Inschriftenkatalog: Stadt Wiesbaden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 51: Wiesbaden (2000)

Nr. 110 Wiesbaden, Museum (vom ehem. Mauritiusfriedhof?) 1670

Beschreibung

Grabstein oder Epitaph des Heinrich Claus, heute SNA in den Schausammlungen am Kellerabgang ausgestellt.1) Platte aus rotem Sandstein, im von einer Linie begrenzten kreuzförmigen Feld 10zeilige Begräbnisnachricht (A) und vierzeiliges Bibelzitat (B). Obere rechte Ecke abgebrochen, außerhalb der Linie auf dem breiten Rand spätere Grafitti; Worttrenner sind schrägrechtsgestellte kleine Striche.

Maße: H. 91, B. 73, Bu. 1,9-4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 51, Nr. 110 - Wiesbaden, Museum (vom ehem. Mauritiusfriedhof?) - 1670

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. A

    ANNO 1670 DEN / 15 IVNNI IST HIER BEGRAB/EN HERR HENRICH CLA/VSENa) GEBVRTIG VON / HOFF GEISMAR GEWESEN / BACKSCHREIBER AM FVRST/LICHEN HESCHENb) CASLIS/HENc) HOFF SEINES ALTERS / 55 IAHREN 9 MONATH DESEN / SEEL GOTT GENADIG SEIIE

  2. B

    APOCAL(YPSE) · C(APITEL) · 14 · V(ERS) · 13 · / SELIG SEIN DIE DODEN / DIE IN DEM HERREN / STERBEN VON NVHN [AN]2)

Kommentar

Jeder einzelne Wortanfang wird durch überhöhte Versalien gekennzeichnet. Die ersten vier Zeilen sind mit größeren Buchstaben als die folgenden geschrieben. Die Kapitalis ist ohne Auffälligkeiten, E zeigt bis auf wenige Ausnahmen einen verlängerten oberen Balken; S ist fallweise leicht nach rechts geneigt. Der Schaft der Jahreszahl 1 ist unten gespalten und leicht nach oben gebogen. In Typ und Schriftform gleicht diese Platte mehreren zeitnahen Gruftplatten im Mainzer Dom.3)

Der zu den niederen Hofämtern gehörende Backschreiber war für die Rechnungsführung der fürstlichen Hofbäckerei zuständig, vergleichbar dem Amt des Küchenschreibers.4) Ein Heinrich Claus erwarb im Jahre 1653 das Kasseler Bürgerrecht, seine Witwe Anna Gertrud Starck wurde nach ihrem Tod am 7. April 1682 als „Henrich Clausen Backschreibers Relicta“ bezeichnet.5) In den Dienerbüchern des Hofes in Kassel ist Heinrich Claus jedoch nicht verzeichnet.6)

Textkritischer Apparat

  1. L klein in Bogen des C eingefügt.
  2. Sic! für HESSISCHEN.
  3. Sic! für CASSELISCHEN.

Anmerkungen

  1. Inv.-Nr. 92.
  2. Offb 14,13.
  3. Vgl. Arens, Mainzer Inschriften I Nrr. 1639, 1641, 1646.
  4. Freundl. Hinweis Dr. Lachmann, HStAMR vom 10. Dezember 1999.
  5. Vgl. Casseler Bürgerbuch 68, 164.
  6. Hinweis Dr. Hoheisel, wie Anm. 4.

Zitierhinweis:
DI 51, Wiesbaden, Nr. 110 (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di051mz05k0011008.