Worms, in: Der Wormsgau 12 (1976/78) 13-80; F. Reuter, Altertumsverein und Paulusmuseum, in: Der Wormsgau 13 (1979/81) 20-38. »
  5. O. Böcher, Weckerling — Koehl — Bonin, in: der Wormsgau 13 (1979/81) 39-44. »
  6. G.M. Illert, Worms, in: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 13 (1969) 34-41, 51-63. »
  7. Zorn, Chronik bei Arnold 13ff. »
  8. Zur römischen Vergangenheit und der kritischen Würdigung ihrer Erforschung vgl. Grünewald, Römer in Worms, passim. P. Wackwitz, Gab es ein Burgunderreich in Worms? (Der Wormsgau, Beih. 20/21) Worms 1964/65; M. Schulze-Dörrlamm, Archäologische Funde der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts n.Chr. aus Worms-Abenheim, in: Der Wormsgau 14 (1982/1986) 91-96. Heinemeyer, Erzbistum Mainz I 41ff. zur ungewissen Diözesangrenze zwischen Mainz und Worms. »
  9. Siehe auch Büttner, Frühes fränkisches Christentum. »
  10. Man geht davon aus, daß der angeblich reich beschenkten Wormser Kirche ein der benachbarten Pfalz würdiger Dom zur Verfügung stand; in der Tat wurden Reste eines fränkischen Baues unter dem heutigen Dom ergraben, vgl. unten zum Standort Dom. »
  11. Vgl. gegen eine Kontinuitätsannahme bei Büttner, Frühes fränkisches Christentum vorsichtig Heinemeyer, Erzbistum Mainz 42f.; dort auch zur glaubwürdigen Überlieferung der ersten Bischofsnamen von Mainz und Worms in Konzilsakten von Serdica (342/3) und Köln (346). Skeptisch Gierlich, Grabstätten 197. »
  12. Illert, Regesten 22 zu einer Notiz des Priesters Bertram, der in Worms an einer Kopie der Etymologien Isidors von Sevilla arbeitete, Codex Vindobonensis. »
  13. Fabry, Cyriakusstift; Villinger, Beiträge Neuhausen; vgl. unten zu Cyriakus-Reliquien schon 823 Kap. 2.3. »
  14. Gensicke, Stadtbeschreibung 49ff. »
  15. Ersterwähnungen nach Brilmayer, Rheinhessen. Eingemeindet 1898, vgl. Worms im 19. Jahrhundert, in: Von der Reichsstadt zur Industriestadt 34f.: Hochheim (1068), Neuhausen (847), Pfiffligheim (1068); eingemeindet 1942, vgl. Reuter, Worms 23: Herrnsheim (771), Horchheim (765), Leiselheim (1196), Weinsheim (804); eingemeindet 1969, vgl. Amtliches Gemeindeverzeichnis von Rheinland-Pfalz, hg. vom Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz. Bad Ems 1976, 19: Abenheim (774), Heppenheim (766), Ibersheim (766), Pfeddersheim (754/763-765), Rheindürkheim (812), Wiesoppenheim (1141). »
  16. Knappe Zusammenstellung bei Illert, Regesten 21ff. u. 28ff.; ders., Zeitgeschichte und Dombau. Ein Beitrag zur Datierung des Wormser Dombaues, in: Der Wormsgau 7 (1965/66) 10 zählte insgesamt „184 Kaiserbesuche und Hoftage, 45 Reichstage und 18 Reichskonzile”. »
  17. Haupt, Gräber im Dom 346ff. »
  18. Büttner, Bistum Worms, v.a. 21ff. »
  19. Vita Burchardi, bei Boos, Quellen III 114; K.J. Benz, Untersuchungen zur politischen Bedeutung der Kirchweihe unter Teilnahme der deutschen Herrscher im hohen Mittelalter. Ein Beitrag zum Studium des Verhältnisses zwischen weltlicher Macht und kirchlicher Wirklichkeit unter Otto III. und Heinrich II. (Regensburger Historische Forschungen 4) Kallmünz/Opf. 1975, 153-158. »
