Inschriftenkatalog: Stadt Wiesbaden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 51: Wiesbaden (2000)

Nr. 116 Wiesbaden, Museum (aus ehem. Mauritiuskirche) 1689

Beschreibung

Grabplatte des Johann Benjamin Hennequin. Hochrechteckige Platte aus schwarzem Marmor, oben Vollwappen in Zweigen, darunter Inschrifttafel mit vierzeiligem Totenlob (A), 12zeiliger Grabinschrift (B) und Jesusmonogramm (C). Die Tafel wird oben von einem geflügelten Engelskopf, unten von einem geflügelten Totenschädel begleitet. Als Worttrenner dienen Punkte und Dreiecke.

Maße: H. 188, B. 94, Bu. 2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 51, Nr 116 - Wiesbaden, Museum (aus ehem. Mauritiuskirche) - 1689

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. A

    PRO / DEO, CAESARE ROMANO · ELECTORE MOGVNTINO · ET · / PATRIA GENEROSE, PVGNAVIT · ET GLORI=/OSE OCCVBVIT

  2. B

    ANNO · MDC · LXXXVIIII DEN 6TEN / (SEP)TEMBRISa) IST DER WOHL EDLE VND / GESTRENGE HERR IOHAN BENIAMIN / HENNEQVIN RÖMI(SCH) KAYSE(RLICHER) MAIE(STÄT) VND / CHVRFVRSTLICHE : MAINZI(SCHER) GEWESEb) / OBRISTWACHTMEISTER VND COMMENDANT / ZV KONIGSTEIN IN DEM HAVPT STVRM / VOR MAINTZ MIT EINER MVSQVETENKVG=/EL DVRCHS HERTZ ERSCHOSSEN VND / AVF MARIAE GEBVRT IN DIESEM GOTTES/HAVS BEGRABEN WORDEN · GOTT GEBE / DER SEEL DIE EWIGE RVHE AMEN

  3. C

    IH(ESV)Sc)

Übersetzung:

Für Gott, den römischen Kaiser, den Mainzer Erzbischof und das Vaterland kämpfte er edelmütig und starb ruhmreich.

Wappen:
Hennequin1).

Kommentar

Die Inschrift ist sauber ausgeführt. Sie zeigt M mit fast zur Grundlinie gezogenem Mittelteil, R mit stark hochgebogener Cauda, ein Q, bei dem die geschwungene Cauda auf halber Buchstabenhöhe den rechten Bogen durchschneidet, und S ohne Serife am unteren Bogenende, also gewisse Ähnlichkeiten zur Schrift des Diesenbergschen Denkmals (vorherige Nr.). Die erste Zeile des lateinischen Textes füllt die gesamte Breite des Inschriftfeldes, ab PATRIA stehen alle übrigen Zeilenanfänge eingerückt und linksbündig untereinander.

Zur Rückeroberung des von Franzosen besetzten Mainz zogen sich die zur Belagerung bestimmten alliierten Truppen im Juli 1689 vor Mainz zusammen. Entgegen der Angabe der Inschrift begann der Sturmangriff am Nachmittag des 7. September.2) Allerdings fiel auch der kaiserliche Regimentskommandeur Karl Adam von Lamberg am 6. September.3) Das Wiesbadener Kirchenbuch verzeichnet viele Todesfälle und auch Begräbnisse von Personen, die wegen der Belagerung von Mainz in Wiesbaden einquartiert waren, seien es Flüchtlinge, Offiziere oder deren Familienangehörige.4)

Textkritischer Apparat

  1. Befund: 7TEMBRIS.
  2. Sic!
  3. Über dem Balken des H ein Kreuz.

Anmerkungen

  1. Ein Turm, begleitet von 2 Sternen, aus seinem Fuß eine Blume mit drei Ästen und drei Blüten wachsend.
  2. Darapsky, Mainz 57f.
  3. Arens, Mainzer Inschriften I Nr. 1679.
  4. Vgl. Stern/Stern, Wiesbadener Kirchenbuch 225ff.

Nachweise

  1. Roth, Geschichte Wiesbaden 283.

Zitierhinweis:
DI 51, Wiesbaden, Nr. 116 (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di051mz05k0011606.