Inschriftenkatalog: Stadt Wiesbaden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 51: Wiesbaden (2000)

Nr. 104 Wiesbaden-Klarenthal, Ev. Kapelle (aus ehem. Klosterkirche Klarenthal?) M.17.Jh.?

Beschreibung

Bibelzitat auf Taufstein, dessen Herkunft nicht eindeutig geklärt ist. Buchstaben auf dem oberen Beckenrand umlaufend eingehauen, golden und teilweise verfälschend ausgemalt, Vorlinierungen erkennbar. Taufstein mit neuer Farbfassung, insgesamt sehr gut erhalten. Quadrangeln sind Worttrenner.

Maße: H. (o. Deckel) 98,5, Dm. 50, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 51, Nr. 104 - Wiesbaden-Klarenthal, Ev. Kapelle (aus ehem. Klosterkirche Klarenthal?) - M. 17. Jh.?

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. IN DIE · ILLAa) / ERIT · FONS / PATENS DO/MUI DAVIDIS / ET · HABITA/NTIBUS HIE/RUSALEM / ZACH · 131)

Übersetzung:

An jenem Tage wird sich dem Hause Davids und den Einwohnern Jerusalems eine Quelle eröffnen.

Kommentar

Das Erscheinungsbild der Inschrift ist durch die Ausmalung über den Kerbenrand hinaus verändert: Insgesamt wurden die Hasten und Balken verbreitert, die Sporen kräftiger ausgezogen, die Quadrangeln jedoch nicht ausgemalt. Der erkennbare originale Schriftbefund zeigt eine sehr schlanke und eng gedrängte Kapitalis. In Proportion, Nexus litterarum, E mit stark verkürztem, fast auf den Sporn reduziertem Mittelbalken, spitzovalem O, R mit geschwungener, aber fast senkrecht gestellter Cauda und extrem schlankem S stimmen die Buchstabenformen mit jenen der Taufsteine von 1649 in Biebrich (vorherige Nr.) und 1654 in Frauenstein (Nr. 106) überein.

Ohne weiter präzisierte Datierung kann nicht entschieden werden, ob der Taufstein von den seit 1629 mit der Seelsorge in Klarenthal betrauten Jesuiten, nach deren Vertreibung 1650 für die Betreuung der Landarmen angeschafft oder erst nach der Errichtung der ev. Kapelle 1730 aus der Umgebung angekauft wurde.

Textkritischer Apparat

  1. Das zweite L ist falsch mit verkürztem Schaft und kurzem Balken über dem Balken des ersten L aufgemalt; der Befund zeigt jedoch einen an das erste L anstoßenden Balken.

Anmerkungen

  1. Sach 13,1.

Zitierhinweis:
DI 51, Wiesbaden, Nr. 104 (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di051mz05k0010403.