  20. Gensicke, Stadtbeschreibung 52. »
  21. Vgl. Wagner/Schneider II u. unten zur Beschreibung der einzelnen Standorte. »
  22. Vgl. allgemein R. Kottje, Zur Bedeutung der Bischofsstädte für Heinrich IV., in: HJb. 97/98 (1978) 131-157. »
  23. Teilweise behandelt bei Nr. 26; eine nützliche, aber nicht erschöpfende Übersicht bei Reuter, Kaiser- und Königsurkunden 79ff.; vgl. auch ders., Zollfreiheit und Pfeifergericht, in: AHG NF 33 (1975) 9-26. »
  24. Boos, UB I 116f. Nr. 154-156. »
  25. Vgl. ausführliche Darstellung bei Keilmann, Kampf um die Stadtherrschaft. »
  26. Vgl. Boos, Städtekultur II 25ff., 157f., 219 usw. »
  27. Eine beträchtliche Anzahl von Grabdenkmälern jener Ratsmitglieder ist vom lutherischen Friedhof erhalten geblieben und befindet sich heute meist in den Sammlungen des Stadtmuseums. »
  28. Vgl. Reuter, Worms um 1521, 54ff. »
  29. Zur Entwicklung der städtischen Oberschichten vgl. Schulz, Ministerialität als Problem, der mit Recht die ministerialische Herkunft auch der bürgerlichen Geschlechter und im 13.Jh. einen freilich nicht konsequenten Differenzierungsprozeß einerseits zum ritterbürtigen Niederadel, andererseits zum Stadtbürgertum feststellte. »
  30. Zur Entwicklung von Rats- und Stadtverfassung vgl. u.a. ebd.; Reuter, Worms um 1521; Keilmann, Kampf um die Stadtherrschaft; E. Voltmer, Ministerialität und Oberschichten in den Städten Speyer und Worms im 13. und 14. Jahrhundert, in: Wagner, Ministerialität im Pfälzer Raum 23-33; Zotz, Bischöfliche Herrschaft; H. Seider, Zur Wormser Ministerialität im Hochmittelalter, in: Ministerialitäten im Mittelrheinraum, hg. von A. Gerlich (Geschichtliche Landeskunde 17) Wiesbaden 1978, 1-19; Reuter, Worms und das deutsche Reich. »
  31. Allgemein Petry, Bedeutung von Worms; Städtetage in Zorn-Wilck (W) 681 u. 683 mit ausführlichen Listen. »
  32. Vgl. H. Boos, Die politische Lage der Stadt Worms am Ende des 15. Jahrhunderts, in: Westdeutsche ZS für Geschichte und Kunst 3 (1884) 109-119; ders., Städtekultur IV 3ff.; 1508 wurde Worms von Kaiser Maximilian I. als freie Reichsstadt bezeichnet und angenommen, vgl. Boos, Quellen III 535. »
  33. Schaab, Diözese Worms; Ph.A. Brück, Bistum und Hochstift Worms um das Jahr 1600, in: AHG NF 25 (1955) 165-182. »
  34. Zuletzt Fuchs, Katharinenkirche 154 zu entgegengesetzten Beobachtungen in Oppenheim. »
  35. Vgl. Nr. 655 den Epitaphaltar Wolff Friedrich Kämmerers für die hl. Ursula, Nr. 662 das ehemalige Gestühl in Liebfrauen, Nr. 663 die Portalvollendung an der Martinskirche. »
  36. Boos, Städtekultur IV 429ff. »
  37. [C.J.H. Villinger], Riedbewohner flüchten nach Worms. Bekannte Namen in einem Heppenheimer Bericht aus dem Jahre 1635, in: Wonnegauer Heimatbll. 2 (1957) Heft 6, Bericht des Mainzer Amtskellers in Heppenheim Heinrich Linnen. »
