Inschriftenkatalog: Stadt Wiesbaden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 51: Wiesbaden (2000)

Nr. 117 Wiesbaden-Schierstein, Ev. Christophoruskirche (aus ehem. Ev. Pfarrkirche) 1690

Beschreibung

Namen als Stifterinschrift und Jahreszahl auf Kelch. Der über der Wölbzone gestufte Sechspaßfuß trägt einen schlanken, sechsseitigen Schaft mit mehrfach gestuftem, vertikalem sechsseitigem Nodus und eine glatte Kuppa. Silber. Auf der Wölbzone eingravierte Namensinschriften des Stifterehepaares Martin Rasor und seiner Ehefrau Maria Margaretha (A, B), darüber kleine Vollwappen, bei denen die Tinktur durch entsprechende Schraffur angezeigt wird. Zwei Frankfurter Beschauzeichen1) auf der Fußplatte unterhalb der Inschriften.

Maße: H. 22, Dm. 10 (Kuppa), 15,3 (Fuß), Bu. 0,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 51, Nr. 117 - Wiesbaden-Schierstein, Ev. Christophoruskirche (aus ehem. Ev. Pfarrkirche) - 1690

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. A

    MARTIN(VS)a) RASOR · D(OMINVS)b) / VND · SYNDIC(VS) · ZU / FRANCKFURT / Anno 1690a)

  2. B

    MARIA · MARGARETHA / GEBOHRNE · PFLEGERIN / GENANT BURCKHARDTINc)

Wappen:
Rasor2); unbekannt3).

Kommentar

Der Stifter gehörte als Syndicus zum Frankfurter Stadtrat, der seit Beginn des 16. Jahrhunderts zunehmend gelehrte, römisch-rechtlich geschulte Juristen zu Regierungsaufgaben herangezogen hatte, die in der Folgezeit als Syndici oder Stadtschreiber Einfluß auf die Ratspolitik gewonnen hatten.4) Seit 1743 durfte der Syndicus mit anderen Ratsmitgliedern sogar den Titel eines wirklichen kaiserlichen Rates führen.5)

Ein Zweig der Familie Rasor erwarb 1676 das Frankfurter Bürgerrecht.6)

Textkritischer Apparat

  1. Am Textbeginn und Textende ein Schmuckmotiv.
  2. Kein Kürzungszeichen vorhanden.
  3. Am Textende ein Schmuckmotiv.

Anmerkungen

  1. Frankfurter Stadtzeichen: gekrönter Adler mit offenem Flug, vgl. Rosenberg, Goldschmiede 79 Nr. 1996ff., Scheffler, Goldschmiede 54 Nr. 123; ein kapitales M, ebenfalls Frankfurter Zeichen, wie es auch auf zwei Kelchen von 1692 und 1702 nachgewiesen ist, vgl. Rosenberg, Goldschmiede 87 Nr. 2042, Scheffler, Goldschmiede 55 Nr. 165.
  2. Schild quadriert von Blau und Silber, belegt mit zwei ins Andreaskreuz gelegten Hacken, oben und unten ein Kleeblatt; Hz.: offener Flug mit Kleeblatt.
  3. Pfleger oder Burckhardt: geteilt von Blau und Rot, oben eine Hausmarke (Taf. 33 Nr. 13), unten ein achtstrahliger Stern.
  4. Vgl. Bund, Frankfurt 112.
  5. Duchhardt, Frankfurt 281.
  6. Vgl. Siebmacher, Bürgerliche Wappen V, 2 20 und Taf. 35.

Zitierhinweis:
DI 51, Wiesbaden, Nr. 117 (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di051mz05k0011704.