Inschriftenkatalog: Stadt Wiesbaden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 51: Wiesbaden (2000)

Nr. 126 Wiesbaden-Biebrich, Ev. Hauptkirche 1700

Beschreibung

Epitaph des Pfarrers Gottfried Martin Weinrich und seiner Ehefrau Cornelia Sara, geb. Bader, ehemals außen an der Südwand der Kirche angebracht, heute in der Turmhalle. Die Tafel aus grauem Marmor zeigt im Feld die 16zeilige Grabinschrift (A) für das Ehepaar und das vierzeilige Bibelzitat (B); darüber im Giebel ein Kruzifix mit Titulus (C) und das Relief des Verstorbenen im Gebetsgestus am Kreuzfuß. Unten zwei Wappen. Worttrenner fehlen in (A), bei (C) sind es kleine Dreiecke.

Maße: H. 148, B. 83, Bu. 2 (A, B), 1,4 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 51, Nr. 126 - Wiesbaden-Biebrich, Ev. Hauptkirche - 1700

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Yvonne Monsees) [1/2]

  1. A

    DER WEILAND WOHL EHRWÜRDIG / UND WOHL GELAHRTE HERR GOTTFRIED / MARTIN WEINRICH GEWESENER DIACONUS ZU / MEHRNBERG IM WEYLBURGISCHEN 5 IAHR / DIACONUS ZU MOSBACH 4 IAHR / PFARRER ZU WEHEN 5 IAHR / PFARRER ZU MOSBACH 6 IAHR / IST GEBOHREN ZU WEYLBURG ANNO 1660 DEN / 20 FEBRUAR EHLICH VERTRAUET MIT FRAU / CORNELIA SARA GEBOHRNE BADERIN / ANNO 1689 / VERWALTET TREULICH SEIN PREDIGAMPT 20 IAHR / LEBTE IM EHESTAND 10 IAHR UND 10 MONAT / IST IN IESU SELIG ENTSCHLAFFEN ZU MOSBACH / ANNO 1700 DEN 26 MERTZ SEINES ALTERS 40 IAHR / UND 5 WOCHEN

  2. B

    LEICHEN TEXT ROM 5 V 1 / NUN WIR DANN SIND GERECHTS WORDEN DURCH / DEN GLAUBEN SO HABEN WIR FRIEDE MIT GOTT / DURCH UNSERN HERRN JESUM CHRIST1)

  3. C

    I(ESUS) · N(AZARENUS) · R(EX) · I(UDEORUM)2)

Wappen:
Weinrich3); Bader4).

Kommentar

In Stil, Schrift und Material des Denkmals bestehen große Ähnlichkeiten zu dem Epitaph des 1693 verstorbenen Mosbacher Pfarrers Christoph Wittig und seiner Ehefrau Margaretha Katharina (Nr. 119). Ziffern, G mit eingestellter, R mit geschwungener und sehr steil gestellter Cauda sowie wechselnde Länge des Mittelteils von M stimmen gut überein; hier sind die oberen Balken des E viel kürzer und das S nicht nach rechts geneigt.

Gottfried Martin Weinrich wurde 1660 als Sohn des Weilburgischen Amtsverwesers in Löhnberg Peter Weinrich in Weilburg geboren; verwandtschaftliche Beziehungen bestanden wohl auch zu dem Weilburger Kanzleirat Lic. jur. Johann Casimir Stephani.5) Weinrich war 1678 in Gießen immatrikuliert, 1680 bis vor 1684 Diakon in Merenberg6), 1684-88 Diakon in Mosbach und Biebrich. Von 1688 bis 1694 versah er die Pfarrstelle in Wehen7) und wurde 1694 Hofprediger zu Wiesbaden. Im selben Jahr wurde er auch Nachfolger des nach sechs Wochen Amtszeit verstorbenen Magisters Georg Koch in Mosbach.8) Während seiner Tätigkeit als Pfarrer in Mosbach wurde ein neues Pfarrhaus errichtet, das heutige Gasthaus „Diltheyschänke“ (Nr. 121). Die Eheschließung mit seiner Frau Cornelia Sara Bader,9) einer Tochter des Ottweiler Pfarrers Johann Balthasar Bader, erfolgte 1689. Ihr Bruder Johann Balthasar starb am 15. Januar 1697 und wurde auf dem Alten Friedhof in Wiesbaden bestattet.10) Sie überlebte Pfarrer Weinrich um 32 Jahre und starb am 19. Juli 1732 in Wiesbaden.

Anmerkungen

  1. Röm 5,1.
  2. Nach Joh 19,19.
  3. Ein Mann mit Weinrebe.
  4. Ein steigender Hund.
  5. Freundl. Hinweise von Dr. Hellmuth Gensicke vom 5. August 1999, auch zum Folgenden. Gensicke bezeichnet die Mutter des Pfarrers Weinrich als Tochter des Lic. iur. Stephani.
  6. Lkr. Limburg-Weilburg.
  7. Rheingau-Taunus-Kr., Stadt Taunusstein.
  8. Vgl. Ecclesia in Mussebach 61.
  9. Hinweis Gensicke, wie Anm. 5; als Taufpatin 1694 belegt, vgl. Stern/Stern, Die ältesten Biebricher-Mosbacher Kirchenbücher 71 Nr. 18.
  10. Vgl. Herrmann, Gräber 8f., vgl. Einleitung Kap. 6.

Zitierhinweis:
DI 51, Wiesbaden, Nr. 126 (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di051mz05k0012603.