  38. Außer Nr. 714-716, 718f. vgl. auch S. Eidelberg, Das Minhagbuch von Juspa Schammes, in: Der Wormsgau 14 (1982/86) 21-30, hier 28 u. Zorn-Meixner fol. 316, der die Verluste auf 1000 Opfer schätzte, darunter fünf Angehörige des Dreizehnerrates und zwei der drei Pfarrer. »
  39. K. v. Raumer, Die Zerstörung der Pfalz von 1689 im Zusammenhang mit der französischen Rheinpolitik. Bad Neustadt a.d.S. 21982. Reiches Zeugnis für Worms geben Canstatt, Drangsale u. F. Soldan, Die Zerstörung der Stadt Worms im Jahre 1689. Worms 1889 aus Johann Friedrich Seidenbänders „Wahrhafftige aber traurige Erzehlung ...”, Lisii alias Schippels „Der Wormser Freud verkehrt in Leid ...” u. Johann Georg Meckels „Kurtze Vorstellung des Heiligen Reichs Freyen = Stadt Wormbs Anfang ...”; außerdem das Tagebuch des Dekans an St. Martin Petrus Dorn, vgl. Como, Protocollum cotidianum u. zusammenfassend sowie ergänzend O. Böcher, Worms im Schreckensjahre 1689, in: Der Wormsgau 10 (1972/73) 56-59; H.-D. Hüttmann, Untersuchungen zur Verfassungs-, Verwaltungs- und Sozialgeschichte der freien Reichsstadt Worms, 1659-1798 (Der Wormsgau, Beih. 23) Worms 1970; Reuter, Hamman, bes. 68ff. mit Zeichnungen der beiden Hamman zu Stadtansichten des zerstörten Worms; Gedenkreden in: Es geschah am 31. Mai 1689. Worms 1989. »
  40. Nach Reuter, Hamman 14 von 7000 am Anfang des 17.Jh.s auf etwa 4000 in der Mitte, nach weiteren Verlusten der Epidemie 1666 und einer Erholungsphase lebten dann nach 1689 noch knapp 1000 Menschen in den Trümmern. »
  41. Hallungius, Register fol. 4v; vgl. auch W. Müller, Die Kriegsschadenberechnung des Wormser Bistums vom Jahre 1698, in: AHG NF 13 (1922) 322-333, Reuter, Hamman 21ff. »
  42. Von Hotz, Dom 144 dem Tafelbild ehemals im südlichen Seitenschiff zugeordnet, Zitat bei Falk, Bildwerke 22 Anm. 2; Unversehrtheit des Sakramentes nach einem Brand wurde 1435 in Partenheim inschriftlich verewigt, vgl. Falk, Heiliges Mainz 264f. »
  43. Reuter, Hamman 22f. »
  44. Von der Wiederaufbauleistung zeugen Bauzahlen und Hausinschriften, vgl. Mattes, Lateinisches Worms 325ff., Reuter, Worms. »
  45. Reuter, Worms 10-12; Akten zu Zerstörung und Abriß bei Kranzbühler, Verschwundene Wormser Bauten 143ff.; E. Zotz, Aktenmäßige Zusammenstellung der in den Jahren 1803-1810 versteigerten Nationalgüter Stadtbezirk Worms ohne Vororte, in: Der Wormsgau 1,5 (1928) 143-168. »
  46. Reuter, Worms 12-14. »
  47. K.D. Hoffmann, Die Geschichte der Provinz und des Regierungsbezirkes Rheinhessen, 1816-1985. Alzey 1985 mit weiterführender Literatur. Die denkmalpflegerischen Aktivitäten von Georg Moller wurden mit der hessen-darmstädtischen Denkmalverordnung von 1818 auf eine rechtliche Grundlage gestellt, die jedoch angesichts der Menge der drängenden Aufgaben nicht überall eine Rettung von Denkmälern gewährleistete. Man vgl. für benachbarte Gebiete G. Dolff-Bonekämper, Die Entdeckung des Mittelalters. Studien zur Geschichte der Denkmalerfassung und des Denkmalschutzes in Hessen-Kassel bzw. Kurhessen im 18. und 19. Jahrhundert (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 61) Darmstadt und Marburg 1985. »
  48. Reuter, Worms 17ff.; ders., Worms im Bombenkrieg und die Zerstörung der Stadt im Frühjahr 1945, in: Der Wormsgau 14 (1982/86) 61-88. »
  49. StA Worms Neg.Nr. F 2926/1ff. »
  50. Schalk, Grabsteine. »
  51. Eine gute Übersicht zu Inschriftenstandorten auf den heutigen Stadtplan übertragen findet sich bei Illert, Worms; Reuter, Hamman 26f. »
  52. Die Nikolauskapelle, erst 1930 nach der großen Domrestaurierung wieder geweiht, mußte nach 1945 erneut aufgebaut werden. »
  53. Zu den Grabungsbefunden und Vorgängerkirchen vgl. das große Domwerk, Kautzsch, Dom, Abschnitt II-IV, zur älteren verspäteten, aus elsässischen Vorgängerbauten abgeleiteten Datierung Kautzsch, Geschichte und Würdigung. Nach der neuesten naturwissenschaftlichen Absicherung erübrigt sich die Diskussion des Streites, obwohl beileibe bisher nicht alle Vorgänge, etwa Richtung und Tempo der Bauabfolge, widerspruchsfrei geklärt werden konnten. I. Spille, Neuentdeckungen zur Datierung des Wormser Domes, in: Der Wormsgau 13 (1979/81) 106-112; E. Hollstein, Neue Bauholzdaten des Wormser Domes, in: Neues Jb. f.d. Bistum Mainz 1981. Mainz 1982, 125-134; Hotz, Dom; v. Winterfeld, Dom; die beiden letztgenannten Arbeiten besprach und ergänzte Großmann, Baugeschichte. »
  54. v. Winterfeld, Worms, Speyer, Mainz. »
  55. Außer den oben zitierten Werken von Kautzsch, Hotz und v. Winterfeld auch Hotz, Bedeutung des Domes zu Worms; Kranzbühler, Domkreuzgang 94 u. C.J.H. Villinger, Der geopferte Domkreuzgang, in: Wonnegauer Heimatbll. 12, 4 (1967) 1f. mit ungenauem Holzschnitt zu Abbrucharbeiten. »
  56. Domkapitelsprotokoll mit Zitat abgedruckt bei Kranzbühler, Domkreuzgang 93. »
  57. So stellte Wickenburg II 164 im 18.Jh. fest: „In ipsa ecclesia cathedrali paucae inveniuntur inscriptiones et epitaphia,...”. »
  58. Teilweise kennzeichnen moderne Platten mit entsprechenden Daten die Grabplätze. »
  59. W.M. Becker, Wo ist das Wormser bischöfliche Archiv geblieben?, in: Der Wormsgau 1,9 (1932) 364f. vermutet seinen weitgehenden Verlust durch den Brand der Mainzer Dominikanerkirche, des Flüchtungsortes, von 1793 verursacht. »
  60. F. v. Weech, Das Wormser Synodale von 1496, in: ZGO 27 (1875) 227-326 u. 385-454; Büttner, Bistum Worms; Schaab, Diözese Worms. »
  61. Hotz, Bauschule; v. Winterfeld, Worms, Speyer, Mainz. »
  62. Hertzog, Beschreibung, passim erwähnt immer wieder solche, ohne Begräbnisse anzuzeigen. »
  63. Zu den Arbeiten M. Grünewald, Die Ausgrabungen an der Stiftskirche St. Paul in Worms, 1987-1989. Ein vorläufiger Bericht, in: Wormser Monatsspiegel Mai und Juni 1989, 8-11, 8-10. »
  64. Wickenburg II 152. »
  65. A. Tschirner, Die Pauluskirche und ihre Wiederherstellung I, in: Wormser Zeitung vom 2. Oktober 1928 u. [J.] Gerlach, Die Wiederherstellungsarbeiten, in: Festschrift zur Wiederweihe der Pauluskirche am 16. Mai 1929. Worms 1929, 11f. »
  66. 1428 Propst Heinrich Katzmann, 1438 Kanoniker Johannes Sobernheim, 1436 Ratsherr Johannes zum Kälblein, 1409 Praebendar Wigand Geylnhausen, 1416 Kustos Richer Bonne, vgl. Hertzog, Beschreibung I 2 fol. 245; vgl. auch unten bei Neuhausen, beide Male mit dem Formular von Umschriftplatten vereinbare Texte, aber in Kalenderreihenfolge und hier bei den beiden Erstgenannten auffällig und für Grabinschriften unwahrscheinlich die explizite Nennung des Stiftes statt der typischen Grabplattenformel huius ecclesiae»
  67. Bauer, Baugeschichte Pauluskirche. »
  68. Vgl. Nr. 34f., 47, Bauer, Baugeschichte Pauluskirche 10ff. u. Hotz, Wormser Bauschule 205ff.; neue Ansätze für die Kirchturmbekrönungen bei H. Hofrichter, Steinerne Kirchturmbekrönungen in der ehemaligen Diözese Worms. Mit einem Nachwort von Wilhelm Weber. Eltville a.Rh. 1984. »
  69. Spille, Meerweibchenstein. »
  70. Die Eigentümlichkeit des Inschriftenbandes, undatierte Inschriften an das Ende des angegebenen Zeitraumes zu setzen, mag hier einige Verwirrung stiften, da ins zweite Drittel des 13. Jahrhunderts datierte und daher nach 1266 plazierte Inschriften theoretisch bis 1233 vorgezogen werden könnten. »
  71. Vgl. F.M. Illert, Stadtbibliothek und Stadtarchiv 1926-1928, in: Der Wormsgau 1,6 (1929) 211f. u. Eröffnung des Museums der Stadt Worms, in: Wormser Zeitung vom 25. Juni 1930 zum 1. Juli 1930. »
  72. Zu Baugeschichte und Inschrift vgl. Böcher, St.-Andreas-Stift, bes. 8f. sowie Metzler, Wiederherstellung. »
  73. Vgl. Hüther, Geschichte der Magnuskirche; Reuter, Pfarrkirche 39ff. »
  74. Vgl. Kranzbühler, St. Martin, RI II,3 1043, 1043/I, 1482; MGH DO. III. 428, unten Nr. 67. »
  75. Nachweise gesammelt bei Kranzbühler, St. Martin 11ff. »
  76. Zur Bau- und Stiftsgeschichte vgl. ebd.; Como, Kollegiatstift St. Martin; Reuter, Grabsteine; Böcher, St. Martins-Kirche u. Hotz, Wormser Bauschule 201ff.; eine Frühdatierung auf den Anfang des 13.Jh.s bei Spille, Meerweibchenstein, wie oben zum Paulusstift, ist bisher nicht ausreichend gewürdigt worden. »
  77. Vgl. Reuter, Grabsteine. »
  78. Nach der Frühdatierung von Werken der Wormser Bauschule bei Spille, Meerweibchenstein auf ca. 1200 zu setzen; siehe oben zu vergleichbaren Namen am Westwerk der Pauluskirche. »
  79. Vgl. Fuchs, Katharinenkirche 132ff. Damit soll keineswegs eine Regelhaftigkeit angedeutet werden; in erster Linie wird gar nicht die Stiftsgründung, sondern die damit verbundene Bauerweiterung für die Überlieferung von Inschriften maßgeblich sein, und zwar für Bauinschriften aus gegebenen Anlaß wie auch für Grabinschriften, weil dann oft erstmals entsprechende Räumlichkeiten vorhanden waren. »
  80. Zur Baugeschichte allgemein Bender, Liebfrauenkirche. »
  81. StA Worms, Neg.Nr. M 9787f.; Beiblätter zu Ihm, Pfarrchronik, Lagepläne von Bauunternehmer Philipp Huth; eine Übertragung der Lageskizze auf einen Kirchengrundriß bei Schalk, Gräber 200; hier Nachzeichnungen der Aufnahmen Huths. »
  82. Zur Baugeschichte und Nachweisen vgl. Kranzbühler, Verschwundene Wormser Bauten 16ff.; außerdem F. Arens/O. Böcher, Studien zur Bauplastik und Kunstgeschichte der Johanniskirche zu Worms, in: Der Wormsgau 5 (1961/62) 85-107 zu Resten v.a. im Stadtmuseum; A. Verbeek, Die architektonische Nachfolge der Aachener Pfalzkapelle, in: Karl der Große. Das Nachleben Bd. 4. Düsseldorf 1967, 113-156; mit Kranzbühler gegen Arens/Böcher bestreitet eine Baptisteriumsfunktion W. Götz, Zentralbau und Zentralbauten- denz in der gotischen Architektur. Berlin 1968, 58f.; die Unabhängigkeit von Form und Funktion als Pfarrkirche betont M. Untermann, Der Zentralbau im Mittelalter. Form — Funktion — Verbreitung. Darmstadt 1989, bes. 237f. »
  83. Kranzbühler, Verschwundene Wormser Bauten 80ff. »
  84. Ebd. Abb. 32. »
  85. Eine 1602 erneuerte „inscriptio tabulae membraneae” zur Konventsgründung sah Helwich, Syntagma 21: „Anno Dominicae incarnationis M.CC.XXVI. Pontificatus Greorii (sic!) IX. anno III. ad vnius veri Trinique Dei cultum incessabilem Crucifixi, ast Domini Jesu gloriam laudemque perennem, diui nostri patris sacri praedicatorum ordinis institutoris Dominici honorem perpetem hic chorus atque conuentus fratrum studio operoso erigi coepit, consummatusque sub Beatae M. Magdalenae patrocinio commendari foeliciter. A transitu B. Dominici patris nostri anno V” — „De hoc habentur literae patentes in deposito Conuentus; renouata est haec tabula anno 1602.” Da der Text einen altertümlichen Eindruck macht, könnte es sich sogar um die Abschrift einer ursprünglich inschriftlichen Fassung jedoch unbekannter Zeitstellung gehandelt haben, der der letzte Satz 1602 angefügt wurde. Mindestens jedoch gehörte die Tafel in die Reihe von Denkmälern der historischen Rückbesinnung, vgl. Kap. 7. »
  86. Kranzbühler, Verschwundene Wormser Bauten 86ff. u. Reuter, Worms um 1521, S. 45. »
  87. Kranzbühler, Verschwundene Wormser Bauten 88ff. »
  88. Weckerling, Grabdenkmäler 232 Nr. 6f. »
  89. Vgl. Monsees, Entwicklung und Typologie. »
  90. Wagner/Schneider II 164ff.; Kranzbühler, Verschwundene Wormser Bauten 104ff.; F.M. Illert, Das Ende von Maria-Münster, in: Der Wormsgau 1,1 (1926) 16-21; zu Erwähnungen von Begräbnissen vgl. auch unten Kap. 9.2. »
  91. Milendonk, Chronicon Carmelitorum fol. 374ff. »
  92. Wagner/Schneider II 241ff.; Kranzbühler, Verschwundene Wormser Bauten 98ff. »
  93. Wagner/Schneider II 235ff.; Kranzbühler, Verschwundene Wormser Bauten 94ff. »
  94. Kranzbühler, Verschwundene Wormser Bauten 117ff. »
  95. Ebd. 122 u. Nr. 300»
  96. Ebd. 70ff. »
  97. Ebd. 64f.; Gensicke, Kapelle St. Kilian. »
  98. H. Huth, Die franziskanischen Niederlassungen in Worms, in: Alemannia Franciscana antiqua 18 (Landshut 1973) 243-282; der Niedergang des Klosters und seine Umwandlung in eine Lateinschule nach 1527 lagen vor der Zeit weitgestreuter Inschriftenabschriften. »
  99. Zu den verlorenen Kirchenbauten immer noch unverzichtbar Kranzbühler, Verschwundene Wormser Bauten. »
  100. Vgl. Plan bei Reuter, Hamman 26f. u. Karte von 1860 bei F. Reuter, Worms — ehemals, gestern und heute, in: Wormser Monatsspiegel vom Mai 1985, 8. »
  101. Kranzbühler, Verschwundene Wormser Bauten 62f., 137f. »
  102. Die Abbildung der zerstörten Münze zeigt Teile der Kaiserreliefs auf den Schuttbergen, vgl. Reuter, Hamman 74f. Nr. 11. »
  103. Kdm. Worms 266f.; Reuter, Worms 42f. »
  104. Reuter, Silberne Lilien 42ff. »
  105. Schmitt, Heppenheim 171ff. »
  106. Fischer, Kirchenbaukunst 144ff; das oft genannte Enddatum von 1490 wird man mit der neugefundenen Jahreszahl 1498 (Nr. 280) präzisieren müssen. »
  107. Zur Ortsgeschichte Bardong, Harlesheim. »
  108. Zur Person vgl. Gensicke, Ritter Dirolf u.v.a. Nr. 58, 97, 104; Schenkungen bei Wagner/Schneider II 61ff. aufgelistet. »
  109. Böcher, Kirchen St. Peter und Maria Himmelskron. »
  110. D. Weirich, Die Bergkirche zu Worms-Hochheim und ihre Krypta. Ein Beitrag zur Baugeschichte des frühen Mittelalters, insbesondere zur Frage der Herkunft und Bedeutung vierstütziger Krypten (Der Wormsgau, Beih. 13) Worms 1953 u. Literatur bei Nr. 622.; allgemein Böcher, Kirchen St. Peter und Maria Himmelskron. »
  111. Böcher, Kirchen St. Peter und Maria Himmelskron; Johannes, Wormser Heimat. »
  112. F.M. Illert, Die Ausgrabungen im Liebenauer Klostergebiet, in: Der Wormsgau 1,9 (1932) 354-359. »
  113. Mattes, Lateinisches Worms 333 Nr. 15. »
  114. Como, Bilder aus Kloster Liebenau; Illert, Liebenau. »
  115. Falk, Bilder aus der kurpfälzischen Reformationsperiode 50-62; instruktive Zeugnisse auch bei C. Büttinghausen, Beyträge zur Pfälzischen Geschichte II. Mannheim 1782, 356-383. »
  116. So und wegen Benutzung des Markulf-Formulars für die Echtheit der Urkunde eintretend P. Classen, Bemerkungen zur Pfalzenforschung am Mittelrhein, in: Deutsche Königspfalzen I. Beiträge zu ihrer historischen und archäologischen Erforschung (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 11,1) Göttingen 1963, 75-96, nach J. Fleckenstein (Hg.), Ausgewählte Aufsätze von Peter Classen (Vorträge und Forschungen 28) Sigmaringen 1983, 484ff. »
  117. Villinger, Beiträge Neuhausen, bes. Regest Nr. 234; Fabry, Cyriakusstift 13-29. »
  118. Wagner/Schneider II 426ff. »
  119. Böhn, Totenbuch. »
  120. Hertzog, Beschreibung I 2 fol. 247; Böhn, Totenbuch 87. »
  121. Alter, Pfeddersheimer Geschichte; ders., Studien Pfeddersheim; Spille, Worms-Pfeddersheim. »
  122. Spille, Worms-Pfeddersheim. »
  123. Wichtigste Daten bei Brilmayer, Rheinhessen; Schmitt, Geschichte von Horchheim; Villinger, Gemeinsame Geschichte; Heuser, Horchheim; Johannes, Wormser Heimat. »
  124. Auskunft von Dr. Irene Spille, Bearbeiterin der Denkmaltopographie Worms. »
  125. Weech, Synodale. »
  126. Vgl. Brilmayer, Rheinhessen u. H. Meyer, Topographie der Diözese Worms im Mittelalter, in: AHG NF 17 (1932) 1 - 92. »